Corona-Quote: Zahlen für Kreis Unna und Lünen, Arzt bezweifelt Aussagekraft

dzCoronavirus

Neue Lockerungen kommen, bei zu vielen neuen Covid-Fällen soll es wieder Einschränkungen geben. So sehen die Zahlen für den Kreis und Lünen aus. Ein Arzt äußert Bedenken über den Grenzwert.

Lünen

, 07.05.2020, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bundesregierung hat am Mittwoch (6.5.) weitreichende Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen in weiten Teilen des öffentlichen Lebens angekündigt, darauf hatten sich Kanzlerin Merkel und die Regierungschefs geeinigt.

Gleichzeitig gilt aber auch: Ist bei den Neuinfektionen eine bestimmte Grenze überschritten, müssen Einschränkungen wieder in Kraft gesetzt werden. Genau heißt das: Sobald die Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt überschritten wird. Für den Kreis Unna sehen die Zahlen im bisherigen Verlauf der Corona-Krise so aus:

Am 6. April war die Zahl im Kreis Unna mit knapp 45 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern am höchsten, und damit immer noch unter der Grenze des Krisenstabs der Bundesregierung. Obwohl der Kreis mit den Ausbrüchen im Pflegeheim in Fröndenberg stärker betroffen ist als andere.

Der Anstieg in Lünen erklärt sich durch mehrere Fälle in Familien am vergangenen Wochenende. Das hatte der Kreis Unna am Montag erklärt.

Vergleich mit Heinsberg

Die Grafik zeigt aber auch, dass der Kreis Unna die neue Grenze vor einem Monat schon einmal fast überschritten hätte. Ein Vergleich mit einem der stärksten Ausbruchs-Herde der Republik, dem Kreis Heinsberg, zeigt, dass eine Unterschreitung der Grenze nicht selbstverständlich ist:

Dr. Berthold Lenfers, Leiter des Covid-Koordinationsstabes des Katholischen Klinikums Lünen Werne, hält den Grenzwert allerdings für wenig aussagekräftig. „Er ist nicht dynamisch“, sagt er. Es stelle sich die Frage, ob das nicht zu großzügig sei.

Schließlich zeige dieser Wert im Grunde nur, was vor zwei Wochen passiert sei. Das hängt mit Meldewegen und der Inkubationszeit zusammen. Und das könne schon zu spät sein, weil sich das Virus bei einem erneuten Ausbruch exponentiell verbreiten würde. Lenfers weist außerdem darauf hin, dass Meldungen am Wochenende nicht stringent weitergeleitet würden: „Darin steckt ein Gefahrenpotenzial.“

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Ursprung der Grenze wohl in der Politik

Woher kommt also diese Grenze? Bei den täglichen Lage-Berichten des Robert-Koch-Instituts (RKI) wechselt ein Landkreis bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen die Farbe: von orange zu hellrot, die zweitschlechteste Kategorie. War das also ein Vorschlag des RKI? In der Pressestelle dort erklärt eine Sprecherin: „Nein, das ist von der Politik entschieden worden.“

Im Beschluss des Krisenstabes steht: Ab einer gewissen Relevanz muss auf eine regionale Dynamik mit hohen Neuinfektionszahlen und schnellem Anstieg der Infektionsrate sofort vor Ort mit Beschränkungen reagiert werden.“ Wieso die „gewisse Relevanz“ an genau diesem Punkt entsteht, wird auch dort nicht erläutert.

Die Bundesregierung verweist auf Anfrage auf die Pressekonferenz vom Mittwoch. Da führt Kanzlerin Angela Merkel aus, dass die Gesundheitsämter bis zu diesem Wert die Infektionsketten noch zurückverfolgen könnten - und es deswegen im Krisenstab auch keinen Dissens mehr darüber gegeben habe.

„Mit diesem Wert können wir umgehen“

Diese Einschätzung teilt die Pressesprecherin des Kreises Unna, Constanze Rauert: „Das ist grundsätzlich so, mit diesem Wert können wir umgehen.“ Sie weist allerdings auch auf andere Möglichkeiten hin.

Gebe es einen Ausbruch etwa in einem Pflegeheim, könnte man auch gezielt die Menschen dort isolieren - und bräuchte so keine Maßnahmen für die komplette Bevölkerung einzuführen.

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