Lüften gehört zurzeit neben der AHA-Regel (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske) zur wichtigen Vorsorge gegen eine Infektion. Luftreiniger können das Lüften nicht ersetzen. © picture alliance/dpa
Verbrauchertipp

Corona: Mobile Luftreiniger ersetzen das regelmäßige Lüften nicht

Es ist Herbst und vieles verlagert sich an kühlen Tagen wieder in die Innenräume. Als Ergänzung des Ansteckungsschutzes vor Corona setzen immer mehr Menschen auf mobile Luftreiniger.

Wenn Treffen wieder in Innenräumen stattfinden müssen, steigt auch die Sorge vor Ansteckung mit dem Corona-Virus in Schulen, Büros oder Cafés. Auf der Suche nach sinnvollen Ergänzungen zu regelmäßigem Lüften und den AHA-Regeln (Abstand halten, Hygienemaßnahmen und Alltagsmaske) setzen Verbraucher derzeit auf mobile Luftreiniger. Die Verbraucherzentrale NRW warnt davor, sich auf Luftreiniger als alleiniges Wundermittel gegen Covid-19 für die kalte Jahreszeit zu verlassen. Was man bedenken sollte, erklärt Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherzentrale in Fragen und Antworten.

Können Luftreiniger das Lüften ersetzen?

Ganz klar – nein. „Denn die Geräte können laut Umweltbundesamt nur eine unterstützende Maßnahme sein. Regelmäßiges Lüften und das Einhalten der AHA-Regeln können sie dagegen nicht ersetzen,“ sagt Jutta Gülzow. Beim Kauf eines Luftreinigers solle man zudem nicht blind auf die Werbeaussagen der Hersteller vertrauen, rät sie. „Vor allem Werbeaussagen in Bezug auf Virenabwehr sollten unter realitätsnahen Bedingungen von unabhängigen, seriösen Stellen bestätigt sein.“

Was sollte man beim Thema Lüften beachten?

Auch beim Einsatz eines mobilen Luftreinigers sind die Lüftungsregeln zu beachten! Räume, in denen sich mehrere Menschen aufhalten, sollten häufig gelüftet werden. So kann die mögliche Virenkonzentration in der Raumluft reduziert werden. Sollte keine eingebaute Lüftungsanlage vorhanden sein, empfiehlt sich das klassische Lüften mit weit geöffnetem Fenster. Für einen schnellen Luftaustausch ist eine Querlüftung mit Durchzug optimal. Dauerhaft oder zeitweise gekippte Fenster sind dagegen nur wenig wirksam.

Worauf kommt es bei dem Filter im Lüftungsgerät an?

Nicht alle Filter sind gleichermaßen dafür geeignet, virushaltige Partikel aus der Luft zurückzuhalten. Luftreiniger-Modelle, die über sogenannte High Efficiency Particulate Air (HEPA)-Filter der Klasse H13 oder H14 verfügen, können Viren bzw. feinste, mit Viren beladene Tröpfchen filtern. Die üblicherweise in Lüftungsanlagen eingesetzten Filter der Klassen F7 bis F9 schaffen das hingegen nicht.Luftfilter müssen nach einer bestimmten Betriebszeit ausgewechselt werden. Dazu sind Fachkenntnisse oder geschultes Personal notwendig.

Sind alle Geräte für alle Räume geeignet?

Die gefilterte Luftmenge sollte auf die Raumgröße und -belegung abgestimmt werden. Außerdem müssen die Luftansaug- und -abblasrichtung so positioniert sein, dass der Luftreiniger einen großen Anteil der Raumluft ansaugen kann und nicht noch zu einer zusätzlichen Verwirbelung und Verteilung virenbeladener Luft im Raum beiträgt.

Welche Modelle gibt es überhaupt und welche sind sinnvoll?

Luftreiniger, die mit Ozon arbeiten, können die Raumluft mit diesem Reizgas belasten. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass das Gas mit anderen chemischen Stoffen in der Luft reagiert und dabei neue gesundheitsschädliche Stoffe entstehen. Daher rät das Umweltbundesamt von solchen Geräten ab. Andere Geräte-Typen ionisieren die Raumluft, allerdings kann dieses Verfahren Viren nicht wirksam unschädlich machen. Bei der Ionisation von Luft wird zudem Ozon gebildet, das nur bei einigen Geräten bereits beim Luftreinigungsvorgang in harmlosere Verbindungen umgewandelt wird. Einige Modelle arbeiten mit UV-C-Licht, also energiereicher, ultravioletter Strahlung. Diese Strahlung ist prinzipiell in der Lage, Viren unschädlich zu machen. Ob die UV-Technik aus handelsüblichen Geräten tatsächlich Viren wirkungsvoll deaktivieren kann, ist laut Umweltbundesamt jedoch noch nicht nachgewiesen. Luftreiniger mit UV-C-Strahlung sollten zum Schutz von Haut und Augen zudem grundsätzlich nur zum Einsatz kommen, wenn gesichert ist, dass aus ihnen keine UV-C-Strahlung freigesetzt wird.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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