In einer regen Facebook-Diskussion machten Lüner Eltern ihren Gefühlen zu den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und der Betreuungssituation Luft. © picture alliance / dpa
Eltern in der Pandemie

Corona-Lockdown: Lüner Eltern zwischen Zuversicht, Ärger und Resignation

Was bedeutet die Schließung von Kita und Schule für Familien? Das wollte unsere Reporterin über Facebook von Lüner Eltern wissen. Es entbrannte eine rege, teils verbissene Diskussion.

Unsere Reporterin Kristina Gerstenmaier stellte am Dienstag (5.1.) auf Facebook folgende Frage: „Liebe Lüner Eltern, heute wird die Entscheidung gefällt, wann Schulen und Kitas wieder öffnen. Dazu würde ich mich sehr gerne mit der einen oder dem anderen darüber unterhalten, was das für Sie als Familie bedeutet.“ Diese Frage löste in verschiedenen lokalen Facebook-Gruppen rege Diskussionen aus. Dabei sind die Meinungen und Stellungnahmen sehr unterschiedlich. Eines aber haben sie gemeinsam: Sie drücken die Sorgen und Nöte der Eltern aus. Und sie alle sind sehr emotional.

Auf der einen Seite gab es jene, die viel Verständnis für die Entscheidung zeigen. So schreibt eine Nutzerin: „Man tut es, um uns alle zu schützen. Ich bin froh über diese Entscheidung, denn ich bringe meine Kinder ungern in Gefahr, nur damit sie gebildet sind. Wenn man den Rest seines Lebens schwer krank ist, bringt einem die Bildung auch nichts mehr.“

Mit 67 Prozent Lohn für Betreuung freigestellt

Andere hingegen berufen sich auf ein gewisses Recht auf Kinderbetreuung. So schreibt ein Nutzer: „[Das ist] völliges Versagen der Politik und das Abwälzen der Verantwortung auf die Eltern durch Herrn Stamp (…).“ Woraufhin ihm entgegnet wird: „Sorry, aber die Verantwortung liegt bei den Eltern. Wo auch sonst?“ „Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wenn ich arbeiten soll und Steuern zahlen soll, müssen meine Kinder betreut werden“, kommt als Antwort zurück. Eine andere Nutzerin kommentiert: „Tagesmütter soll man ja zurzeit auch vermeiden. Zur Oma sollte ich meinen Sohn am besten auch nicht bringen, da sie zur Risikogruppe gehört. Aber irgendwie soll ich den Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung schaffen. Man fühlt sich, freundlich ausgedrückt, etwas verarscht. Vor allem, wenn dann, wie bei uns, das Kind in Quarantäne musste, weil es in der Kita einen positiven Fall gab. Ich musste mich mit 67 Prozent Lohn freistellen lassen, weil niemand sonst aufpassen durfte!

Was macht Corona mit den Kindern?

Zudem wird sich darüber unterhalten, was der Lockdown bei Kindern verursacht. Streit, Langeweile oder soziale Abkapselung sind Thema. Eine Mutter schreibt: „Familien, in denen es nicht gut läuft ohne Kitas und Schulbetrieb? Ich glaube, dort läuft es auch nicht mit Kita und Schulbetrieb. Sicherlich ist es nicht einfach mit nörgelnden, gelangweilten Kindern, aber dafür ist man Mutter oder Vater! Oder setze ich Kinder in die Welt und überlege mir, wohin ich sie wann abschieben kann?“ Die Zeit sei für alle schwierig, aber irgendwann vorbei.

Dabei wird sie von einigen Usern unterstützt: „Meine Kinder vermissen Kindergarten und Schule nicht“, schreibt eine andere Mutter. „Viele Eltern, die nörgelnde und gelangweilte Kinder Zuhause haben, haben vergessen, wie man sich und seine Kinder beschäftigt. Malen, Basteln, die Natur entdecken – das braucht Begleitung, bietet aber auch die Möglichkeit, durch die Entschleunigung des Lockdowns wieder das Lernen der Kinder aktiv mitzugestalten.“

Mutter: „Lasst die Kinder zu Hause!“

Wie sehr eine solche Sicht von der persönlichen Situation abhängt, zeigt der Kommentar einer weiteren Mutter: „Solch eine Aussage finde ich sehr überspitzt“, schreibt sie. Nicht Nörgelei oder Langeweile machten den Familien das Leben schwer, sondern dass manche Eltern trotz allem arbeiten müssten: „Mein Mann und ich arbeiten beide Vollzeit“, so die Userin. „Ich arbeite im Krankenhaus, quasi an der Front. Und wenn ich immer höre: macht was mit den Kindern, bastelt… blabla, krieg` ich die Krise. Nach zehn Monaten sind auch nun mal diese ‚kreativen‘ Reserven aufgebraucht. Die Kinder haben auch den Kaffee auf. Sport fällt weg, mit mehreren Kindern zusammen spielen, Schule: alles fällt weg. Das ist hart und hat mit nörgeln und Langeweile nichts mehr zu tun.“

An anderer Stelle herrscht Unsicherheit, wie die dringende Empfehlung der Landesregierung, die Kita-Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu lassen, zu verstehen ist: „Wenn ich als Mutter nicht in der Lage bin, mein Kind zuhause zu betreuen, wenn ich weder arbeiten muss, einen wichtigen Termin habe oder aus gesundheitlichen Gründen, dann sollte ich mir überlegen, ob da nicht was falsch läuft, ganz einfach. Und wenn die Kitas immer und immer wieder den Eltern, die es einfach nicht raffen wollen, erklären müssen, warum die Kinder zuhause bleiben sollten, dann tut es mir leid“, schreibt eine Mutter. Ein solches Verhalten ziehe die Pandemie unnötig in die Länge.

Mehrere andere Nutzer diskutieren mit ihr, setzen ihr eigenes Entscheidungsvermögen jeder Erziehungsperson entgegen. Eine Nutzerin schreibt: „Und wenn ich der Meinung bin, meine Tochter einmal die Woche in die Kita zu schicken, damit sie ihre sozialen Kontakte behält, dann tu ich das! Unsere Kinder sind letztendlich sowieso die Gelackmeierten. Und ein Mal Kita wird uns keine Ausgangssperre bringen.“

Auch wenn diese Auswahl keinen Konsens zeigt, so zeigt sie doch die Aufgaben und Herausforderungen, mit denen Eltern sowieso und vor allem während dieser Pandemie konfrontiert sind.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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