Einsamkeit trifft Menschen nicht nur in der Corona-Pandemie. Wer schon vorher kaum Kontakte hatte, sieht keinen Unterschied. © picture alliance/dpa
Corona-Krise

Corona-Krise fördert Einsamkeit in Lünen: Nicht nur Ältere leiden

Einsamkeit ist eines der Probleme in der Pandemie. Davon sind nicht nur, aber eben auch viele ältere Menschen betroffen. Drei Lünerinnen schildern ihre Erfahrungen mit dem Thema.

Menschen, die alleine leben, haben es in der Pandemie besonders schwer. Denn durch die Kontaktbeschränkungen fühlen sich manche einsam. Treffen mit Freunden sind nicht möglich, man ist komplett auf sich allein gestellt. Einsamkeit trifft nicht nur, aber oft ältere Menschen.

In ihrem Berufsalltag haben drei Lünerinnen mit diesem Thema zu tun. Annette Goebel ist Koordinatorin für Altenarbeit. Durch viele Gespräche mit Senioren kennt sie das Problem Einsamkeit. Ihre Kollegin Katharina Lorenz hat durch ihre Aufgabe „Aufsuchende Hilfen“ bei der Stadt Lünen das Phänomen „Pandemie und Einsamkeit“ ganz unterschiedlich wahrgenommen. Friederike Scholz-Druba ist Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lünen und beschäftigt sich als Seelsorgerin mit dem Thema.

Ohne Außenkontakte

Für manche Menschen hat Corona keinen Unterschied zum Leben vor der Pandemie ausgemacht. „Es sind Menschen, die ohnehin kaum oder keine Außenkontakte haben und sich einsam fühlen“, sagt Katharina Lorenz. Pandemie-ähnliche Verhältnisse sind für diese Menschen Alltag. „Für Einsamkeit muss es keine Pandemie geben“, so die Mitarbeiterin der Stadt. Es sind Menschen verschiedenen Alters, die finanziell, gesundheitlich und/ oder mobil schlecht gestellt sind und für die auch ohne Corona Besuche in Restaurants, Theatern oder Kinos unmöglich sind. „Für diejenigen geht es auch nach Ende der Pandemie so weiter.“

Katharina Lorenz ist bei der Stadt Lünen für „aufsuchende Hilfen“ zuständig.
Katharina Lorenz ist bei der Stadt Lünen für „aufsuchende Hilfen“ zuständig. © Beate Rottgardt (Archiv) © Beate Rottgardt (Archiv)

Aber es hat auch vieles gut funktioniert, um den Betroffenen zur Seite zu stehen. „Telefonischer Kontakt kann einiges eine gewisse Zeit lang überbrücken“, so die Erfahrung von Katharina Lorenz. Auf Dauer sei das aber kein Ersatz für ein Gespräch vor Ort. Gut funktionierende Nachbarschaften sind ein wichtiges Element, das zeige sich beispielsweise in der Geist. „So etwas lässt sich nicht durch offizielle Angebote ersetzen.“

Telefon ist wichtiger „Corona-Begleiter“

Dies bestätigt auch Annette Goebel. Nachbarschaften, der „kurze Schnack“ am Balkon, das Treffen vor der Tür – kleine, aber sehr wichtige Begegnungen. Das Telefon ist zu einem wichtigen „Corona-Begleiter“ geworden und oftmals die einzige Möglichkeit, Kontakte zu halten. Feste Verabredungen sind dabei hilfreich – und bringen ein wenig Struktur in den Alltag.

Annette Goebel ist Koordinatorin für Altenarbeit der Stadt Lünen.
Annette Goebel ist Koordinatorin für Altenarbeit der Stadt Lünen. © Goebel (Archiv) © Goebel (Archiv)

Insbesondere gelte, so Annette Goebel, dies natürlich für Menschen, für die ein Spaziergang, zum Beispiel mit dem Nachbarn, nicht mehr so einfach möglich ist, da sie körperliche Einschränkungen haben. Aber auch das vermehrte Entdecken von Messenger-Diensten ist Annette Goebel aufgefallen. Da ist plötzlich die über 80-Jährige bei einem Anbieter zu finden – und schreibt munter drauf los oder nutzt Videotelefonie.

Wenn man noch etwas anderes Positives in der Pandemie finden will, dann vielleicht, dass es durch Corona gesellschaftsfähig geworden sei, alleine oder eben auch einsam zu sein, weil es immer mehr Menschen trifft. „Vorher hat man es allgemein als vermeintliche Schwäche angesehen, heute weiß man, dass viele Menschen betroffen sind und es auch so benennen – ohne Stigmatisierung,“ so Katharina Lorenz. Auch wurden Menschen für das Gefühl und die Auswirkungen des „nicht teilnehmen können“ sensibilisiert – allerdings mit einem befristeten Zeitfenster. Das Thema „Teilhabe“ müsse somit auch nach der Pandemie thematisiert und gelebt werden. Das ist eine Chance.

Kontakt mit allein lebenden Menschen aufnehmen

Beispiele für Hilfen in der derzeitigen Pandemie gibt es auch. So findet man auf der Homepage der Stadt Lünen unter www.luenen.de Kontaktangebote. In der evangelischen Gemeinde Brambauer haben die Verantwortlichen seit Anfang der Pandemie und der damit zusammenhängenden Schließung von Kirche und Gemeindehaus die Leiter der Gemeindegruppen ermutigt, gerade zu den allein lebenden Gästen weiter Kontakt aufzunehmen. „Dies ist bei vielen Gruppen gut gelungen. Im Abendkreis der Frauenhilfe gibt es eine Telefonkette zweimal in der Woche. An den alten Markttagen Montag und Donnerstag rufen sich die Frauen nach einer festgelegten Liste nacheinander an,“ so Friederike Scholz-Druba.

In der Frauenhilfe und in der Begegnungsstätte werden jede Woche Andachten in die Briefkästen der Mitglieder verteilt. Im Erzählcafé werden auf Abstand gemeinsame Spaziergänge gemacht und ansonsten hält man auch telefonisch Kontakt.

Pfarrerin Friederike Scholz-Druba weist auf einige Kontaktmöglichkeiten hin, die in der evangelischen Kirchengemeinde Brambauer aufgebaut wurden.
Pfarrerin Friederike Scholz-Druba weist auf einige Kontaktmöglichkeiten hin, die in der evangelischen Kirchengemeinde Brambauer aufgebaut wurden. © Kirchengemeinde © Kirchengemeinde

Friederike Scholz-Druba: „Für Menschen, die nicht digital verbunden sind, greifen wieder die alten, vertrauten Techniken wie Telefon, Briefe und Zurufe über den Gartenzaun.“ Die Mitglieder der Gemeindeleitung bieten an, wöchentliche Kontaktmöglichkeiten während der Offenen Kirche. „Wir als Seelsorger sind vor Ort zum persönlichen Gespräch unter Coronabedingungen. Den Angehörigen von Verstorbenen haben wir einen besonderen Brief mit Erinnerungsmöglichkeiten geschickt und bieten da auch Gespräche per Telefon an.“

Pfarrer und Ehrenamtliche

Andere Gruppen treffen sich per Zoom. Online Andachten werden wöchentlich produziert und über die Homepage angeboten. Allein lebende Menschen, die nicht in eine Gemeindegruppe eingebunden sind, haben die Möglichkeit, mit Seelsorgern Kontakt aufzunehmen. Neben den Pfarrern stehen auch Ehrenamtliche bereit für weitere regelmäßige Telefonkontakte. Die Offene Kirche lädt mittwochs und sonntags ein, einen Ort in der Martin- Luther- Kirche zu finden für Stille, Gebet, Entzünden einer Kerze. Dies wird zur Zeit vermehrt genutzt.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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