Nach 17 Uhr ist in der Lüner Innenstadt nicht mehr viel los. Viele Geschäfte haben schon geschlosssen. © Julian Preuß
Einzelhandel

City-Ring-Lünen erwartet Händlersterben in der Innenstadt

Neben der Lüner Gastronomie leidet auch der Lüner Einzelhandel immens unter der Corona-Pandemie. Wie ernst die Lage ist, erklärte City-Ring-Chef Helmut von Bohlen im Wirtschafts-Ausschuss.

Die Situation des Lüner Einzelhandels ist nach Angaben des City-Ring-Vorsitzenden Helmut von Bohlen pandemiebedingt mehr als dramatisch:

„Die Stimmung der Händler in der City ist sehr, sehr schlecht. Am Ende des Jahres werden wir hier nicht mehr so viele Händler haben.“

Das sagte von Bohlen in der digitalen Konferenz des Wirtschafts-Ausschusses am 28. April.

An der Sitzung nahm neben Vertretern der Stadt und der Ratsfraktionen auch Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes NRW Westfalen-Münsterland, teil.

Helmut von Bohlen ist Vorsitzender des City-Rings Lünen und Geschäftsführer des gleichnamigen Immobilienbüros in der City.
Helmut von Bohlen ist Vorsitzender des City-Rings Lünen und Geschäftsführer des gleichnamigen Immobilienbüros in der City. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Während Schäfer grundsätzlich auf die landesweite Situation des Einzelhandels einging und für sämtliche Innenstädte dringend notwendige Maßnahmenbündel vorstellte, nutzte Lünens City-Ring-Chef Helmut von Bohlen die Gunst der Stunde, eindringlich auf die wirtschaftliche Lage, aber auch auf die Gefühlslage der Innenstadthändler einzugehen – wofür sich Ausschussvorsitzender Günther Koch (CDU) am Ende explizit bedankte:

„Vielen Dank für Ihren sehr emotionalen und offenen Beitrag, Herr von Bohlen. Der Ausschuss hat immer ein offenes Ohr für den City-Ring und seine Mitglieder.“

Was der Ausschuss da von dem City-Ring-Vorsitzenden ungeschönt zu hören bekam, war schon sehr deutlich.

„Stimmung ist auf dem Nullpunkt“

„Die Stimmung ist ehrlich gesagt auf dem Nullpunkt. Viele Händler haben wirklich Existenzangst“, sagte von Bohlen. Viele Händler seien nicht nur an ihre finanziellen Reserven gegangen, nicht wenige hätten die Reserven schon aufgebraucht.

„Und das Schlimme ist, wir können nichts dagegen tun“, erklärte von Bohlen weiter.

„Viele Fördergelder sind gar nicht geflossen, andere müssen zurückgezahlt werden, weil sich die Bedingungen für ihre Inanspruchnahme geändert haben.“

Ein Problem sei auch, so von Bohlen, dass diejenigen Kaufleute, die „Click & Meet“ oder Click & Collect“ anböten, gar keinen Anspruch auf finanzielle Hilfe durch den Staat hätten.

Zur Kritik an den mitunter unterschiedlichen Öffnungszeiten in der Lüner City sagte der City-Ring-Chef und Geschäftsführer von „Von Bohlen Immobilien“:

„Es macht im Moment niemandem Spaß. Jeder versucht, sich durchzuwurschteln. Die Händler sehen zurzeit einfach kein Licht am Ende des Tunnels.“

Das bestätigte Thomas Schäfer vom Handelsverband zumindest in Teilen. Laut einer aktuellen Verbandsumfrage fielen die Antworten auf die Frage „Sehen Sie Ihre unternehmerischen Existenz derzeit in akuter Gefahr?“ so aus:

  • „Ja, ohne weitere Hilfe werde ich mein Geschäft voraussichtlich im ersten Halbjahr aufgeben müssen“, sagten 15 Prozent.
  • „Ja, ohne weitere Hilfe werde ich mein Geschäft voraussichtlich im zweiten Halbjahr aufgeben müssen“, erklärten 37 Prozent.
  • Mit „Nein“ antworteten 25 Prozent.
  • Mit „Ich weiß nicht“, 23 Prozent.

Online-Handel sorgt für Wachstum

Zur Wahrheit gehöre aber auch, sagte Thomas Schäfer, dass der Einzelhandel insgesamt, also der stationäre Handel und der Online-Handel, im Corona-Jahr 2020 weiter gewachsen sei, wobei das Online-Geschäft Umsatzrückgänge im stationären Handel überkompensiert habe.

„Der Trend zum Online-Geschäft ist ja nicht neu, er ist durch die Pandemie nur noch verstärkt worden“, sagte der Handelsexperte, der auch weiterhin an den stationären Handel glaubt.

Dazu brauche es aber laut Schäfer nicht nur engagierte und innovative Einzelhändler vor Ort, sondern auch die Kommunen und die Politik. Als Stichworte nannte er:

  • Bürokratieabbau,
  • Verkehrsinfrastruktur erhalten, aufbauen,
  • Innenstädte stärken,
  • Ausbau digitaler Infrastruktur,
  • Erlebniswelten schaffen,
  • Wohlfühlatmosphäre schaffen etc.

Im Vergleich mit anderen Städten stehe Lünen, lasse man die Pandemie einmal außen vor, gar nicht so schlecht da, gab Schäfer dem Wirtschafts-Ausschuss mit auf den Weg:

„Viele Städte würden sich nach einem Fluss reißen – auch wenn er tiefergelegt ist. Um den Lüner Handel in der City mache ich mir keine Sorgen, der ist gut aufgestellt.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks
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