Caterer Stolzenhoff: Wieso bei einer gelungenen Veranstaltung Essen übrig bleiben muss

dzLebensmittelverschwendung?

Sommerzeit ist Hochzeits-Zeit - in der der Caterer Stolzenhoff jedes Wochenende bis zu 250 Veranstaltungen mit Essen versorgt. Was passiert mit den Resten?

Lünen

, 26.07.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, die Ursachen und die Verursacher sind vielfältig. Ein Caterer, der tonnenweise Lebensmittel produziert und verteilt, könnte das doch verhindern, oder?

Pauschal, sagt Helmut Stolzenhoff, könne man Fragen zu Essensmengen und Essensresten gar nicht beantworten. „Jede Feier ist anders.“ Manche Fragen lassen sich aber schon beantworten. Denn egal, wer bestellt: Jeder Kunde des international tätigen Caterers bekommt die pro Person die gleiche Menge an Essen.

Und das ist gar nicht so wenig, im Gegenteil: „Wir rechnen rund 1,1 Kilogramm pro Gast“, sagt der Seniorchef, „da fügen wir dann noch einmal fünf Prozent hinzu“. Für den Kunden wäre es das Schlimmste, wenn am Ende Gäste hungrig nach Hause müssten. Daher die großen Mengen. „Und die Kunden sind zufrieden, wir haben eine Reklamationsquote von unter einem Prozent.“

Kunden können Essen am nächsten Tag abholen

Dass Essen überbleibt, ist sogar eingeplant: „Zehn Prozent müssen übrig bleiben, sonst haben die Kunden ein schlechtes Gefühl“, sagt Stolzenhoff. Aber haben sie nicht auch ein schlechtes Gefühl, wenn zu viel übrig bleibt? „Die meisten Kunden nehmen das restliche Essen nach der Veranstaltung mit nach Hause“, sagt Stolzenhoff. Wer in den Sälen in Brambauer feiert, dessen Essensreste können in einem Kühlhaus bis zum nächsten Tag gelagert und dann abgeholt werden. Stolzenhoff stellt auch Gefäße dafür bereit, viele andere bringen die Behälter selbst mit.

Was nicht mitgenommen werden kann, sind zum Beispiel Desserts. Zwei Gläschen rechnet der Caterer pro Gast. Was übrig bleibt, landet in den Refood-Tonnen für Speiseresteentsorgung. Auch die Salate können am Folgetag nicht mehr gegessen werden. Zumindest nicht von Menschen. Stolzenhoff verfüttert sie an die Schafe, die auf dem Betriebsgelände in Brambauer grasen.

An die Tafel geben darf Stolzenhoff die Essensreste übrigens nicht, das ist rechtlich nicht erlaubt.

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Wieviel bei einer Veranstaltung übrig bleibt, das liege an vielen Faktoren: Wetter, Nationalität der Gäste, ob‘s am Nachmittag Kuchen gegeben hat und vieles mehr. Da könne man nicht bei jedem Kunden die Mengen anpassen. Schließlich seien es an warmen Sommerwochenenden allein an einem Wochenende bis zu 250 Veranstaltungen, für die Stolzenhoff das Catering übernimmt. Allein an einem vergangenen Samstag seien es 124 Veranstaltungen gewesen, sagt Helmut Stolzenhoff. Werden es zu viele, verhängt der Seniorchef einen Aufnahmestopp.

Mehrere hundert Mitarbeiter arbeiten an den beiden Standorten in Castrop-Rauxel und in Lünen, wo das Unternehmen mittlerweile an der Wethmarheide neu baut.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale landen jedes Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Ihr Wert: Rund 25 Milliarden Euro. Würde man diese Menge transportieren, bräuchte man 440.000 Sattelschlepper. Das Ganze wirkt sich laut Verbraucherzentrale negativ auf die Umwelt und die Ressourcen aus, schränkt aber auch die Versorgung der Bevölkerung in den ärmeren Ländern ein.
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