Alle lieben Burger, alle hassen Bauern - dabei haben die meisten überhaupt keine Ahnung

dzUnter uns

Wie kann es sein, dass ein Artikel über die Folgen der Trockenheit für Landwirte kaum gelesen wird, sich dafür aber viele Leser auf eine Wiedereröffnung eines Burger-Ladens in Lünen stürzen?

Lünen

, 20.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein kurzer Beitrag über die Wiedereröffnung eines Burgerladens in der Lüner City brachte zahllose Kommentare und Likes. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Burger. Allerdings fiel mir auch auf, dass ein anderer Beitrag vollkommen links liegen gelassen wurde. In dem Artikel: „Dürre 2.0 - wie schlimm steht es wirklich um unsere Felder? Lüner Landwirte klären auf“ geht es um die immer noch bestehenden Folgen der Dürre des vergangenen Jahres. Bauern in Lünen warten weiterhin darauf, dass endlich genügend Regen fällt, damit der Wasservorrat im Boden wieder auf ein „normales“ Level steigt.

Leere Ställe interessieren niemanden

Dass diese Themen unmittelbar zusammenhängen, scheint nicht allen klar zu sein. Wenn Landwirte auf Wasser warten - und wir reden nicht von ein paar Tagen Nieselregen, sondern von Dauerschauern - dann warten sie darauf aus gutem Grund. Denn wie im Artikel von Lüner Landwirten erklärt wird, bleibt der Mais klein und das Gras wird braun. Der Futterwert ist für Nutztiere somit schlecht. Das hat zur Folge, dass Landwirte unter Umständen sogar ihre Ställe leer stehen lassen müssten.

Und das geht wirklich niemanden außer den Landwirt etwas an? Dass die Burger-Patties dann teurer werden könnten, weil die Rinder des Landwirtes nicht genug Futter bekommen, das kommt wirklich bei niemandem an?

Wer glaubt Burger, Pommes und auch Veggi-Spinat-Burger kämen einfach aus dem Kühlregal irgendeines Supermarktes, der hat einfach keine Ahnung. Und das finde ich nicht einmal schlimm. Nicht schön - aber nicht schlimm. Was mich traurig stimmt: dass es einfach niemanden interessiert.

Wissen Sie es wirklich besser?

Ich frage mich, wie kann das sein? Ständig lese ich von Forderungen nach mehr Tierwohl, kaufen tut die Produkte kaum jemand. Landwirte und ihre Kinder werden in Schulen und in Sozialen Netzwerken immer öfter beschimpft. Die Selbstmord-Rate unter Landwirten steigt permanent. Schwarze Schafe gibt es überall, doch einen ganzen Berufststand, der alle Menschen ernährt, zu diffamieren und das nicht nur ohne Kenntnisse darüber zu besitzen, sondern auch noch ohne Interesse an dem Thema, wie der letzte Artikel wieder gezeigt hat, zeugt von einer Doppelmoral, die ich nicht nachvollziehen kann.

Man kann und darf Landwirtschaft kritisch betrachten, dafür muss man dann aber auch bereit sein, sich damit auseinander zusetzen und sich von Experten erzählen zu lassen wie, was und warum. Ein Experte ist nicht etwa der nette Nachbar, der einmal drei Tage lang auf einem Bauernhof Urlaub gemacht hat. Es sind Landwirte. Sie haben tatsächlich gelernt was sie tun. Also: einfach mal beide Seiten lesen.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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