Für die CDU will Arnd Hilwig im Wahlkreis Unna II - zu dem neben Hamm auch Werne, Selm und Lünen gehören - bei der Wahl im September in den Bundestag einziehen. © Marie Rademacher
Bundestagswahl 2021

Bundeswahlkandidat Arnd Hilwig (CDU) will mehr NRW in Berlin

Der Finanzexperte Arnd Hilwig will für die CDU in den Bundestag nach Berlin: Er ist der Direktkandidat der Union im Wahlkreis Unna II und meint: „Wir brauchen mehr NRW in Berlin.“

Ein kleines bisschen komisch ist es schon, dass der Mann in Jeans, weißem Hemd und dunkelblauem Jackett, der gerade noch mit souveränem Lächeln und entschlossenem Gang durch den Auenpark gelaufen ist, die Hand zur Begrüßung ballt und ausstreckt. Die sogenannte „Ghettofaust“ ist in der Coronapandemie absolut gesellschaftsfähig geworden. Auch für den Finanzexperten, Rechtswissenschaftler und Hochschullehrerenden Arnd Hilwig, der – so erzählt er später – grundsätzlich eigentlich doch lieber Lederschuhe statt Sneaker trägt.

„Leben ohne Ende“, so sagt der 48-Jährige begeistert, sei ihm auf dem kurzen Gang durch den Auenpark in Selm begegnet. Kinder auf dem Spielplatz, Teenager an der Skatebahn, Fahrradfahrer, Spaziergänger. Vom Rodelhügel aus schallt aus einer Musikbox dabei gerade ein etwas unanständiger deutscher Hip-Hop-Song – der wieder mehr zur Ghettofaust und weniger zu Arnd Hilwig passt. Gerade aber, weil so viel los ist im Auenpark und der Ort ein Anziehungspunkt für so viele unterschiedliche Menschen ist, hat er ihn als Treffpunkt gewählt.

Seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik unterwegs

Städte, so sagt es Arnd Hilwig, der sich mittlerweile auf eine Sitzgelegenheit niedergelassen und die Beine entspannt übereinander geschlagen hat, verändern sich nun mal – beispielsweise durch den Weggang von Einzelhändlern. „Und dann stellt sich ja schon die Frage: Wie gelingt es uns, sie lebendig zu halten?“ Ein gelungenes Beispiel sei eben der Auenpark.

„Wir haben ja auch einen Lebensraum Lippe in Hamm auf den Weg gebracht, vor ungefähr zweieinhalb Jahren. Und ehrlich gesagt blicke ich mit Neid auf das, was hier umgesetzt worden ist. Ich bedaure sehr, dass die Grünen in Hamm, die jetzt die Mehrheit bilden, zu wenige Erlebenselemente zulassen wollen“, sagt er. Wahlkampfmodus an. Für die CDU will Arnd Hilwig im Wahlkreis Unna II – zu dem neben Hamm auch Werne, Selm und Lünen gehören – bei der Wahl im September in den Bundestag einziehen.

Wenn man seine Familie nach seinen Hobbys fragen würde, so sagt Arnd Hilwig, dann würden seine Frau und die vier Kinder der Patchwork-Familie wahrscheinlich sagen: die CDU. In seinem Wohnort Hamm ist er seit 2020 Mitglied des Stadtrates und Vorsitzender der Fraktion. Seit 2015 ist er außerdem Kreisvorsitzender der CDU Hamm.

In der Kommunalpolitik unterwegs zu sein, erzählt er, das sei für ihn immer etwas sehr Normales gewesen. Auf dem elterlichen Bauernhof habe er nicht nur das Anpacken gelernt – er kann Kühe melken, Traktor fahren und Ställe ausmisten. Sondern auch politisches Engagement.

Lautsprecheranlage für Helmut Kohl aufgebaut

Für ihn selbst sei die Wende eine Art Erweckungserlebnis gewesen. „Das waren wirklich absolute Hochgefühle“, sagt er. „Ich komme aus Nordhessen. Ungefähr zehn Kilometer von unserem Dorf weg verlief die deutsch-deutsche Grenze im Werratal. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Mit Schießbefehl, mit Stacheldraht, mit Minen – mit Grenzanlagen, die erst hinter dem tatsächlichen Grenzverlauf waren. Eine Grenze, die in der Werra mit Stahl und Beton bis auf den Grund ging – damit keiner durchschwimmen konnte.“

Die Phase der „Wiederherstellung der deutschen Einheit“ habe ihn als jungen Menschen politisiert. 1989 trat er in die Junge Union ein, seit 1992 ist er Mitglied der CDU. „Ich habe sogar im Volkskammer-Wahlkampf im März 1990 mal eine Lautsprecheranlage für Helmut Kohl mit aufgebaut“, sagt er – und lacht. Sogar die Hand geschüttelt habe er dem damaligen Kanzler Helmut Kohl.

Auch für seinen Parteikollegen, der jetzt Kanzler werden möchte, findet Arnd Hilwig wertschätzende Worte. „Armin Laschet hat hier mit der CDU- und FDP-geführten Landesregierung einen guten Job gemacht. Und deswegen halte ich ihn für den geeigneten Kanzlerkandidaten für die CDU. Wir brauchen mehr NRW in Berlin.“

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Arnd Hilwig selbst nach Berlin möchte. Er lehrt nicht nur an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung im Fachbereich Finanzen, sondern war auch schon im Bundesministerium für Finanzen tätig. Diese Kompetenz sei das eine, sagt er. „Und der andere Punkt ist eben, dass die entscheidenden Fragen von Deutschlands Rolle in der Welt, von den Rahmenbedingungen für das Leben aller in unserem Land in Berlin gestellt werden.“

Arnd Hilwig ist seit 1992 Mitglied der CDU. Seit 2020 sitzt er in Hamm im Stadtrat und ist Vorsitzender seiner Fraktion.
Arnd Hilwig ist seit 1992 Mitglied der CDU. Seit 2020 sitzt er in Hamm im Stadtrat und ist Vorsitzender seiner Fraktion. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Der Wahlkampf „macht Spaß!“, sagt Hilwig. „Und wenn man keine Lust dran hat, sich mit den Leuten auseinander zu setzen und den Gegenwind auszuhalten, dann sollte man gar nicht erst mit der Politik anfangen.“ Allerdings liege ihm dabei Fairness am Herzen, sagt er. „Ich bin zwar immer auch für ein hartes Wort in der Sache. Ich lehne es aber wirklich ab, wenn es gegen die Person geht. Ich war gemeinsam mit Walter Lübcke, der vor gut anderthalb Jahren von Rechtsextremisten ermordet worden ist, in der Jungen Union in Nordhessen aktiv. Es hat mich damals schwer berührt, als ich aus dem Fernsehen erfahren habe, dass er umgebracht wurde. Und deswegen ist mir wichtig, dass wir mit einer gewissen Achtsamkeit Politik machen.“

Bayer Leverkusen, Schützenverein und Karneval

Für die Bundestagswahl ist sein stärkster Konkurrent wohl Michael Thews (SPD), der in der letzten Legislaturperiode das Direktmandat für den Wahlkreis geholt hat und jetzt wieder antritt. Der Lüner ist den Menschen im Nordkreis vermutlich etwas präsenter als der CDU-Konkurrent. Im Hamm, kontert Arnd Hilwig, sei er hingegen bekannt wie ein bunter Hund. Das liegt sicher nicht daran, dass er Fan von Bayer 04 Leverkusen ist und viele Jahre lang eine Dauerkarte hatte. Schon eher aber daran, dass er nicht nur sehr aktiv ist in der Kommunalpolitik, sondern auch im Vereinsleben. Er ist überzeugtes Mitglied im Schützenverein. Und großer Fan des Hammer Karnevals. „Karnevalsprinz war ich noch nicht“, sagt er mit einem Augenzwinkern, „insofern gibt es noch weitere Herausforderungen neben dem Deutschen Bundestag.“

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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