Brexit bringt Probleme beim Austausch mit Lünens Partnerstadt Salford

dzVerein SaLü

Seit dem Jahr 2000 organisiert der Verein SaLü den Austausch von Gruppen aus Lünen und Salford. Doch der drohende Brexit sorgt jetzt für große Probleme bei der Planung für dieses Jahr.

Lünen

, 19.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Die „Entscheidung“, dass der Brexit nun spätestens am 31. Oktober kommen soll, stimmt Margit und Ralf Horstmann nicht gerade froh. „Jetzt ist alles unklar, nun könnte es sein, dass die Briten die EU irgendwann zwischen jetzt und Ende Oktober verlassen“, so Ralf Horstmann, Mitglied des Vereins SaLü. Immerhin eins weiß er schon: Seit dem 30. März gibt es auf der Insel nur noch die klassischen britischen Pässe. „Von unseren Kontakten aus Salford wissen wir, dass die Leute in England das Ganze nicht mehr hören können.“

Es ist unklar, welche Papiere gebraucht werden

Eigentlich wollte SaLü im Juli eine Gruppe aus Lünen nach Salford schicken, in die Stadt bei Manchester, die seit 1966 Lüner Partnerstadt ist. „Aber jetzt wissen wir nicht, ob die Jugendlichen einen Pass brauchen oder wie bisher der Personalausweis reicht,“ so Margit Horstmann, Schriftführerin des Vereins. Auch die Frage der Krankenversicherung ist dank des Brexit-Hin-und-Hers nicht geklärt.

Außerdem hat SaLü noch keine Zusage aus Salford - weder eine ausreichende Anzahl an Gastfamilien noch der Reisetermin Anfang der Sommerferien sind bestätigt. Margit Horstmann: „Wir würden die Lüner Jugendlichen gerne für 14 Tage nach Salford schicken. Dann können sie auch besser Kontakte mit den Gastfamilien knüpfen, weil die dann mit ihnen am Wochenende etwas unternehmen.“ Die Engländer dagegen wollen die Gäste lieber nur für eine Woche aufnehmen.

Flüge können derzeit nicht gebucht werden

Momentan hat SaLü einen erwachsenen Betreuer und vier interessierte Jugendliche für die Fahrt. Margit Horstmann: „Wir suchen derzeit auch bewusst noch keine weiteren Betreuer und Jugendliche, weil wir gar nicht wissen, ob die Fahrt überhaupt zustande kommt.“ Denn auch die Flüge können nicht gebucht werden. „Und wenn die Briten ohne Deal aus der EU gehen, erlöschen automatisch die Landegenehmigungen der britischen Fluglinien in Europa“, so Ralf Horstmann,

Das Chaos begann schon 2016, als es plötzlich keine Gastfamilien mehr in Salford gab. Margit Horstmann: „Wir wollten den Austausch aber nicht aufgeben und haben unsere Gruppen in einem Hotel untergebracht.“

Termine waren eigentlich schon abgestimmt

Ein Problem war - neben dem Brexit - dass die Mitglieder des Komitees in Salford, das sich um den Austausch gekümmert hat, inzwischen fast alle über 80 Jahre alt sind und die Aufgabe an die Stadtverwaltung zurück gegeben haben. Als die SaLü-Vertreter sich vor zwei Jahren mit dem hauptamtlichen Salforder Bürgermeister und dem für die Partnerschaft zuständigen Ratsmitglied trafen, schien es so, als habe man auf Seiten der englischen Partnerstadt durchaus Interesse an einer Fortsetzung des Austauschs.

Im vergangenen Jahr hatten die SaLü-Mitglieder zusammen mit den Salfordern Termine für dieses Jahr vereinbart. Ralf Horstmann: „Wir dachten eigentlich, es wäre alles in Butter.“ Nach den Plänen sollte eine Gruppe aus England ebenfalls in den Sommerferien Lünen besuchen.

Kurzfristig Gasteltern in Lünen gefunden

Aber manchmal sind die Briten auch spontan. Das erlebte das Lüner Ehepaar im vergangenen September, als plötzlich die Nachricht kam, in sechs Wochen würden zwei Betreuer und sechs „students“ aus Salford nach Lünen reisen. „Das Wort students kann sowohl Schüler als auch Student bedeuten, da mussten wir dann nachfragen, um auch die passenden Gastfamilien zu finden“, so Margit Horstmann. Das klappte aber noch rechtzeitig.

Wie wichtig vielen Lünern der Austausch ist, zeigte sich bei einem Treffen von ehemaligen Salford-Fahrern. Immerhin 150 Teilnehmer waren dabei. Das Lüner Ehepaar mag England und wünscht sich, dass der Austausch von Jugendlichen aus den beiden Partnerstädten trotz Brexit-Chaos bestehen bleibt. Und dass die Lüner Gruppe wie geplant doch noch im Juli nach Salford reisen kann.

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