Seit einem Jahr müssen Bons ausgedruckt werden - auch wenn ein Kunde nur ein Brötchen kauft. Die meisten Kunden wollen den Kassenzettel gar nicht. © picture alliance/dpa
Ein Jahr Bonpflicht

Bonpflicht seit einem Jahr: Was Lüner Bäcker daran noch immer nervt

Die Bonpflicht gibt es seit einem Jahr. Als sie eingeführt wurde, war die Aufregung vor allem bei kleinen Betrieben in Lünen groß. Kritik gibt es noch. Doch einige haben heute andere Sorgen.

Von 100 Kunden nehmen im Schnitt zwei Kunden ihren Kassenbon mit – nämlich diejenigen, die mit EC-Karte bezahlt haben. Das ist die Bilanz in der Kanne-Filiale an der Cappenbergerstraße 95 in Lünen. Der überwiegende Teil der Kassenzettel wandert direkt in eine große Brottüte, die neben der Kasse steht. „Wir füllen jeden Tag zwei dieser Tüten und verbrauchen eine komplette Bonrolle“, berichtet Mitarbeiterin Marina Felix. „Das ist reine Umweltverschmutzung und unnötige Papierverschwendung. Dieses Gesetz hätte man sich aus meiner Sicht wirklich sparen können.“ Eingeführt wurde das Gesetz im Vorjahr, um möglichen Steuerbetrug mittels manipulierter Registrierkassen einzudämmen.

Müll, Mehraufwand, zusätzliche Kosten: Was bei Einführung der Bonpflicht im Januar 2020 ein echter Aufreger vor allem unter den Bäckern war, bei denen oft nur kleine Beträge über die Theke wandern, ist inzwischen zur lästigen Gewohnheit geworden.

Das bestätigt auch Marina Felix` Vorgesetzte Hannah Kanne. „Eigentlich ist es aber kein Thema mehr bei uns“, sagt sie. Man habe zurzeit, coronabedingt ganz andere Sorgen: „Wir haben Filialen, bei denen wir 60 Prozent Umsatzrückgang verzeichnen“, so Kanne. „Vor allem die Innenstadtlagen sind wirklich tot.“

Neue Module müssen angeschafft werden

In dieser Situation ärgert es sie besonders, dass das Unternehmen gezwungen ist, für die Registrierkassen ein neues Modul zu bestellen. Dadurch habe die Finanzaufsicht direkten Zugang zu den Umsätzen, sodass Bons überflüssig würden. Geplant ist die Einführung zum 31. März 2021. „Es ist ärgerlich, dass das ausgerechnet jetzt kommt“, sagt Hannah Kanne, aber zum Glück könne die Rechnung auch später bezahlt werden.

Nur Kinder bekommen Bon mit

Auch in der Bäckerei Wulf an der Bebelstraße nimmt den Bon kein Kunde mit. „Nur den Kindern kleben wir ihn mit Tesa außen an die Brötchentüte“, erzählt Inhaberin Marion Wulf. Es sei ihr wichtig, dass die Eltern der unter 14-Jährigen, die alleine zu ihr in den Laden kommen, die Rechnung bekämen. Alle anderen Kunden wollen den Kassenzettel aber nicht. Pro Tag komme ein kompletter gelber Sack Bon-Müll zusammen – ein Drittel mehr Müll als vor Einführung der Bonpflicht. Als kleinster Bäcker Lünens sei die Entsorgung aber nicht so das Problem. „Schön ist das nicht, weil es von den Kunden ja gar nicht gewollt ist“, sagt Wulf, „ich habe auch ein schlechtes Gewissen wegen des Mülls, aber mache es natürlich, weil es Gesetz ist.“

Die Registrierkassen, die für die Umstrukturierung des Systems benötigt werden, hat sie schon seit über drei Jahren im Laden. „Ich würde es schon gut finden, wenn der Bon bald abgeschafft wird, aber ich ordne mich dem unter, was kommt.“

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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