Bilderbuch-Idylle auf Cappenberg

CAPPENBERG Die Kleingartenanlage "Waldesruh" erhält erneut das "Goldene Kleeblatt". Hier darf jeder seine Vorstellung von einem schönen Garten ausleben. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis dieser mehrfach ausgezeichneten Anlage?

11.07.2008, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dunkle Wolken ziehen über den Cappenberger Wald. Die Kleingartenidylle trübt dies nicht. Auch ohne Sonne wirkt es hier wie ein kleines Paradies im Bilderbuch: Ein Stück Glück für Mensch und Tier. Zwei grüne Frösche quaken zwischen Seerosen und bunten Knollenbegonien am Teich von Veronika und Jochen Wünsch. Pausenlos fliegen Blaumeisen umher und holen sich Körner unter einem Blätterdach.

"Geliebter" Garten

„Ich bin praktisch immer beschäftigt“, sagt Jochen Wünsch, der seit 41 Jahren in der Anlage glücklich ist und schon mehrere Einzelgartenwettbewerbe gewann. „Das ist die einzige Geliebte, die ich ihm gestatte - den Garten“, lächelt seine Frau Veronika. Auch der Nachbargarten fällt ins Auge.

 Mit seiner rot-braunen Holzhütte und einem bepflanzten alten Fahrrad könnte er aus einem Pippi-Langstrumpf-Film stammen. Kinder sind nicht nur hier gern gesehene Gäste zum Spielen. Kein Garten gleicht dem anderen. „Waldesruh“ lässt kein „Schema F“ oder strikte Grenzen durch Hecken erkennen. „Die Vielfältigkeit macht unsere Anlage aus“, sagt Vereinsmitglied Heinz Finke.

Offene Flächen statt hoher Hecken

Man grenzt sich hier von Nachbarn nicht ab, Auch geteerte Wege oder gemauerte Häuser sind hier nicht zu finden. Stattdessen: Mit Rasen begrünte oder mit Granulat belegte Flächen und malerische Holzhäuser.

Ökologische Maßnahmen wie Insektenhotels oder alte Kuckucksuhren als Nisthilfen werden in „Waldesruh“ groß geschrieben. „Wir legen Wert darauf, dass hier jeder seine eigenen Gedanken und Ideen verwirklichen kann“, betont der Vereinsvorsitzende Manfred Redder. Viele Mitglieder würdendie Gärten das ganze Jahr über in Schuss halten. Grundsätzlich bräuchte man daher nicht gezielt auf den Anlagenwettbewerb hin arbeiten.

"Hier ist die Natur"

„Der Maulwurf hat auch seine Rechte“, sagt Redder als er auf kleine Hügellandschaft im Garten von Heinz Finke blickt. Seit 1979 ist Finke hier heimisch und erzählt: „Viele sagen, hier ist die Natur. Vorgestern waren vier junge Frauen hier und waren begeistert.“ Kinder älterer Mitglieder haben heute als Erwachsene noch Bindungen zu den Gärten und kommen mit den eigenen Kindern gerne wieder.

„Es ist hier alles angenehm“, sagt Elisabeth Friedag (98), die mit ihrem Sohn Heinrich die Anlage bei einem Ausflug besucht. Sie wohnt im Kurzzeitpflegeheim St. Elisabeth und schätzt Waldesruh sehr.

Als ursprüngliches Grabeland entstand die Anlage 1950 entstanden. Das Grundstück gehört dem Grafen von Kanitz. Die ruhige Lage und die erschwingliche Pacht von rund 200 Euro pro Jahr ziehen auch Mitglieder aus Werne, Wethmar oder Bork an.

 

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