Bienen und Maria, die kocht und liest - das sieht man in einer Lünen-Süder Kirche

Tag des offenen Denkmals

Ökumenisch geht es am Tag des offenen Denkmals (8.9.) in Lünen-Süd zu. Dort kann man Spannendes über die katholische und die evangelische Kirche erfahren. Beispielsweise über Bienen.

Lünen-Süd

, 03.09.2019, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bienen und Maria, die kocht und liest - das sieht man in einer Lünen-Süder Kirche

Die katholische Kirche Hl. Familie in Lünen-Süd - die Fenstermotive sind eine Besonderheit. © kath. Kirchengemeinde Hl. Familie

Als die katholische Kirche Heilige Familie und die evangelische Kirche an der Jägerstraße Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, war Lünen-Süd ein aufstrebender Stadtteil - dank der Zeche.

Weil nun immer mehr Menschen, die im Bergbau Arbeit gefunden hatten, nach Lünen-Süd zogen, wurden auch Kirchen gebraucht. Diese beiden Gotteshäuser, nur einen kurzen Fußweg voneinander entfernt, spielen am „Tag des offenen Denkmals“ (8.9.) eine wichtige Rolle.

Schon im vergangenen Jahr zwei Kirchenführungen im Süden

Zum zweiten Mal laden Pfarrerin Andrea Ohm von der evangelischen Gemeinde Horstmar-Preußen und Gemeindereferentin Roswitha Mohrmann (Pastoraler Raum Lünen) zu Kirchenführungen ein. Im vergangenen Jahr hatte sie die ev. Christuskirche in Horstmar und die kath. Herz-Jesu-Kirche Beckinghausen vorgestellt.

Bienen und Maria, die kocht und liest - das sieht man in einer Lünen-Süder Kirche

Gemeindereferentin Roswitha Mohrmann (l.) und Pfarrerin Andrea Ohm stellen am 8. September die beiden Kirchen in Lünen-Süd an der Jägerstraße vor. © Beate Rottgardt

Pfarrerin Andrea Ohm begrüßt die Interessenten am Sonntag ( 8.9.) um 11.15 Uhr vor dem Eingang zur evangelischen Kirche, Jägerstraße 57. „Die Kirche wurde im neugotischen Baustil 1908 errichtet“, so Andrea Ohm. Die Kirche gehört, so Katharina Hinz von der Denkmalspflege der Stadt Lünen, „zu den Wahrzeichen einer Epoche und erzählt die Geschichte des Stadtteils und seines Wandels.“

Bienen und Maria, die kocht und liest - das sieht man in einer Lünen-Süder Kirche

Am Tag des offenen Denkmals führt Pfarrerin Andrea Ohm die Interessenten um 11.15 Uhr durch die evangelische Kirche Lünen-Süd. © kath. Kirchengemeinde Hl. Familie

Zu ihrer Bauzeit vor 111 Jahren war die Kirche modern, heute ist sie ein Denkmal.

Die Innenausstattung fügt sich dem „Eisenacher Prinzip“, das um die Jahrhundertwende eine Vorgabe für protestantische Kirchen war. Ohm: „Ich werde auch altes Bildmaterial zeigen, wie die Kirche innen vor der Renovierung aussah.“

Im Anschluss an die Führung können sich die Teilnehmer mit Kaffee stärken und dann weiter zur nächsten Führung gehen.

Bienen und Maria, die kocht und liest - das sieht man in einer Lünen-Süder Kirche

Am Tag des offenen Denkmals steht auch die ev. Kirche Lünen-Süd im Mittelpunkt einer Führung. © ev. Kirchengemeinde Horstmar-Preußen

Die Kirchenführung in der Kirche Heilige Familie, Jägerstraße 47, beginnt Sonntag (8.9.) um 12.30 Uhr. „Es gibt große inhaltliche Gemeinsamkeiten, denn der Bau der beiden Kirchen in Lünen-Süd hängt mit der Entwicklung des Stadtteils durch die Zeche zusammen“, so Roswitha Mohrmann. Um 1890 war Lünen-Süd, das damals noch Klöther Heide hieß, eher spärlich besiedelt. Die Katholiken gehörten damals zu St. Marien nördlich der Lippe und mussten zum Gottesdienst immer bis dorthin laufen.

Bienen und Maria, die kocht und liest - das sieht man in einer Lünen-Süder Kirche

Die katholische Kirche Hl. Familie in Lünen-Süd steht am Tag des offenen Denkmals um 12.30 Uhr im Mittelpunkt einer Führung der Gemeindereferentin Roswitha Mohrmann. © kath. Kirchengemeinde Hl. Familie

1887 bekam Vikar Pehle den Auftrag, eine Notkirche im Bereich Osterfeld zu bauen, zu der parallel die Leoschule entstand. Während die Schule heute noch existiert, gibt es die Notkirche längst nicht mehr.

Zur Jahrhundertwende schlug Kaplan Franz Ostermann dem Generalvikariat in Paderborn vor, in Lünen-Süd ein möglichst einfaches Gotteshaus für 70.000 bis 80.000 Mark errichtet werden sollte - ohne Turm. Roswitha Mohrmann: „Der Turm kam dann erst 1959 dazu und wenn man genau hinsieht, merkt man auch, dass er erst später gebaut wurde.“

Szenen in den Chorfenstern aus dem Leben der Heiligen Familie

Besonders sehenswert sind die farbigen Chorfenster des Gotteshauses. „Die Gemeinde heißt ja Heilige Familie und in den Fenstern werden viele biblische Szenen rund um die Heilige Familie gezeigt“, sagt die Gemeindereferentin. Man könne immer wieder Neues entdecken. Sogar Bienen, deren Schutz heute ein wichtiges Thema ist, sind in den Fenstern dargestellt. „Auch Maria, die kocht und ein Buch neben sich liegen hat, auf das Jesus zeigt.“

Umbau und Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte

Auch die Innenausstattung war zur Eröffnung und Weihe am 29. Juni 1904 noch nicht vollständig. Immer wieder gab es Umbauten und Veränderungen - weil es im Zweiten Weltkrieg Zerstörungen gab oder auch weil Neugotik später als „Schreinergotik“ verunglimpft wurde. Mohrmann: „Aber auch aus theologischen Gründen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren.“ Probleme bereiteten auch Bergschäden.

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