Betreiber der Cineworld Lünen kritisieren FSK-Freigabe für „Hustlers“

dzCineworld

Viel nackte Haut, vulgäre Sprache und Drogen - der Film „Hustlers“ „bietet“ das alles, ist trotzdem ab 12 Jahren freigegeben. Die Chefs der Cineworld sind damit nicht einverstanden.

Lünen

, 02.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist nicht das erste Mal, dass Lutz Nennmann und Meinolf Thies, die Betreiber der Lüner Cineworld, mit ihrem Team entscheiden, sich nicht an die Vorgaben der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) der Filmwirtschaft zu halten. Dabei legen sie die Altersgrenze immer höher, als es die FSK getan hat.

Bei „Hustlers“ habe man sofort beim Filmstart am Donnerstag die Entscheidung getroffen, ihn erst ab 16 Jahren freizugeben und sich nicht an FSK 12 zu halten. In diesem Film geht es um Stripperinnen, die Männer unter Drogen setzen, ihnen dann die Kreditkarten ab- und sie ausnehmen.

Viel nackte Haut und Drogen

„Die erste halbe Stunde gibt es schon sehr viel nackte Haut und vulgäre Gossensprache. Nachher geht es um Drogenkonsum und darum, Menschen gewaltsam unter Drogen zu setzen. Das ist Entertainment für Erwachsene, aber nicht Zwölfjährige oder jüngere Zuschauer“, so Nennmann.

In manchen Fällen gibt es von der Cineworld-Leitung Empfehlungen für die Eltern, aber bei Filmen wie „Hustlers“ mache man vom Hausrecht Gebrauch und lasse jüngere Zuschauer nicht in diesen Film.

Die Reaktionen in den Kinos, auch in der Cineworld, seien nahezu durchgehend positiv. Man ernte großes Lob für die Entscheidung, die auch über soziale Netzwerke kommuniziert wurde.

Betreiber der Cineworld Lünen kritisieren FSK-Freigabe für „Hustlers“

Lutz Nennmann, einer der beiden Cineworld-Betreiber. © Elfriede Liebenow Fotografie

„Natürlich leben wir vom Kartenverkauf, aber wir sehen uns auch in der Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen“, so Lutz Nennmann. Ab Mitte Dezember leitet er zusammen mit Meinolf Thies insgesamt acht Kinocenter, zu denen seit 2003 auch die Cineworld gehört.

Die FSK-Freigaben für Filme wie „Ted 2“ oder den Horrorstreifen „The Boy“ lagen auch bei zwölf Jahren. „Da haben wir auch beschlossen, die Freigabe erst ab 16 in unseren Kinos zu erteilen. Denn FSK 12 heißt auch, dass jüngere Kinder ab sechs Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten ins Kino dürfen. Das geht gar nicht, finden wir“, sagt Nennmann.

Deshalb sichtet das Team der beiden Kinobetreiber Filme bei der ersten Vorstellung und diskutiert dann zügig, ob die FSK so bestehen bleiben kann oder ob sie in den Kinos von Nennmann und Thies hoch gesetzt wird.

„Immer häufiger gibt es grenzwertige Entscheidungen“

Nach Meinung der Cineworld-Betreiber treffe die FSK „immer häufiger grenzwertige Entscheidungen“. Hinter vorgehaltener Hand teilten andere Kinobetreiber die Meinung von Nennmann und seinem Team. „Aber öffentlich scheint eine Kritik an der FSK wie das Schlachten einer heiligen Kuh angesehen zu werden.“

Er hält das ganze System für überarbeitungsbedürftig. Ihm wären Einordnungen wie in Großbritannien lieber, bei denen es ab drei Jahren in Dreierschritten nach oben geht - also Freigaben ab drei, sechs, neun, zwölf und 15 Jahren gibt. „Der Schritt zwischen sechs und zwölf Jahren bildet nicht die tatsächliche Entwicklung eines Kindes ab.“

Und wenn ein Film ab zwölf Jahren eingeordnet werde, sei es nicht auch automatisch für Sechsjährige sinnvoll, nur weil die mit einem Elternteil ins Kino gehen. „Dann kann das Kind trotzdem das Gesehene nicht besser verarbeiten“, so der zweifache Vater.

Filmverleihe legen Revision gegen FSK-Entscheidungen ein

Er findet es auch bedenklich, dass immer öfter Filmverleihe bei der FSK Revision gegen Freigaben einlegen. So wie beim Film „Der letzte Bulle“, der zunächst eine Freigabe ab 16 Jahren bekam. Dann ging der Verleih in Revision und bekam die Freigabe ab 12 - ohne dass auch nur eine Szene im Film verändert worden war. Nennmann: „Das hat mit Jugendschutz nichts zu tun.“

Ähnlich sieht es bei den James-Bond-Filmen aus: „Die würden nie über die FSK 12 eingeordnet werden, obwohl es da manch bedenkliche Szenen gibt.“

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