Ausgestattet mit Handschuhen, Schutzanzügen, Atemschutzmasken und Visier fahren Bestatter einen Sarg mit einem Verstorbenen, der an oder mit dem Coronavirus gestorben ist, in einen Kühlraum. © dpa (A)
Corona-Krise

Bestatter in Lünen: Arbeitsalltag ist wegen Corona ein anderer geworden

Die Corona-Pandemie schlägt auf die Arbeit von Bestattern durch: Distanz statt Nähe zu den Hinterbliebenen, Leichensäcke für die Verstorbenen, die an oder mit dem Coronavirus gestorben sind.

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland Anfang vergangenen Jahres hat nicht zuletzt die Arbeit der Bestatter grundlegend verändert:

Dort, wo vorher die Nähe zu den Hinterbliebenen zum Tagesgeschäft der Branche gehörte und sämtliche Angelegenheiten rund um die Beerdigung im persönlichen Gespräch geregelt wurden, läuft heute vieles nur noch über das Telefon.

„Der Umgang mit den Angehörigen ist im Vergleich zu der Zeit vor Corona auf ein Minimum reduziert. Persönliche Gespräche mit vielleicht ein oder zwei Angehörigen finden unter größten Schutzmaßnahmen statt, der Rest geht über das Telefon“, sagt Sebastian Bentzien (29), Geschäftsführer des Lüner Bestattungshauses „Bentzien & Brocksiepe“.

Sebastian Bentzien © Bentzien © Bentzien

Darunter leiden nicht nur die Hinterbliebenen, sondern auch der Bestatter. Denn, sagt Bentzien weiter, „wir kümmern uns ja nicht nur um das Organisatorische, wir spenden Trost, helfen auch ein Stück weit bei der Trauerbewältigung.“ Dazu gehörte häufig auch der körperliche Kontakt – die stille Umarmung, ein gefühlvoller Händedruck. All dies ist nicht mehr möglich, aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Da sei es schon ein kleiner Trost, sagt Sebastian Bentzien, dass im Gegensatz zum ersten Lockdown im März 2020 die Trauerhallen wieder geöffnet seien – wenn auch unter strengen Auflagen. Je nach Hallengröße sind mal 10, mal 20, mal 30 Trauergäste erlaubt.

Zum Ablauf von Trauerfeiern hat die Stadt Lünen – wie von unserer Redaktion berichtet – erst vor wenigen Tagen eine „dringende Empfehlung“ abgegeben.

Danach soll die Teilnehmerzahl bei Beisetzungen auf höchstens 30 Angehörige beschränkt werden. Das gilt auch für den Teil, der unter freiem Himmel stattfindet. Von Beileidsbekundungen am offenen Grab sollte Abstand genommen werden, heißt es bei der Stadt weiter.

Das Coronavirus beziehungsweise die Sorge oder Angst vor einer Ansteckung damit haben nicht nur Auswirkungen auf den Umgang der Bestatter mit den Hinterbliebenen oder die Organisation von Trauerfeiern etc.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen verlangt insbesondere der Umgang mit den Verstorbenen, die an oder mit dem Coronavirus gestorben sind.

Maik Hibbeln © Hibbeln © Hibbeln

„Wenn wir einen Verstorbenen mit dem Covid-19-Virus überführen, beispielsweise aus einem Seniorenheim, einem Hospiz oder Krankenhaus, dann sind zusätzliche Schutzmaßnahmen zu dem sonstigen Eigenschutz dringend erforderlich.“

Das sagt Meik Hibbeln, Geschäftsführer des gleichnamigen, in Lünen und Dortmund ansässigen Bestattungshauses:

„Der Verstorbene liegt in den meisten Fällen schon im Bodybag. Wenn dies nicht so sein sollte, dann übernehmen wir diese Tätigkeit.“ Bei dem Bodybag handelt es sich um einen luftdicht verschlossenen Leichensack. Dieser verhindert, dass Viren nach außen dringen.

Der Bodybag mit dem Verstorbenen wird von den Bestattern für den Transport auf eine Bahre gelegt. Später dann wird der Verstorbene samt Bodybag in einen Sarg für die Bestattung gebettet und der Sarg von außen mit einem Hinweis, daSs der Verstorbene infektiös ist, versehen. „Das dient zum Beispiel auch dem Schutz des Friedhofspersonals“, sagt Meik Hibbeln.

Särge von Verstorbenen, die mit oder an dem Corona-Virus gestorben sind, erhalten vom Bestatter einen entsprechenden Warnhinweis.
Särge von Verstorbenen, die mit oder an dem Corona-Virus gestorben sind, erhalten vom Bestatter einen entsprechenden Warnhinweis. © dpa © dpa

Angehörige haben indes nicht mehr die Möglichkeit, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden. Weil das für einige von ihnen nahezu unerträglich ist, bietet das „Bestattungshaus Hibbeln GmbH“ den Hinterbliebenen an, ein Foto von dem Verstorbenen zu machen.

Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass der Verstorbene oder die Verstorbene wie von den Angehörigen gewünscht eingekleidet wird, sagt Hibbeln: „Das ist natürlich wegen der erforderlichen Schutzmaßnahmen schon ziemlich aufwendig.“ Umso mehr seien die Hinterbliebenen dankbar dafür.

Was die Bestattungsform angeht, da können die Angehörigen nach Angaben der Lüner Bestatter im Übrigen nach wie vor zwischen Erd- und Feuerbestattung wählen.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks

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