Handwerkskammer meldet 33 offene Lüner Lehrstellen: In diesen Branchen will niemand lernen

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Es geht bedächtig bergauf, teilweise ist die Entwicklung sogar erfreulich - und doch ist nicht alles so, wie es sein soll auf dem Lüner Ausbildungsmarkt. Eine Gewerkschaft klagt besonders.

Lünen

, 09.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

73 Auszubildende haben am 1. August in Lünen eine handwerkliche Ausbildung begonnen. Das meldet die Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen. Das sind exakt soviele wie im vergangenen Jahr, wie Tobias Schmidt, Abteilungsleiter bei der Handwerkkammer, betont.

Das sagt noch nicht viel aus. Aus vielerlei Gründen: Zum einen gibt es viele Lüner, die Richtung Dortmund pendeln, und dort eine Ausbildung begonnen haben, zum anderen gibt es auch in Lünen eine ganze Reihe von noch nicht besetzten Ausbildungsstellen auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart am 1. August - und: Längst nicht alles wird der Kreishandwerkerschaft gemeldet.

Noch ist der Abbau der vergangenen Jahre noch nicht wieder aufgeholt

Immerhin: Die Zahl der eingestellten Azubis im gesamten Kammerbezirk steige beständig, betont Schmidt. Und doch hat man noch längst nicht aufgeholt, was in den 10 bis 15 Jahren zuvor abgebaut worden ist. In diesem Jahr werde man wohl wieder die Zahl von 10.000 Ausbildungsverhältnissen im Kammerbezirk schaffen, sagt Schmidt. Aber damit liegt man trotz aller vorsichtigen Steigerungen in den letzten Jahren noch immer knapp 3000 unter der Zahl von vor zehn Jahren; da waren es knapp 13.000.

Handwerkskammer meldet 33 offene Lüner Lehrstellen: In diesen Branchen will niemand lernen

Bei der Kreishandwerkerschaft stehen für Lünen vier nicht besetzte Ausbildungstellen im Bäckerhandwerk. © dpa

Es gibt noch zahlreiche Stellen, die nicht besetzt sind

33 offene Ausbildungsstellen waren bei der Handwerkskammer am 1. August in Lünen gemeldet: An der Spitze dieser Liste stehen die Ausbildung zum Fachverkäufer in der Lebensmittelbranche, vier in Bäckereien, und zum Beispiel neun Stellen im Elektrohandwerk. Aber auch hier gilt: Längst nicht alle offene Stellen melden die Betriebe der Handwerkskammer, „die stille Reserve ist viel größer“, sagt Schmidt.

Gewerkschaft NGG beklagt extremen Mangel an Bewerbern

Die stille Reserve, die gibt es wohl auch in der Ernährungsindustrie. „Im Kreis Unna haben Firmen jetzt noch 50 freie Plätze für künftige Experten rund ums Essen und Trinken zu vergeben“, sagt Manfred Sträter von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Nach seiner Einschätzung dürften gelernte Fachkräfte nach der Ausbildung keinerlei Schwierigkeiten haben, hier eine passende Stelle zu finden. Nach Angaben Sträters gibt es zum Start des neuen Ausbildungsmarktes im Kreis Unna aktuell noch 727 freie Ausbildungsplätze. Damit seien noch 33 Prozent aller gemeldeten Lehrstellen unbesetzt, so der Gewerkschafter.

Handwerkskammer lobt Arbeit im Café Neuland

Tobias Schmidt von der Handwerkskammer weiß aber auch von einem sehr erfreulichen, speziellen Lüner Aspekt zu berichten: Immer mehr Flüchtlinge beginnen eine Ausbildung sagt er. Die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen des Café Neuland sei eng und sehr gut: „Lünen ist da wirklich immer sehr aktiv gewesen.“

Bei der Industrie- und Handelskammer ist man „verhalten optimistisch“

Bei der Industrie- und Handelskammer zeigt sich Michael Ifland, Geschäftsführer für den Bereich Berufliche Bildung, „verhalten optimistisch“ für Lünen; auch wenn im Vergleich zum Juli 2018 20 Ausbildungsverträge in der Statistik der Kammer fehlen. Aber es sei eben nur ein Zwischenstand sagt Ifland. Auch ein Grund: Die Ferien liegen spät in diesem Jahr, da könne eben auch später noch was kommen. Für die IHK-Statistik sei der 30. September ein viel entscheidenderes Datum als der 1. August, an dem viele junge Leute ins Berufsleben starten. Aber viele Ausbildungsverträge begännen eben auch erst am 1. September.

Die Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer verzeichne aktuell noch 15 zu besetzende Ausbildungsstellen in Lünen.

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