Besonders ältere Menschen (Symbolbild) werden inzwischen reihenweise Opfer von Betrügern. Die Verfolgung und Vermeidung von Verbrechen mit hohen Schadenssummen hat für die Polizei in Unna hohe Priorität. © picture alliance/dpa
Polizei

Bargeldbetrug in Millionenhöhe: So sollen Banken verängstigte Senioren besser schützen

Geschickte Betrüger bringen alte Menschen um ihre Ersparnisse: Der Betrug um Bargeldsummen erlebt einen Boom. Banken bekommen jetzt die Möglichkeit, Kunden besser davor zu schützen.

Die Maschen der Täter sind perfide: Sie erreichen, dass alte Menschen nicht mehr klar denken, und erleichtern sie um hohe Summen. Im Kreis Unna steht Betrug an Senioren inzwischen ganz oben auf der Prioritätenliste der Polizei. Die Behörde will nun ihrerseits einen Trick anwenden, damit weniger Menschen zu Opfern werden. Die Banken wollen mitmachen.

Bei nüchterner Betrachtung scheint es schwer vorstellbar: Ein Mensch wird von einem vermeintlichen Polizisten angerufen und letztlich übergibt er Bargeld im vier- bis fünfstelligen Bereich oder noch mehr an einen Wildfremden. Diese Fälle passieren, und sie passieren immer öfter, wie die Kreispolizeibehörde Unna kürzlich erst mitteilte. Auf fast eine Million Euro summierte sich die Schadenssumme in über 1200 gemeldeten Fällen von Betrug zum Nachteil älterer Menschen im vergangenen Jahr.

Der Bann aus Angst funktioniert

„Die Opfer werden am Telefon in einen Bann gezogen“, erklärt Andreas Kaltenberg von der Polizei. Beispielsweise berichte der „Polizist“ am anderen Ende der Leitung davon, seine Kollegen seien Verbrechern auf der Spur, er wolle nun sichergehen, ob der Angerufene Wertsachen hat, die es zu schützen gelte. Ist erst einmal die Angst beim Opfer in Betrieb, bekommen die gut organisierten und trainierten Täter auch Antworten. Ist Bargeld im Haus? Wie hoch ist das Vermögen auf der Bank?

Das funktioniert natürlich nicht immer. Zahlreiche Opfer legen rechtzeitig auf und erstatten Anzeige. Aber wenn nicht, dann kann es sich aus Sicht der Verbrecher lohnen. „Bei 1000 Anrufen finden die Täter mit Sicherheit ein Opfer“, sagt Kaltenberg. Und in vielen Fällen hätten die Opfer „keine Möglichkeit, aus ihrer kognitiven Schleife herauszukommen“. Sie würden so manipuliert, dass sie nicht mehr klar denken, so der Fachmann.

Der Kreis Unna und die Banken sind Partner gegen das Verbrechen: Klaus Moßmeier (Sparkasse Unna-Kamen, l.), Landrat und Polizeichef Mario Löhr (M.) sowie Lars Kessebrock (Volksbank Schwerte) zeigen den Geldübergabeumschlag. © KPB Unna © KPB Unna

Initiative „Klüger gegen Betrüger“

Wieder klar denken, ehe das Geld weg ist: Zu diesem Punkt wollen die Polizei und der Kreis Unna Menschen wieder bringen, wenn sie auf dem Weg sind, auf derartige Betrüger reinzufallen. Mario Löhr, Landrat und Polizeichef, hat die Initiative „Klüger gegen Betrüger“ ins Leben gerufen. Sparkasse und Volksbank als zentrale heimische Banken hat er als Partner gewonnen. Gemeinsam mit der Polizei und Bankenvertretern stellte er am Mittwoch den Geldübergabeumschlag vor, den Banken im Kreis Unna künftig einsetzen können.

Der rettende Umschlag

So soll er funktionieren: Wenn Betrüger von ihren Opfern Geld haben wollen, dann geht es um möglichst viel, oft sind die gesamten Ersparnisse das Ziel der Ganoven. Diese kann der Kunde nicht am Automaten abheben, er muss zum Berater in die Filiale. An dieser Stelle würden zum Glück auch Fälle rechtzeitig bemerkt, erklärte Volksbank-Direktor Peter Zahmel. Der neue Umschlag soll nun noch mehr Aufdeckung ermöglichen. Hat der Bankmitarbeiter bei der Auszahlung ein „Bauchgefühl“ und handelt es sich um eine ungewöhnlich hoch erscheinende Summe, legt er dem Kunden den Umschlag hin. Darauf ist unter anderem das offizielle Emblem der Polizei.

Der neue Geldübergabeumschlag soll helfen, Betrugsfälle rechtzeitig aufzudecken. Hebt ein Kunde in der Bank einen hohen Bargeldbetrag ab, soll er beim Ankreuzen nachdenklich werden. © KPB Unna © KPB Unna

Der Kunde muss selbst auf dem Kuvert verschiedene Dinge ankreuzen: „Heben Sie Geld ab, weil Sie angerufen wurden?“ oder „Hat man Ihnen verboten, über den Zweck der Abhebung zu sprechen?“ und weitere Fragen. Im Idealfall setzt jetzt das klare Denken wieder ein. Das Opfer erkennt, was gerade mit ihm passiert und entdeckt selbst den Betrugsversuch: Werden zwei oder mehr Fragen mit „ja“ beantwortet, gelangt der Kunde zu dem dringenden Hinweis: 110 wählen.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.