Backpfeife auf Schulflur: Lüner Schülerin landet vor Jugendrichter

dzGerichtsverfahren

Die Furcht, erneut Ziel von Spott und Häme zu werden, ließ eine junge Lünerin die Kontrolle verlieren. Auf dem Schulflur verpasste die 20-Jährige schließlich ihrer Gegnerin eine Backpfeife.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 11.06.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Chat in der WhatsApp-Gruppe ihrer Klasse in der Berufsschule zur Frage eines Weihnachtsgeschenks für ihre Lehrerin endete im vergangenen Dezember mit einer Kettenreaktion.

Eine 20-jährige Lünerin fühlte sich von einer Klassenkameradin schlecht behandelt. In Kombination mit schlechten Erfahrungen war das eine explosive Mischung. Als ihre beiden Versuche, mit der Anderen zu reden, am nächsten Tag scheiterten, rutschte ihr im buchstäblichen Sinne die Hand aus: Auf dem Schulflur des Lippe-Berufskollegs verpasste sie ihrer Gegnerin eine Backpfeife.

Die Konsequenz: Die 20-Jährige wurde für eine Zeit vom Unterricht suspendiert und musste, als sie wieder zur Schule gehen durfte, die Klasse wechseln. Darüberhinaus stand ihr ein Strafverfahren wegen Körperverletzung bevor.

„Ich wollte sie nicht schlagen“

Im Prozess vor dem Amtsgericht flossen bei der jungen Frau, die in der Vergangenheit nie negativ in Erscheinung getreten war, sofort die Tränen. „Ich wollte sie nicht schlagen, ich wollte nur mit ihr reden“, beteuerte sie. Damals habe sie das Gefühl gehabt, die Mitschülerin mache sich über sie lustig und wolle den Rest der Klasse gegen sie aufwiegeln. Und da sie bereits Erfahrungen mit Mobbing gemacht habe, sei sie in dem Punkt einfach verletzbarer. „Da habe ich die Beherrschung verloren.“ Nach dem Zwischenfall sei sie selbst sofort bei der Schulsozialarbeiterin vorstellig geworden.

Die betroffene Mitschülerin wurde gehört. Mit sichtlichem Unbehagen erinnerte sie sich an das Erlebnis auf dem Schulflur. Die Gespräche habe sie abgelehnt, weil die Angeklagte so aufgebracht gewesen sei. Deshalb habe sie sich auch beim zweiten Mal abwenden wollen. „In dem Moment hat es geklatscht.“ Kurz darauf habe sie auf dem Flur eine Panikattacke bekommen – weil der Schlag vor so vielen Leuten einfach demütigend gewesen sei. Nun kämpfte auch sie mit den Tränen. Ihr hätte eine ernsthafte Entschuldigung vermutlich völlig ausgereicht.

Der Jugendrichter brachte es schließlich auf den Punkt. Er wolle den Schlag nicht kleinreden, aber: „Das ist ein Fall, bei dem man aus einer Mücke keinen Elefanten machen muss.“ Zumal die Lünerin das Ganze sofort eingeräumt habe, zuvor nie in Erscheinung getreten sei, schulische Folgen zu spüren bekommen habe und es zumindest keine physischen Verletzungsfolgen gegeben habe. Er wandte sich direkt an die Angeklagte: „Fest steht, dass Sie einen dicken Fehler gemacht haben.“ Nach einer richterlichen Ermahnung wurde das Verfahren eingestellt.

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