Dieser Autofahrer steht unter Spannung. Weil er keinen Platz zum Auftanken findet. Die neue Stromtankstelle in Heerens neuer Mitte ist ständig zugeparkt. Es fehlt schlichtweg die Beschilderung.

Kamen

, 14.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Detlev Piepenbrock steht unter Spannung. Nicht nur, weil er seit drei Jahren elektrisch fährt. Sondern weil er mal wieder umsonst in Heerens neue Mitte gefahren ist. Zur neuen Elektrotankstelle an der Westfälischen Straße. Und die ist mal wieder zugeparkt. Von Autos, die noch mit Benzin und Diesel fahren. Das ist ihm auch in Lünen schon passiert. Dort hat er schon erfolgreich darum gekämpft, dass eine Stromtankstelle ordentlich ausgezeichnet wird.

Schon 10.000 Kilometer rein elektrisch gefahren

Mit seinem Plug-In-Hybrid, ein schicker, weißer BMW 225xe, ist der Heeren-Werver in den vergangenen Jahren 10.000 von 17.000 Kilometern rein elektrisch gefahren. Etwa 50 Kilometer Reichweite hat der Akku, erst danach fährt er mit Benzin. „Mit dem Strom komme ich locker nach Dortmund, Hamm und Unna, ohne einen Tropfen Kraftstoff zu verbrauchen“, sagt der 59-Jährige.

Das gelingt ihm aber nur, wenn er vor Ort eine Strom-Tankstelle findet. Und ausgerechnet in Heeren-Werve hat er damit Probleme: Die neue Elektro-Zapfstelle an der Westfälischen Straße ist als solche nicht gekennzeichnet. Die Schilder fehlen. Nicht einmal provisorische Hinweise sind dort zu finden. „Und deswegen ist der Platz immer zugeparkt – von Verbrenner-Autos.“

Während entlang der Westfälischen Straße provisorische Schilder auf die Parksituation hinweisen, gibt es für die Stromtankstelle kein Schilder-Provisorium. Ein Elektroauto-Fahrer aus Heeren kritisiert das.

Während entlang der Westfälischen Straße provisorische Schilder auf die Parksituation hinweisen, gibt es für die Stromtankstelle kein Schilder-Provisorium. Ein Elektroauto-Fahrer aus Heeren kritisiert das. © Marcel Drawe

Nach vielen vergeblichen Anläufen einen Platz ergattert

Jetzt hat er nach mehreren vergeblichen Anläufen einen Platz ergattert. Der Wagen hängt an dem leuchtend blauen Kabel, das in der modernen Straßenlaterne endet, und tankt auf. Zu erkennen ist das an einem blauen Leuchtring, der oben an der Laterne aufflammt. „Wenn das Licht ausgeht, ist der Wagen aufgeladen“, sagt Piepenbrock. Praktisch. Das kann man dann auch aus der Ferne erkennen, beispielsweise, wenn man im Café sitzt oder eines der Geschäfte wie das Möbelhaus Specht besucht.

Gerade beträgt der Ladestand 42 Prozent. „In einer halben Stunde ist er voll“, deutet Piepenbrock auf sein Smartphone, auf dem eine entsprechende App aktiviert ist. Allzu häufig konnte er den Service, der bei der Modernisierung der neuen Mitte installiert wurde, aber nicht in Anspruch nehmen. Die Plätze sind eigentlich immer belegt. Die stylische Laterne ist als Stromtankstelle nicht zu erkennen.

Mit einer App kann Piepenbrock den Ladezustand seines Autos überwachen. Eine halbe Stunde benötigt er jetzt noch, bis der Akku voll geladen ist.

Mit einer App kann Piepenbrock den Ladezustand seines Autos überwachen. Eine halbe Stunde benötigt er jetzt noch, bis der Akku voll geladen ist. © Marcel Drawe

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Nur eine Ladestation in einem zukunftsweisenden Millionenprojekt?

Für eine Gesellschaft, die sich für die Elektromobilität rüstet, sei das schwach, so Piepenbrock, der auch schon auf ähnliche Mängel in Nachbarstädten hingewiesen hat, wie in Lünen. „Das ist echt mager, obwohl es ja immer von Regierungsseite heißt: wir sollen umsteigen.“

Auch dass es nur eine Zapfsäule gibt, obwohl Millionen für die Umgestaltung der neuen Mitte ausgegeben wurden, findet er nicht gut. „Müssen dann alle Versorgungsleitungen neu gelegt werden?“, fragt er. Als ehemaliger Beschäftigter des Kreises Unna, der für Straßenbeleuchtung und Freileitungen zuständig war, weiß er, dass das wieder neue und unnötige Arbeit bedeutet.

Die Ladestation ist fast immer zugeparkt. Autofahrer, die dort parken, trifft keine Schuld. Für sie ist nicht zu erkennen, dass dort elektrisch geladen werden kann.

Die Ladestation ist fast immer zugeparkt. Autofahrer, die dort parken, trifft keine Schuld. Für sie ist nicht zu erkennen, dass dort elektrisch geladen werden kann. © Privat

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Die fehlenden Schilder sind schon bestellt

Laut Stadtverwaltung sind die neuen Schilder bereits bestellt. „Aber sie sind leider noch nicht da“, berichtet Stadtsprecher Peter Büttner. Während andere Schilder wie Halte- oder Parkverbote durchaus vorrätig seien im Fundus des Baubetriebshofs, sei das bei Stromtankschildern noch nicht der Fall. „Die sind noch nicht so geläufig.“

Dass es nur eine Zapfmöglichkeit gibt, habe seine Gründe. „Wir haben den Bedarf noch nicht so hoch eingeschätzt.“ Das Problem laut Büttner: „Wenn wir einen Parkplatz als Stromtankstelle ausweisen, dürfen dort keine anderen Wagen mehr parken. Vor dem Hintergrund der Parkplatzsituation in Heeren hielten wir weitere Stromtankstellen, die den Parkraum für andere einschränken, für unverhältnismäßig.“ Das könne sich aber ändern. Und deswegen könnten andere Laternen umgerüstet werden. „Entsprechende Leerrohre sind vorhanden.“

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Neidische Blicke auf die Nachbarstädte

Piepenbrock könnte auch zuhause laden an einer normalen Steckdose. Das aber, so sagt er, würde unverhältnismäßig lange dauern. Den schnelleren Auflade-Vorgang an einer Stromtankstelle könnte man gut mit Einkäufen verbinden. „Und beim Brötchenholen oder dem Gang zur Sparkasse.“ In anderen Städten sei das überhaupt kein Problem. Egal ob Dortmund, Unna oder Hamm. „Dort klappt das reibungslos.“ Und er nennt aus dem Stegreif ein Dutzend Stellen, wo er gut auftanken kann. Wie in Unna am Bahnhof, Neumarkt, Kreishaus oder Stadthalle. Auch da steht er dann unter Spannung. Aber im besten Sinne.

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