Die Verwaltung möchte für Lippholthausen ein Entwicklungskonzept bis Ende des Jahres beschließen. © Stadt Lünen
Kommentierende Analyse

Ausblick auf 2021: Welche Themen Lünen im neuen Jahr angehen muss

Was bringt 2021? Diese Frage ist nach dem Corona-Jahr noch schwieriger zu beantworten. Unsere Redaktion versucht es trotzdem und nennt die Themen, die im neuen Jahr für Lünen wichtig werden.

Die To-do-Liste der Stadt Lünen ist lang, und das Jahr 2020 hat mit der Corona-Pandemie nicht dafür gesorgt, dass sie kürzer wird – eher im Gegenteil. Allein was den städtischen Haushalt angeht, rechnet die neue Kämmerin Bettina Brennenstuhl mit Verlusten von mehr als 100 Millionen Euro bis 2024.

Keine leichte Aufgabe also, vor diesem Hintergrund die Lippestadt weiterzuentwickeln. Doch es bleibt keine andere Wahl. Denn gerade weil die Krise die Menschen in der Region hart trifft, müssen neue Perspektiven her – nicht nur für die Menschen selbst, sondern auch für die Kommunen. Folglich gibt es 2021 in Lünen einiges zu tun. Die Redaktion hat sechs Themen ausgewählt, die Lünen ihrer Meinung nach vordringlich angehen muss.

Gewerbegebiete und Arbeitsplätze

Das Thema stand schon auf der Liste für 2020 ganz oben. Durch die Ankündigung von Caterpillar, das Lüner Werk mit 500 Angestellten zu schließen, hat es 2021 jedoch eine zusätzliche Brisanz bekommen. Ging es 2020 „nur“ darum, den Einfluss bei der Entwicklung von Gewerbegebieten in Lippholthausen maximal auszunutzen, ist die Aufgabe nun ungleich schwieriger geworden: Trotz angespannter Haushaltslage muss die Stadt versuchen, die verbleibenden Flächen der Steag sowie das Caterpillar-Grundstück zu sichern, um langfristig eine Handlungsperspektive bei der Ansiedlung neuer Firmen und sicherer Arbeitsplätze zu haben. Ein zweiter Schritt wird sein, Lünen für qualifizierte Arbeitskärfte attraktiv zu halten. Die Kooperation mit der Fontys-Hochschule ist da ein hervorragender Ansatz. Allerdings müsste dann 2021 etwas mehr passieren als die bloße Unterschrift unter dem Kooperationsvertrag.

Das Archivbild zeigt das Caterpillar-Gelände in Lünen-Wethmar aus der Vogelperspektive.
Das Archivbild zeigt das Caterpillar-Gelände in Lünen-Wethmar aus der Vogelperspektive. © Neubauer (A) © Neubauer (A)

IGA-Planung vorantreiben

Noch ein Thema aus 2020, wobei es damals vor allem darum ging, die angrenzende Forensik endlich in trockene Tücher zu kriegen. Das ist gelungen, Stadt und Land haben sich auf einen Bau auf der RWE-Fläche geeinigt. Damit ist der Weg frei für eine Überplanung der Victoria-Brache hin zu einem Erholungs- und Ausflugsziel in unmittelbarer Innenstadtnähe. Auch das ist teuer, wird aber durch die Internationale Gartenausstellung (IGA 2027) erheblich gefördert – und könnte sich langfristig für Lünen auszahlen.

Natur oder Industrie? Der Arbeitskreis Natur und Umwelt will die Prioritäten verschieben.
Natur oder Industrie? Der Arbeitskreis Natur und Umwelt will die Prioritäten verschieben. © Fröhling (A) © Fröhling (A)

Digitalausbau und IT-Infrastruktur

Hier standen 2020 vor allem die Schulen auf der Prioritätenliste. Das tun sie immer noch, werden allerdings durch den Ausbau der Strukturen innerhalb der Verwaltung ergänzt. Das öffentliche Leben wird vorerst weiterhin eingeschränkt bleiben. Die Verwaltung muss für Bürgerinnen und Bürger deshalb digital erreichbar sein und die Anliegen auch zügig bearbeiten können. Egal ob Kfz-Zulassung, neuer Ausweis oder Bauantrag – ein persönliches Erscheinen im Rathaus darf nicht mehr zwingende Voraussetzung sein, ebenso wenig wie tage- oder gar wochenlange Wartezeiten. Dass dies auch nur mit einem entsprechenden Netz innerhalb der Stadt zu schaffen ist, versteht sich ebenso von selbst wie die Tatsache, dass die IT-Abteilung der Stadt für die Herausforderung immer noch eine Nummer zu klein ist.

Stadtbücherei und Kultur

In der Krise zeigt sich, wo die Prioritäten liegen. Besonders deutlich musste das der Kultursektor erfahren, der mehr oder weniger auf sich allein gestellt war. Das kann und darf 2021 nicht so weitergehen, die Stadt muss auch hier sicherstellen, dass Theater und Museen eine Zukunft haben. Ein deutliches Zeichen könnten Politik und Verwaltung bei der Stadtbücherei setzen, die in die Persiluhrpassage umziehen soll. Das Fördergeld ist da, es gibt also keinen Grund, das Projekt auf die lange Bank zu schieben. Dann könnten die Kulturbetriebe 2021 als Attraktion angestrahlt werden – und nicht als Warnung.

Ein möglicher Entwurf für die Persiluhrpassage an der Münsterstraße. Die Umgestaltung hin zu einem Kulturzentrum sollte 2021 auf der Prioritätenliste stehen.
Ein möglicher Entwurf für die Persiluhrpassage an der Münsterstraße. Die Umgestaltung hin zu einem Kulturzentrum sollte 2021 auf der Prioritätenliste stehen. © Reich und Wamser Architektur © Reich und Wamser Architektur

Stadtteile

Das Quartiersmanagement für Brambauer kommt, aber damit ist es nicht getan. Die Lebensmittelpunkte vieler Lünerinnen und Lüner müssen neu gedacht werden – und möglicherweise muss man sich auch in der Innenstadt von der Idee verabschieden, dass in alte Ladenlokale irgendwann ein neues Geschäft einzieht. Die Wirklichkeit hat sich durch Corona schneller verändert, als es dem Handel lieb sein kann, und in den Stadtteilen merkt man das erfahrungsgemäß schneller als in der City. Deshalb müssen jetzt Konzepte – oder noch besser: konkrete Handlungen her, damit im Herzen von Brambauer & Co. keine Geisterstädte entstehen.

Vertrauen in Politik wieder herstellen

Die Wahlbeteiligung war mit weniger als 40 Prozent bei der Kommunalwahl eine Katastrophe. Corona mag eine Rolle gespielt haben, allerdings gaben Parteien und Wahlkämpfer kein gutes Bild ab: Querelen und Austritte vor, während und nach der Wahl, Unterstellungen und persönliche Angriffe zwischen den Bürgermeisterkandidaten – all das hat bei mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten offenbar den Eindruck entstehen lassen, dass eine Stimmabgabe sowieso nichts bringt. Hier sind die Politikerinnen und Politiker gefragt, das Vertrauen wieder herzustellen. Anfangen könnte man damit, dass man sich wirklich um Dinge kümmert, die für Lünen und seine Einwohner relevant sind, anstatt sich um persönliche Eitelkeiten, Posten und Machtansprüche zu sorgen.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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