Auch mit 105 Jahren liebt Irmgard Besser den Gesang

dzDrittälteste Lünerin

Als sie zur Welt kam, gab es noch den Kaiser. Ein halbes Jahr nach ihrer Geburt begann der Erste Weltkrieg. Am 20. Februar wird Irmgard Besser 105 Jahre alt.

Lünen

, 19.02.2019, 13:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Groß gefeiert wird nicht. „Ein paar Familienmitglieder kommen und der stellvertretende Bürgermeister gratuliert auch“, sagt Friedhelm Besser. Der 68-Jährige kümmert sich liebevoll um seine betagte Mutter. Irmgard Besser lebt noch in ihrer eigenen Wohnung in Lünen-Süd, ist aber immer öfter auch im Haus ihres Sohnes. Bis vor zwei Jahren lebte sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester im großelterlichen Haus. Irmgard Bessers Schwester starb kurz vor ihrem 103. Geburtstag.

Gute Gene fürs Altwerden

Alt zu werden, diese Gnade liegt offenbar in der Familie von Irmgard Besser, die als Irmgard Aulemeyer im Februar 1914 in Lünen als älteste Tochter der Familie geboren wurde. Auch ein Bruder ist knapp 100 geworden, die anderen Geschwister auch alle über 90.

Information

20 Lüner über 100 Jahre alt

  • Zwei Lüner sind noch älter als Irmgard Besser. Nach Auskunft der Stadt Lünen wird ein Lüner, der 1911 geboren wurde, in diesem Jahr 108. Und eine Dame, die 1913 das Licht der Welt erblickte, wird 106.
  • Insgesamt sind 20 Lüner mindestens 100 Jahre alt oder noch älter.
  • Alleine in diesem Jahr vollenden sechs Lünerinnen ein ganzes Jahrhundert.

Mit dem Hören klappt es nicht mehr so gut und auch die Sehfähigkeit hat nachgelassen. Aber eines liebt Irmgard Besser immer noch - das Singen. Zuhause ebenso wie in der Tagespflege Klöterheide, die sie an drei Tagen der Woche besucht. Dort traf sie eine frühere Freundin wieder. Dort singt sie gerne mit den anderen Gästen zusammen.

Drogerie eröffnet in Lünen-Süd

Ihr Vater hatte eine Malergeschäft in Lünen-Süd. „Als die ersten Zechenbauten im Stadtteil errichtet wurden, sind meine Großeltern dorthin gezogen und haben dort ihr Geschäft eröffnet“, erzählt Friedhelm Besser. Alle Kinder haben mit im elterlichen Laden gearbeitet. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg, den zum Glück auch alle Brüder von Irmgard Besser, die als Soldaten an der Front waren, überlebten. In den 50er Jahren eröffnete einer der Brüder von Irmgard Besser noch eine Drogerie in Lünen-Süd. Ein weiterer Bruder wurde Malermeister, ein dritter Zahnarzt.

„Meinen Mann Helmut hab ich auch im Geschäft kennengelernt“, erinnert sich Irmgard Besser. Er stammte aus einer Eisenbahnerfamilie. Am 8. Juni 1946 heiratete das Paar in Lünen. 1950 wurde Sohn Friedhelm geboren. Knapp drei Jahre später starb Helmut Besser. Seine junge Witwe musste ihren Sohn alleine groß ziehen.

Kaffee und Kuchen

Bis ihr Bruder aus wirtschaftlichen Gründen die Drogerie schließen musste, hat Irmgard Besser immer dort mit gearbeitet.

Den 100. Geburtstag vor fünf Jahren hat die Familie groß gefeiert. Seitdem sind die Feiern etwas kleiner ausgefallen. Aber zwei Dinge dürfen nicht fehlen: Kaffee und Kuchen. Den gönnt sich die fast 105-Jährige auch sonst jeden Nachmittag zusammen mit ihrem Sohn. Welche Sorte sie am liebsten mag? „Eigentlich alle“, meint Irmgard Besser. Aber am liebsten doch die mit Obst. Tortenböden mit Pfirsich oder Kirschen haben sie und ihre Schwester noch bis ins hohe Alter gemeinsam gerne serviert.

Gute Nachbarschaft

Die Nachbarschaft ihres Sohnes war eine große Hilfe, als der 68-Jährige vor einiger Zeit einen schweren Unfall hatte und im Krankenhaus lag. Seine Mutter war währenddessen in der Kurzzeitpflege des Evangelischen Altenzentrums untergebracht: „Die Nachbarn haben sie regelmäßig dort besucht.“

„Mensch ärgere dich nicht“

Irmgard Besser ist seit vielen Jahrzehnten Mitglied der evangelischen Frauenhilfe Lünen-Süd, ist ab und zu auch noch bei Veranstaltungen mit dabei. Jedes Jahr besucht sie an Heiligabend den Weihnachts-Gottesdienst in Lünen-Süd und singt auch gerne Weihnachts- und Kirchenlieder. Musik hat im Hause Aulemeyer eine große Rolle gespielt. „Früher hab ich Klavier gespielt, mein Bruder Trompete.“

Gerne spielt sie auch heute noch „Mensch ärgere dich nicht“. Friedhelm Besser: „Nachbarn haben ihr dafür einen extragroßen Würfel geschenkt.“

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