Wer einen Berechtigungsschein von der Bundesdruckerei bekommen hat, darf sich zwei Mal sechs FFP2-Masken in der Apotheke holen. Vom Staat gibt es für die Apotheken dann Geld. © picture alliance/dpa/EUROPA PRESS
Masken-Coupons

Apotheker zu Masken-Coupons: „Eine goldene Nase hat sich daran keiner verdient“

Für Masken, die in Apotheken mit Coupons abgeholt werden, erhalten Apotheken 6 Euro vom Staat. Zwei Apotheker aus Lünen und Selm erklären, warum das alles andere als ungerecht ist.

Seit Wochen lösen viele Menschen ihre Masken-Coupons in Apotheken ein. 2 Euro Eigenbeteiligung für zwölf Masken. Ein Angebot, das nur mit staatlicher Unterstützung funktioniert.

Darüber gab und gibt es Diskussion. Auch bei Apothekern. Denn rechnerisch lohnt sich die Aktion für sie. 6 Euro pro Maske gibt es für die Apotheker. Gleichwohl werden FFP2-Masken bei einigen Discountern für einen Euro verkauft. Mittlerweile jedenfalls.

„Die Einkaufspreise für Masken sind Ende Januar runtergegangen“, erklärt Volker Brüning, Sprecher der Apotheken im Nordkreis, der in Lünen und Selm Apotheken führt. Im Dezember und zu Jahresbeginn habe das noch anders ausgesehen. Auch der Gesetzgeber habe auf diese Stabilisierung des Marktes reagiert. „Für den Bezugsschein 2 ist der Bezug um 30 Prozent gekürzt“, so Brüning weiter.

Auch ein Teilausgleich für Krisenjahr 2020

Das heißt in Zahlen: Es gibt 4 anstatt 6 Euro pro verkaufter Maske. Hinzu komme, dass davon ein Fünftel als Umsatzsteuer abgezogen wird. Demnach bleiben von 6 Euro des ersten Coupons rund 5 Euro übrig, von den 4 Euro des zweiten Coupons noch rund 3,30 Euro. Abzüglich der Einkaufskosten bleibt der Gewinn für die Apotheken. Aktuell (Mitte Februar) koste eine FFP2-Masken im Einkauf laut Brüning etwa 1,50 Euro.

Das Angebot wird laut Apothekensprecher Volker Brüning gut angenommen. Ein goldene Nase verdiene sich damit jedoch niemand.
Das Angebot wird laut Apothekensprecher Volker Brüning gut angenommen. Ein goldene Nase verdiene sich damit jedoch niemand. © Fröhling (A) © Fröhling (A)

Wie viele der Masken-Coupons er bislang in seinen Apotheken angenommen habe, könne er nicht genau beziffern. „Es ist aber gut angenommen worden.“ Ja, die Aktion helfe den Apotheken, aber: „Eine goldene Nase hat sich daran keiner verdient“, sagt Brüning auch mit Blick auf das vergangene Geschäftsjahr. Das sei auch für die Apotheken kein gutes gewesen.

„Auch wir haben die fehlende Kunden in den Innenstädten bemerkt.“ Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hätten 2020 deutschlandweit wieder mehr als 300 Apotheken ihr Geschäft aufgegeben, führt er an.

Pauschale für Gratis-Masken im Dezember

Einen anderen Aspekt greift Tanja Adick, Inhaberin der Bären-Apotheke mit zwei Filialen in Selm, auf: „Bei der Maskenaktion im Dezember haben die Apotheken dafür festgelegte Pauschalen bekommen.“ Aufgrund des großen Ansturms seien die Vorräte einiger Apotheker dann innerhalb kürzester Zeit weg gewesen. „Wir haben bis zum Ende der Aktion im Januar weiterhin Masken herausgegeben. Auch über das kalkulierte Maß hinaus“, so Adick weiter.

Die Bären-Apotheke im Selmer Zentrum ist eine der zwei Filialen von Tanja Adick.
Die Bären-Apotheke im Selmer Zentrum ist eine der zwei Filialen von Tanja Adick. © Arndt Brede © Arndt Brede

Mit dem Herausgeben der Masken sei die Arbeit der Apotheken auch nicht getan. Logistik, Recherche und auch das Umverpacken in Paketgröße für die Kunden gehöre genauso mit dazu. „Mittlerweile haben die Hersteller da auch reagiert und liefern die Masken in Sechserpaketen“, sagt Adick.

Mitarbeiter täglich „an der Front“

Genau wie Brüning sieht sie die 6 Euro Vergütung auch als einen Teilausgleich für die Leistung der Apotheken im ersten Coronajahr. „Ich weiß, dass es viele andere Einzelhändler, Kulturschaffende oder auch die Friseure noch viel härter getroffen hat. Ich will auch nicht klagen.“ Aber auch sie und ihre Mitarbeiter hätten viel leisten müssen.

Angefangen bei der Beschaffung von Desinfektionsmitteln in der ersten Welle, über die dauerhafte Ausstattung der Mitarbeiter mit Masken – die fast durchgängig getragen werden müssen – bis hin zur Doppelbelastung durch das Homeschooling. Das habe ihr Team, auch im Einsatz „an der Front“ genauso mittragen müssen, wie alle anderen. „Das hat gut geklappt und dafür möchte meiner Belegschaft auch danken“, sagt Adick.

Von übertriebenen Rabatt-Aktionen halte sie, auch im Kontext mit den Masken-Coupons, übrigens nichts. Sie wolle aber auf niemanden in der Branche mit dem Finger zeigen. Einige Apotheken hatten etwa auf die 2 Euro Eigenbeteiligung der Berechtigten verzichtet. Das Vorgehen ist vom Landgericht Düsseldorf auch im Widerrufsverfahren am 10. Februar untersagt worden. Gegen das Urteil kann noch Berufung eingelegt werden.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
Zur Autorenseite
Matthias Stachelhaus

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.