Altlünen existiert auf neuen Schildern weiter - obwohl es den Ortsteil gar nicht gibt

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1975 wurde Altlünen eingemeindet. An die Stelle der Gemeinde traten drei städtische Bezirke. Dennoch findet sich der Name Altlünen auf vielen Ortsschildern. Grund ist ein alter Vertrag.

Lünen

, 19.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lünen ist als Ganzes in 14 Stadtteile gegliedert: Lünen-Mitte, Geistviertel, Osterfeld, Lünen-Nord, Beckinghausen, Niederaden, Horstmar, Lünen-Süd, Gahmen, Brambauer, Lippholthausen, Alstedde, Nordlünen und Wethmar. Altlünen ist demnach kein offizieller Stadtteil - trotzdem findet sich dieser Zusatz auf Ortseingangsschildern an der Cappenberger und der Münsterstaße - und neuerdings auch an der Alstedder Straße.

Letzteres überrascht, denn eigentlich geht die Tendenz in der Bevölkerung zumindest gefühlt dahin, sich stärker mit dem eigenen Stadtteil zu identifizieren. Auf dem jüngsten Dorfgespräch in Wethmar sprachen sich die Teilnehmer dafür aus, bei der Stadt einheitliche Schilder einzufordern - mit dem Schriftzug „Wethmar“ und eben nicht „Altlünen“.

Vertrag aus dem Jahr 1973

Wieso also gibt es nun in Alstedde neue Schilder, auf denen ein Stadtteil steht, den es gar nicht gibt? Laut Stadtsprecher Benedikt Spangardt geht diese Änderung auf die Beschwerde eines Bürgers zurück: „Dieser hatte gefordert, dass auf den Schildern an der Alstedder Straße stehen müsse: ,Lünen, Ortsteil Altlünen, Kreis Unna‘, und nicht lediglich ,Lünen, Kreis Unna‘.“

Begründet habe dieser Bürger seine Forderung mit dem Gebietsänderungsvertrag von 1973, der im Zuge der kommunalen Neuordnung aufgesetzt worden war. Durch diese Neuordnung wurde die Gemeinde Altlünen, die aus den Ortsteilen Alstedde, Nordlünen und Wethmar bestand, nach Lünen eingemeindet.

Unter Paragraf 6 heißt es in diesem Vertrag allerdings: „Die einzugliedernde Gemeinde Altlünen bildet einen Ortsteil der Stadt Lünen. Er erhält die Bezeichnung OrtsteiI Altlünen. Im Rahmen der Straßenverkehrsbestimmungen wird die Stadt Lünen dafür Sorge tragen, dass die entsprechende Ortsbezeichnung verwendet wird.“

Und dieser Vertrag sei nunmal die einzige rechtliche Grundlage, sagt Spangardt: „Deshalb hat die Verwaltung entschieden, der Forderung des Bürgers nachzukommen und die Schilder bei Gelegenheit abzuändern.“ Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass es den Ortsteil Altlünen faktisch nicht gibt: „Der Bürger ist hier im Recht.“

Neuer Antrag auf Änderung des Ortsschildes

Allerdings sei der Verwaltung auch bewusst, dass sich „die Bezeichnungen der drei statistischen Bezirke Alstedde, Nordlünen und Wethmar eingebürgert haben und diese Bezeichnungen quasi wie Ortsteil-Namen genutzt werden“. Auch die Ruhr Nachrichten hatten sich beim Stadtteil-Check an diesen Bezirken orientiert.

Passend dazu gibt es für nächste Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 4. März einen Bürgerantrag der Initiative „Wir für Wethmar“, der die Forderung nach einer Änderung der Schilder umsetzen soll: „Mit der richtigen Bezeichnung auf den Ortseingangstafeln würde die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger zu ihrem Ortsteil gestärkt.“

Dazu sagt Benedikt Spangardt: „Die Verwaltung begrüßt es ausdrücklich, wenn sich Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Ortsteil identifizieren. Daher begrüßt es die Verwaltung auch, wenn beantragt wird, diese Identifikation festzuhalten und auszudrücken.“ Was noch fehlt, sei der politische Beschluss - dieser könnte also am 4. März fallen.

Mögliche Folgen für Alstedde

Nur: Reicht ein Beschluss aus, um einen gültigen Vertrag auszuhebeln? Diese Frage kann auch Benedikt Spangardt nicht ad hoc beantworten: „Das müsste dann Gegenstand der Prüfung sein.“ Die Verwaltung hält eine solche Änderung zumindest für möglich - was dann zu der skurrilen Situation führen könnte, dass man die neuen Schilder an der Alstedder Straße wieder austauschen muss: „Wenn ein Bürger beantragen würde, dass dort statt Altlünen dann Alstedde steht, würden wir auch das prüfen.“

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