Das ehemalige Steag-Kraftwerk nach der Sprengung. Rechts im Bild sind das Kesselhaus und die zwei Schornsteine zu sehen, die noch gesprengt werden müssen. © Goldstein
Kraftwerk-Abriss

Altes Steag-Kraftwerk: Hagedorn kündigt die nächste Sprengung an

Mit Schornstein und Kühlturm sind die markantesten Bauten des ehemaligen Steag-Kraftwerks verschwunden. Ein Teil der Gebäude steht jedoch noch - die Firma Hagedorn wird auch hier sprengen.

Der große Knall ist vorbei, auf dem Gelände des ehemaligen Steag-Kraftwerks haben die Aufräumarbeiten nach der „größten Sprengung des Jahres“ begonnen. Der Rückbau der verbliebenen Anlagen geht weiter, allerdings wird ein Teil der Gebäude, die planmäßig nach der Sprengung vom Sonntag (28. März) stehen geblieben sind, nicht von Baggern abgerissen. Stattdessen wird es eine weitere Sprengung geben, wie die Eigentümerin des Kraftwerks, die Hagedorn-Gruppe aus Gütersloh, mitteilt. Wir klären die wichtigsten Fragen, wie es in Lippholthausen nun weitergeht.

Welche Gebäude sind stehengeblieben?

Zwei alte Schornsteine sowie ein Kesselhaus wurden am Sonntag nicht gesprengt. Das will die Firma Hagedorn allerdings nachholen. Sprecherin Judith Hagedorn erklärt auf Anfrage, dass im Sommer eine weitere große Sprengung stattfinden soll – zwar sind die verbliebenen Gebäude nicht so groß wie der jetzt gesprengte Schornstein oder der Kühlturm, dennoch wird auch diese Aktion wohl wieder mit umfangreicheren Sperrungen verbunden sein. Bisher hatte Hagedorn für kleinere Anlagen stets unangekündigte Sprengungen durchgeführt, für die kein Sicherheitsbereich außerhalb des Kraftwerksgeländes eingerichtet werden musste.

Was passiert mit dem Bauschutt?

Insgesamt sind durch die Sprengungen rund 180.000 Tonnen Bauschutt entstanden. Nach Angaben der Firma Hagedorn wird das Material recycelt und direkt vor Ort wiederverwendet, um das Gelände für seine zukünftige Nutzung aufzubereiten. Dazu stehen rund 40 Großbagger zur Verfügung, unter anderem „Deutschlands größter Abrissbagger“, der KMC1600S.

Wieso ist am Kühlturm eigentlich so wenig Bauschutt zu sehen?

Ein sogenannter Naturzug-Kühlturm ist zwar ein großes Bauwerk, tatsächlich ist seine Betonwand jedoch nicht sehr dick. Die Mindestwandstärke liegt bei 16, bei neueren Bauwerken bei 18 Zentimetern. Somit kam bei dem 110 Meter hohen Kühlturm deutlich weniger Schutt zusammen als beispielsweise bei dem aufgemauerten Schornstein auf der Südfläche.

Was passiert mit dem Gelände?

Die insgesamt 37 Hektar große Fläche – etwa 52 Fußballfelder – wird durch die Moltkestraße in zwei Hälften geteilt. Der südliche Teil mit rund 27 Hektar wurde von Hagedorn bereits an die DFI Partners AG aus Düsseldorf verkauft, die nach dem Rückbau bis 2024 hier ein neues Gewerbegebiet vermarkten will. Den genauen Termin für die Übergabe nennt Hagedorn noch nicht. Die knapp zehn Hektar große Nordfläche hat offiziell noch keinen neuen Eigentümer, es ist aber bekannt, dass die Stadt Lünen an einem Kauf interessiert ist. Auf beiden Arealen sollen nach dem Willen von Hagedorn und der Stadt Lünen „hochwertige neue Industrie- und Gewerbeflächen“ entstehen.

Welchen Einfluss hat die Stadt Lünen auf die Entwicklung des Geländes?

Sowohl Hagedorn als auch die Stadtverwaltung hatten zuletzt immer betont, dass man die weitere Entwicklung „in enger Abstimmung“ vorantreiben möchte. Das war nicht von Anfang an so – Hagedorns Pläne, hier einen großen Logistikpark zu errichten, stießen in der Lüner Politik auf Ablehnung. Eine Resolution des Stadtrates zu diesen Plänen scheiterte zwar, dennoch gibt es nach wie vor vereinzelt Befürchtungen, dass Hagedorn und DFI im Ernstfall hier einen Alleingang vornehmen könnten.

Und was sagt die Politik dazu?

Die hatte bereits im Sommer 2020 eine Erklärung formuliert, in der von 40 neuen Dauerarbeitsplätzen pro Hektar die Rede ist. Das wären bei 37 Hektar rund 1500 neue Jobs in Lünen. Aufgrund der schon jetzt hohen Belastung würden Ansiedlungen von Betrieben „mit einem hohen Schwerverkehrsanteil“ vom Rat nicht unterstützt.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen
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