Alte Bergbau-Siedlung in Niederaden wird abgerissen - Vivawest baut neu

dzViele Erinnerungen

Einst für die Zeche Preußen in Horstmar gebaut, blieben die Bergbau-Häuser an der Kreisstraße auch nach dem Ende des Bergbaus bestehen. Viele Erinnerungen hängen daran - bald kommt der Abriss.

Niederaden

, 19.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Horst Riehl an seine Kindheit denkt, dann sind da unweigerlich auch die Bilder von „der Siedlung“. Hier hat der Niederadener gespielt, getobt, Freundschaften geschlossen und alle Erwachsenen nur Tante oder Onkel genannt. „Hier“, das sind die alten Bergbauhäuser an der Kreisstraße. Nach fast 100 Jahren naht jetzt deren Abriss.

Riehl hat recherchiert und herausgefunden: „Die Häuser sind ab 1924 von der Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen Steinkohlebezirk gebaut worden.“ Gelebt haben in den 18 Wohnungen erst die Bergleute der damaligen Zeche Preußen in Horstmar, die jedoch schloss noch in den 1920er-Jahren. Dann zogen auch Bergleute der umliegenden Zechen in Lünen und Derne ein.

Kleine Wohnungen mit wenig Komfort

Viel Komfort gab es nicht: Die Wohnungen waren 68 bis 76 Quadratmeter groß, viele Familien hatten mehrere Kinder. Eine Toilette gab es lange nur draußen, geheizt wurde mit Kohle. Dafür war hinter dem Gebäude ein großer Garten, viele Familien hatten einen eigenen Stall, versorgten sich mit dem nötigsten selbst. In den 1970er-Jahren wurde dann vieles modernisiert.

Die Häuser sind mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen.

Die Häuser sind mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen. © Goldstein

Für Horst Riehl war das Gebiet „mein Spielrevier“, wie er heute sagt, eine „Insel der Glückseligen. Ein Abenteuer war da immer möglich“. Positiv in Erinnerung geblieben ist ihm auch der Sozialverbund, den es damals schon gab und der Niederaden noch immer ausmache: „Man kennt sich, nimmt Rücksicht und sorgt sich um die Nachbarn.“

Rätsel aufgegeben hat ihm lange die Bezeichnung „Brauner Berg“, die im Stadtteil für dieses Gebiet genutzt wird. Die Befürchtung: Hat es etwas mit der NS-Vergangenheit zu tun? Hat es nicht. Die Lösung fand schließlich Wilhelm Kleimann, ebenfalls aus Niederaden, in dem Buch „1000 Jahre Methler“.

Vivawest will neu bauen

Die Stelle war einmal die höchste Erhebung, daher der „Berg“, durch die Bergsenkungen sei das eine „geografische Gegebenheit, die nicht mehr beweisbar ist“. Die Farbe braun sei als Flurbezeichnung genutzt worden, ohne dass es einen zwingenden Bezug zu Farbe oder Landschaft geben muss.

Nun also, sagt Riehl, wird die Siedlung am braunen Berg bald abgerissen. Eigentümer der mittlerweile ziemlich heruntergekommenen Häuser ist die Vivawest. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigt: Der Abriss soll im Frühjahr 2021 beginnen, bis dahin würde die letzte noch bewohnte Wohnung frei. Für alle Mieter seien „maßgeschneiderte Lösungen gefunden“ worden.

Im Anschluss plane Vivawest, dort „neuen Wohnraum für Lünen zu schaffen und diesen in den eigenen Bestand zu übernehmen“. Derzeit könne man dazu aber noch keine weiteren Angaben machen. Fraglich bleibt deshalb, ob auch beim Neubau so viel Grünfläche wie bisher erhalten bleibt.

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