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Als erster Azubi ausgezeichnet: Shawn Glaeser (21) aus Lünen ist „Eisenbahner mit Herz“

Preis für Kundenfreundlichkeit

Shawn Glaeser ist zwar noch Azubi, hat aber bereits eine Auszeichnung im Schrank stehen. Die hat er bekommen, weil er auf einer stürmischen Fahrt einem zwölfjährigen Jungen zu Seite stand.

Niederaden

, 20.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Als erster Azubi ausgezeichnet: Shawn Glaeser (21) aus Lünen ist „Eisenbahner mit Herz“

Shawn Glaeser freut sich über seine Auszeichnung "Eisenbahner mit Herz 2019". Der Landessieger von Nordrhein-Westfalen hat sich gegen fast 50 Mitbewerber durchgesetzt. © Nadja Reinthal

„Ich bin auf jeden Fall stolz, wenn ich an die Auszeichnung denke“, sagt Shawn Glaeser. Der 21-jährige Niederadener befindet sich zur Zeit noch in der Ausbildung zum Kaufmann für Verkehrsservice. Doch er trägt bereits jetzt den Titel „Landessieger Nordrhein-Westfalen 2019“ im bundesweiten Wettbewerb „Eisenbahner mit Herz 2019“.

Glaeser half Jungen auf chaotischer Zugfahrt

Glaeser Nominierung geht auf eine Geschichte aus dem Juni 2018 zurück. Der Lüner war als Zugbegleiter auf der Strecke von München nach Dortmund im Einsatz. „Es war bereits klar, dass an diesem Tag ein schweres Unwetter auf uns zukommen würde“, erinnert sich Glaeser. Bei einer Fahrscheinkontrolle trifft er auf den zwölfjährigen Robin, der ohne Begleitung auf dem Weg von Karlsruhe nach Osnabrück ist.

Der Zug kommt in Dortmund an, aber jegliche Bahnverbindungen im Fernverkehr fallen durch den heftigen Sturm aus. Der Junge sei unruhig geworden und hätte die Situation nicht überschauen können, deshalb kümmert sich Glaeser um ihn. Zusammen geht er mit ihm zum Servicepoint, um nach Hotel- und Taxigutscheinen für Robin zu fragen, jedoch vergebens. „Das Unwetter hatte seit drei Stunden gewütet und vor uns standen etwa 150 Leute in der Schlange. Da war nichts zu machen“, erzählt der Bahn-Mitarbeiter.

Als dann zur Debatte steht, dass der Zwölfjährige in einem Hotelzug schlafen muss, reagiert Glaeser mit Abwehr: „Mit der Entscheidung war ich nicht einverstanden.“ Der junge Zugbegleiter fährt zusammen mit dem Jungen nach Hamm, stattet ihn mit Proviant aus und besorgt Robin einen Taxigutschein, mit dem er am Ende eines aufregenden Tages doch noch unversehrt in Osnabrück ankommt. „Natürlich habe ich während der ganzen Zeit auch mit dem Vater kommuniziert und habe ihn auf dem Laufenden gehalten“, erzählt Glaeser.

Für ihn sei es eine Geste gewesen, damit der Junge in der stressigen Situation zu unterstützen. „Mir ist es immer ein Anliegen, dass alle Reisenden heile nach Hause kommen“, sagt er.

Fahrgäste schlagen hilfsbereite Mitarbeiter vor

Bahnfahrer konnten bis zum 31. Januar 2019 Geschichten einsenden, in denen sie erklären, welcher Bahn-Mitarbeiter in ihren Augen besonders engagiert hat und hilfsbereit war. Schirmherr des Wettbewerbs ist die „Allianz pro Schiene“, ein Verkehrsbündnis, das sich für einen höheren Marktanteil des Schienenverkehrs einsetzt. Dieses Jahr gab es neben Gold-, Silber- und Bronzepreisträgern auch Landessieger aus elf Bundesländern.

Von der Nominierung erfuhr Glaeser am 23. Januar - seinem Geburtstag. „Da war ich natürlich total perplex. Man weiß unter den Bahnern, dass es diese Auszeichnung gibt, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich sie bekomme.“ Am 3. April wurden alle Sieger in Potsdam geehrt. Der Lüner ist allerdings der erste Auszubildende in der neunjährigen Geschichte des Wettbewerbs, der diesen Preis erhalten hat. „Das ist ein schönes Gefühl und ich denke, man kann darauf aufbauen“, sagt Glaeser.

Die Entscheidung, einen Beruf bei der Bahn auszuüben, fiel bereits im frühen Kindesalter: „Ein Nachbar in unserer Straße hat bei der Bahn gearbeitet, und auch meine Großeltern sind früher sehr oft mit mir Zug gefahren, deshalb wusste ich relativ schnell, dass ich später mal dort arbeiten möchte.“

Nächstes Ziel: Abschlussprüfung

Mit dem Vater, der die Geschichte bei der „Allianz Pro Schiene“ einreichte, und dem Jungen hat der Eisenbahner noch gelegentlich Kontakt. Neben einer Anstecknadel, die Glaeser jetzt an seiner Uniform tragen darf, gab es noch eine Urkunde, die vom Vorstand der Bahn unterzeichnet wurde.

Für die Zukunft hat Glaeser noch weitere Ziele vor Augen: „Zunächst steht für mich die Abschlussprüfung an und dann würde ich mich gerne weiterbilden. Die Bahn bietet einem da viele Möglichkeiten.“

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