Die Reste des Steag-Kühlturms nach der Sprengung am Sonntag. Im Hintergrund ist das noch aktive Kohlekraftwerk von Trianel zu sehen. © Hagedorn
Meinung

Alles hat seine Zeit – auch das Steag-Kraftwerk

Der Schmerz der ehemaligen Steagler ist verständlich: Der Ort, mit dem sie sich jahrelang identifiziert haben, verschwindet. Unser Autor findet trotzdem, dass dies der richtige Schritt ist.

Nein, das war es noch nicht – ein Teil des ehemaligen Steag-Kraftwerks steht noch. Aber auch dieser Teil wird verschwinden, und wird es dann für viele ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nochmal emotional. Wenn der Ort, an dem man einen Großteil seines Lebens verbracht hat, nicht mehr existiert, ist es absolut nachvollziehbar, dass man nicht in Jubelstürme ausbricht. Allerdings gilt auch hier der Spruch „Alles hat seine Zeit“.

Die Tatsache, dass die Zeit der fossilen Energien zu Ende geht, ist ja eigentlich eine gute Nachricht. Die Kohlekraftwerke mögen in ihrer Zeit ein sicherer Arbeitsplatz gewesen sein und die Menschen mit Energie versorgt haben. Doch an ihre Stelle treten nun andere Technologien und Industrien, die diese Aufgaben mindestens genauso gut übernehmen, wenn sie nicht sogar mit Blick auf unser Klima die bessere Lösung sind. Der Mythos, dass Energieversorgung über 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr einzig und allein durch konventionelle Kraftwerke zu schaffen sei, wird sich wohl ebenso lange halten wie der Streit darüber, ob man Energiekonzernen für ihre Versäumnisse auch noch eine Entschädigung zahlen muss. Doch das alles gehört zur Vergangenheit, genau wie das Steag-Kraftwerk. Und auch wenn es vielen ehemaligen Mitarbeiterinnen und -mitarbeitern zurecht schwer fällt: Wir müssen jetzt nach vorne schauen.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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