Ärger in Lüner SPD: Ratsmitglied tritt an als Einzelkandidat

dzKommunalwahlen 2020

Das war eine Überraschung für die SPD in Lünen. Ein SPD-Urgestein tritt als Einzelkandidat bei den Kommunalwahlen am 13. September an - gegen einen Genossen. Das könnte Konsequenzen haben.

Lünen

, 30.07.2020, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD Lünen steckt mitten im Wahlkampf. Seit Mittwochabend weiß sie: Ihre Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat haben dabei nicht nur gegen Konkurrenz aus dem anderen politischen Lager zu kämpfen, sondern - in einem Fall - auch aus den eigenen Reihen.

Hans-Georg Fohrmeister (73) tritt als Einzelbewerber an für Gahmen. Seinen Stadtteil Gahmen nach vorne zu bringen, sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagt Fohrmeister am Telefon. Er will seine vor sechs Jahren begonnene Arbeit für Gahmen im Stadtrat fortsetzen. Für den Wahlkreis hat der SPD-Ortsverein aber jemand anderes vorgeschlagen: den deutlich jüngeren Robin Wojtak.

Entscheidung hat den SPD-Stadtverband überrascht

Als bei Norbert Janßen am Mittwochabend das Telefon schellte, ahnte er noch nichts von der Neuigkeit aus dem Wahlausschuss. „Da sind wir alle überrascht worden“, sagt der SPD-Stadtverbandsvorsitzende. Neben Helmut Rosenkranz, der mit der GFL gebrochen hat, und Dieter God von der Statt-Partei will auch Hans-Georg Fohrmeister antreten.

Ist das überhaupt mit den Statuten der Partei zu vereinbaren? Janßen hat da seine Zweifel. Dass immer alle einer Meinung seien in der Partei, sei zwar weder zu erwarten noch erwünscht. Einen Gremienbeschluss - in diesem Fall für Wojtak - zu unterlaufen durch eine eigene Kandidatur sei aber nur schwer hinnehmbar. „Wir werden uns jetzt beraten lassen. Zum Glück kommt so etwas ja nicht so oft vor“, sagt Janßen. Am Ende könnte ein Parteiausschlussverfahren stehen.

Droht ein Parteiausschlussverfahren?

Fohrmeister ist mit 16 Jahren in die IG-Metall eingetreten. Fünf Jahre später auch in die SPD. Seit mehr als 50 Jahren ist er dabei. Will er jetzt notfalls auf sein Parteibuch verzichten, um seine Einzelkandidatur durchzusetzen? Dazu will er sich am Donnerstag noch nicht äußern und bittet um Bedenkzeit in der auch für ihn selbst neuen Situation. Soviel steht aber fest: „Ich bin ja nicht mit der SPD über Kreuz.“

Fohrmeister hatte bei der letzten Kommunalwahl auf Anhieb 43 Prozent der Stimmen in seinem Wahlbezirk in Gahmen geholt: Direktmandat, sein erster Einzug in den Stadtrat. Vorher, als er noch berufstätig war als Unternehmensberater für IT-Systeme, hatte er keine Zeit dafür. „Ich würde sehr gerne die Projekte, die wir in dieser Zeit angestoßen haben, jetzt auch zu Ende führen“, sagt er.

Sein SPD-Ortsverein fand es dagegen wichtiger, das Team im Rat deutlich zu verjüngen - mit Robin Wojtak, der 2018 auch bereits den Vorsitz im Ortsverein übernommen hatte. Fohrmeister hatte daraufhin seinen stellvertretenden Vorsitz abgegeben.

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