Ärger an Realschule Brambauer: Klassen 7 bis 9 werden getrennt

dzCoronavirus

Die Realschule Brambauer geht einen Sonderweg: Um die Infektionsgefahr mit Corona möglichst gering zu halten, werden die Jahrgänge 7 bis 9 getrennt. Schüler und Eltern sind verärgert.

Lünen

, 12.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Facebook haben einige Eltern ihrem Unmut Luft gemacht. Ihre Kritik entzündet sich an den Plänen der Schulleitung der Realschule Brambauer, die Klassenverbände der Jahrgänge 7 bis 9 aufzulösen und feste Differenzierungsklassen zu bilden. Das bedeutet für die Schüler: Sie werden zum Teil mit anderen Kindern unterrichtet. Die Schule begründet die neuen Gruppen mit bestmöglichen Infektionsschutz vor dem Corona-Virus.

Viele Schüler wollen aber lieber in ihrem gewohnten Klassenverband bleiben. Zumal sie durch Corona den Schulalltag lange vermissen mussten. „Was tut ihr unseren Kindern an. Corona ist doch wohl schon schlimm genug“, schreibt eine Mutter auf Facebook. Sie berichtet, dass Kinder heulen würden und nicht zur Schule wollten.

Elternbrief erst zwei Tage vor Schulstart verschickt

Am Montag, zwei Tage vor Schulbeginn, sei ein Elternbrief der Schulleitung verschickt worden. „Meine Enttäuschung über fehlende Kommunikation kann ich kaum in Worte ausdrücken“, äußert sich die Mutter auf Facebook, und weiter: „Andere Schulen haben bessere Lösungen gemäß der Coronaschutzverordnung gefunden, die nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Hier ist wohl einiges schief gelaufen.“ Schulleiter Michael Schulten hingegen ärgert, dass bereits vergangene Woche, noch vor dem offiziellen Elternbrief, Informationen in die Brambauer Elternschaft gedrungen seien. Zum späten Zeitpunkt des Versands sagt er: „Erst am Montag (3. August) hat das Kultusministerium die Vorgaben zum Start des Schuljahres veröffentlicht. Dann haben wir die ganze Woche ein vierseitiges Hygienekonzept erarbeitet, das eben die Neudurchmischung der Klassen 7 bis 9 einschließt. Wir haben wirklich hart und lange daran gearbeitet.“

Schulleiter Michael Schulten begründet die späte Information der Eltern mit der umfassenden Erarbeitung des Hygienekonzepts.

Schulleiter Michael Schulten begründet die späte Information der Eltern mit der umfassenden Erarbeitung des Hygienekonzepts. © Kristina Gerstenmaier


Größtmöglicher Schutz

Ab der siebten Klasse können die Realschüler eines von vier Wahlpflichtfächern (Biologie, Französisch, Sozialwissenschaften oder Technik) wählen. Darin werden sie fünf Stunden pro Woche unterrichtet aus unterschiedlichen Klassen. Um die Durchmischung aber möglichst gering und die Zahl der Kontaktpersonen niedrig zu halten, werden die Klassen mit dem neuen Schuljahr nach diesen Wahlpflichtfächern aufgeteilt, so Schulten. Außerdem bleiben die Schüler in festen Klassenräumen, statt sie je nach Fach mehrmals am Tag zu wechseln. So können auch die Infektionsketten leichter nachvollzogen werden. Im Falle einer Infektion müsse dann nur eine Klasse statt der ganzen Stufe in Quarantäne, erklärt Schulten. „Wir versuchen den größtmöglichen Schutz umzusetzen“, sagt er. „So können wir gewährleisten, dass die Schüler möglichst viel Unterricht nach Stundentafel bekommen. Ziel dieser Neuregelung ist also, so viel wie möglich Präsenzunterricht unter bestmöglichstem Gesundheitsschutz zu ermöglichen.“

Kinder seien privat doch ohnehin zusammen

Auch gäben die Gegebenheiten der kleinen Schule es nicht her, die Räume mehrmals am Tag zu wechseln. „Wenn ein Raum benutzt wurde, muss er für die nächste Klasse umfassend desinfiziert werden und das können wir während des laufenden Schulbetriebs nicht leisten“, so Schulten. Der „Shitstorm“ auf Facebook, wie er es nennt, macht ihn fassungslos: Alles, was sie tun, sei zum Wohl der Kinder.

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Die Mutter versteht das nicht. Die Kinder wären ja ohnehin befreundet und träfen sich privat. Sie hat sich an Daniel Wolski (SPD) gewandt. Er ist zurzeit im Urlaub. Stattdessen habe Siegfried Störmer (SPD) Kontakt zur Schulleitung aufgenommen. Auch in der Schülervertretung hat das Thema für Diskussionen gesorgt. Ralph Götze, Vorsitzender des Fördervereins, hat am Dienstag (11.8.) das Gespräch mit Schulleiter Michael Schulten gesucht. Anschließend erklärte er: Wir unterstützen das Vorgehen von Herrn Schulten, weil er sich unter anderem an den erfolgreichen Konzepten der freien Wirtschaft orientiert.“

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