Abriss nach Kündigung: Viele Grabelandpächter stehen vor dem Nichts

dzGrenzstraße

Abbruchlärm, Müllberge und miese Stimmung: Die 66 Grabelandpächter an der Grenzstraße müssen bis Ende September ihre Parzellen räumen. Einige können umziehen, die meisten verlieren ihre Oase.

Lünen

, 03.08.2020, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im vergangenen Jahr flatterte den 66 Grabelandpächtern an der Grenzstraße die Kündigung ins Haus. Eigentümer Harpen hatte das 1,8 Hektar große Gelände an den Bergkamener Bauträger Beta Eigenheim verkauft. Das Unternehmen will dort Wohnraum schaffen. Die Pächter haben bis Ende September Zeit, die Fläche zu räumen. Jetzt wird es ernst. „Alle reißen ab“, schildert Jürgen Keil die Situation. Tottraurig seien die Pächter, die Stimmung sei mies. Manche hatten seit 30 Jahren ihre Parzellen, die gegen eine jährliche Pacht genutzt werden durften. Im Gegensatz zu Kleingärtnern gehören sie keinem Verein an.

Parzellen ohne Strom und Wasser

Obwohl es auf der Fläche weder Wasser noch Strom gibt, hatten sich viele ein kleines Idyll geschaffen - mit Laube, teilweise auch Solaranlagen und Brunnen. Damit ist Schluss. Alles muss weg. Die Hütten sind schon zum Großteil abgebrochen worden. „Manche schlagen mit großen Vorschlaghämmern die Fundamente weg“, berichtet Keil. Der Müll- und Schutthaufen auf dem Parkplatz wächst.

Schutt türmt sich auf dem Parkplatz.

Schutt türmt sich auf dem Parkplatz. © Quiring-Lategahn

Jürgen Keil hat in seinem Garten einen Taubenschlag mit 150 Tieren. Der stammt noch von seinem Vorgänger. Auch der muss abgebaut werden. „Momentan komme ich gar nicht mit meinem Anhänger in den Garten, weil vorne der Schutt liegt“, sagt Keil.

Jetzt lesen

Er gehört zu den Glücklichen, die etwas Neues gefunden haben. Auf einem Grundstück der Bahn in Alstedde wird er seinen Taubenschlag wieder aufbauen. Von der Stadt habe man den Grabelandpächtern nicht geholfen, so Keil. Weniger als die Hälfte der Pächter hätte etwas Neues.

Verhandlungen mit der Stadt

Dirk Salewski ist Geschäftsführer von Beta Eigenheim. An den Plänen, auf dem Gelände zu bauen, habe sich nichts geändert. Salewski verwies auf Verhandlungen mit der Stadtverwaltung. Beta könne sich an der Grenzstraße einen Dreiklang aus Eigentum für junge Familien in Form von Doppelhäusern, dazu öffentlich geförderte Miet-Eigenheime und zwei Sechs-Familienhäuser mit kleinen Eigentumswohnungen vorstellen. Von einer Millionen-Investition in zweistelliger Höhe ist die Rede. Salewski geht davon aus, dass es in Lünen zu einer Verständigung komme, es müsse aber bezahlbar bleiben.

Noch kein Baurecht

Wann die Bagger anrollen können, dazu will Salewski keine Prognose abgeben. Wie die Stadt Lünen auf Anfrage mitteilt, liegt bisher nur ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan vor. Baurecht müsse noch geschaffen werden. Das dauere mindestens ein Jahr. „Aktuell laufen innerhalb des Bebauungsplangebiets Grundstücksverhandlungen zwischen zwei Privateigentümern. Nach den Verhandlungen wird das Bebauungsplanverfahren weiter bearbeitet“, teilt Alexander Dziedeck, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Lünen, mit.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt