Abriss in Lünen-Wethmar: Haus am Cappenberger See ist bald Geschichte

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Nach mehr als 100 Jahren - wie viele genau, ist unbekannt - hat die letzte Stunde geschlagen für das Haus am Cappenberger See.

Wethmar

, 13.07.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sich tatsächlich am Wochenende überwunden hatte, bei nicht einmal 20 Grad und kalten Duschen dem Freibad Cappenberger See einen Besuch abzustatten, wird keine Mühe gehabt haben, einen freien Parkplatz zu finden. Die Zahl der Badegäste hält sich seit der verspäteten Saisoneröffnung am ersten Tag der Sommerferien in Grenzen. Am frühen Montagmorgen (13.7.) war es dagegen etwas voller dort - aber nicht durch Badegäste.

Bädergesellschaft ist seit 1995 zuständig

Ein Team der Märkischen Tiefbau GmbH aus Lünen hat begonnen, das Haus am See abzureißen: ein Gebäude, das schon seit Jahren leer steht. Und dessen mehr als 100 Jahre alte Geschichte im Dunkeln liegt. Die aktuelle Eigentümerin, die Bädergesellschaft Lünen, ist seit ihrer Gründung als Tochterunternehmen der Stadtwerke, für die Immobilie zuständig: seit 1995. Renovierungsbedürftig war das Haus schon damals.

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Haus am See wird abgerissen

Jahre lang lag das Haus am Cappenberger See im Dornröschenschlaf. Jetzt ist der Abrissbagger angerollt. Ein letzter Rundgang.
13.07.2020
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Ruckzuck: Am Montagmorgen (13. Juli 2020) war schon der vordere Teil des Gebäudes bis zum Schornstein abgerissen. © Sylvia vom Hofe
Den Giebel schmücken schon seit Jahren Graffiti.© Sylvia vom Hofe
Mit Blick zur Dreischfeld konnte das Team vom Lüner Unternehmen Märkische Tiefbau in der Pause seinen Kaffee trinken. © Sylvia vom Hofe
Der Zugang zum leeren, baufälligen Haus war schon lange versperrt. Die letzten offiziellen Nutzer waren die Mitglieder des Modellsportclubs Nautic. Die regelmäßigen Treffen dort waren aber bereits 2012 abgebrochen. © Sylvia vom Hofe
Ein letzter Blick ins Gebäude.© Sylvia vom Hofe
Wer hier alles seit wann ein- und ausging, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. © Sylvia vom Hofe
Die Schaufel des Abrissbaggers stößt nicht auf stabilen Widerstand. © Sylvia vom Hofe
Schon bald wird nichts mehr von dem Haus zu sehen sein. © Sylvia vom Hofe
Ursprünglich hatte das Wohnhaus einen Anbau, der als Viehstall genutzt wurde. © Sylvia vom Hofe
Das Lüner Unternehmen Märkische Tiefbau führt den Auftrag aus. Das Haus am See ist eher eine kleine Herausforderung - verglichen zum Beispiel mit dem Rückbau des Hertie-Hauses mitten in Lünen. © Sylvia vom Hofe
Von Weitem ein schöner Anblick: das Backsteinhaus am Cappenberger See. © Sylvia vom Hofe

Inzwischen sei es stark baufällig, hatte Jasmin Teuteberg, die Sprecherin der Stadtwerke, bereits Ende April gesagt. Damals hatte sie den Abriss angekündigt - allerdings, ohne einen Termin in Aussicht zu stellen. Wegen der Corona-Pandemie müsse das Vorhaben warten, bis alles „wieder seinen gewohnten Gang“ gehe. So weit ist man in Sachen Corona zwar noch nicht, wie nicht nur die strengen Schutzmaßnahmen im Freibad zeigen. In Sachen Haus am See aber offenbar schon.

Abbrucharbeiten schreiten schnell voran

Von dem Walmdach zum Parkplatz hin ist gegen 8.30 Uhr am Montag schon nichts mehr zu sehen. Der gelbe Bagger hatte bereits die ganze Front bis zum Schornstein eingerissen. Ein Haufen roter Ziegel stapelt sich auf der Wiese, daneben jede Menge Holz.

Ende April 2020 war das Haus - bis auf Fenster und Tür - noch komplett.

Ende April 2020 war das Haus - bis auf Fenster und Tür - noch komplett. © Sylvia vom Hofe

Dämmmwolle und anderes Material, das im Verdacht steht, asbesthaltig zu sein und separat verpackt und entsorgt werden müsste, ist nicht dabei. Als das Haus vor vermutlich mehr als 100 Jahren errichtet wurde, waren diese gesundheitlich bedenklichen Werkstoffe noch nicht auf dem Markt. Bei späteren Renovierungen wurden sie offenbar nicht eingesetzt. Und seit 1979 sind sie verboten.

Bädergesellschaft plant Erweiterung des Parkplatzes

Björn Pastowski, Polier der Märkischen Tiefbau, versteht, wenn Passanten sagen: „Ach, schade um das Haus“. Das sei aber nur der erste, flüchtige Eindruck beim Blick auf das Backsteingebäude in bester Lage: das einzige Haus zwischen Wehrenboldstraße und Dreischfeld. Wer länger bliebe und beobachte, wie sich die Baggerschaufel mit Leichtigkeit durch die Mauern arbeitet, erkenne, wie schlecht die Bausubstanz war.

Die Bädergesellschaft plant keinen Neubau. Laut Teuteberg wird das Grundstück „zunächst als Ausweichparkplatz“ dienen: für den Fall, dass der Betrieb im Freibad auch einmal wieder „seinen gewohnten Gang“ gehen wird.

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