Mit insgesamt 2.220.482 Euro fördert das Land NRW aktuell Ganztagsangebote und -maßnahmen an Lüner Schulen. Doch der Blick der Stadtverwaltung geht schon Richtung 2025.

Lünen

, 06.07.2020, 11:05 Uhr / Lesedauer: 4 min

Für die verschiedenen Angebote des Ganztagsbetriebs erhalten die Schulträger im Regierungsbezirk Arnsberg in diesen Tagen Förderbescheide der Bezirksregierung Arnsberg. So steht es in einer Pressemitteilung der Bezirksregierung.

Demnach fließen folgende Mittel nach Lünen:

  • Zuwendungen an Schulen der Sekundarstufe im Schuljahr 2020/21 aus dem Programm „Geld oder Stelle“: 183.660 Euro (davon 162.320 Euro für Halbtagsschulen; 21.340 Euro für gebundene Ganztagsschulen).
  • Förderung der Betreuung vor und nach dem Unterricht im Schuljahr 2020/21: 12.000 Euro (davon für „Acht bis Eins“ 12.000 Euro).
  • Zuwendungen des Landes NRW für die Durchführung außerunterrichtlicher Angebote offener Ganztagsschulen im Primarbereich im Schuljahr 2020/21: Insgesamt 2.024.822 Euro (davon 1.919.822 Euro Zuwendung OGS; 485.298 Euro Förderung für Plätze mit erweitertem Betreuungsbedarf; 105.000 Euro Betreuungspauschale).

Was steckt genau hinter den einzelnen Summen? Schauen wir uns die einzelnen Förderprogramm mal an.

Auf Anfrage der Redaktion heißt es aus der städtischen Pressestelle: „Aus dem Programm ,Geld oder Stelle‘ erhalten wir in jedem Jahr Fördermittel für die Übermittagsbetreuung an den Schulen der Sekundarstufe I. Daraus werden Maßnahmen zur Betreuung der Schülerinnen und Schüler im Nachmittagsbereich finanziert.“

Jürgen Grundmann, Leiter des Lüner Schulverwaltungsamtes, geht im Gespräch mit der Redaktion ins Detail: „Wenn die Schulen ihre Anzahl an Lehrerinnen und Lehrern nicht voll haben, die ihnen nach der Schülerzahl zustehen, dann können sie aus dem Programm Geld beantragen. Es ist für eine pädagogische Übermittagsbetreuung und außerunterrichtliche Ganztags- und Betreuungsangebote.“ Also kann sich die Schule bei Bedarf extern eine Kraft dazu kaufen.

Auch die Heinrich-Bußmann-Hauptschule kann sich aus dem Landesprogramm "Geld oder Stelle" bedienen.

Auch die Heinrich-Bußmann-Hauptschule kann sich aus dem Landesprogramm "Geld oder Stelle" bedienen. © Günther Goldstein (Archiv)

Das betreffe in Lünen alle weiterführenden Schulen in mehr oder weniger großem Umfang, sagt Grundmann. Je nachdem, wie viele Stellen frei sind. „In der Regel bieten diese Schulen eine Hausaufgabenbetreuung, Förderung oder AGs an.“ Halbtagsschulen, die aus dem Programm schöpfen können, sind in Lünen die Realschulen, die Heinrich-Bußmann-Hauptschule und die Gymnasien. Die Gesamtschulen und die Profilschulen in Brambauer seien gebundene Ganztagsschulen, die sich ebenfalls aus der Förderung bedienen können.

OGS-Gruppe für Niederaden geplant

Aus dem Programm „Schule von acht bis eins“ werden laut städtischer Pressestelle am Teilstandort der Schule am Lüserbach in Niederaden Maßnahmen zur Betreuung der Schülerinnen und Schüler ähnlich zur OGS-Betreuung finanziert. Der Teilstandort in Niederaden verfügt über keine eigene OGS-Gruppe. „Das Programm ,Schule von Acht bis Eins‘ ist ein altes Programm“, führt Jürgen Grundmann aus. Es sei entstanden, als es die offenen Ganztagsschulen noch nicht gegeben habe. Gleichwohl habe man damals den Eltern ermöglichen wollen, dass ihre Kinder verlässlich betreut werden. Letztendlich habe nur noch der Niederadener Teilstandort der Schule am Lüserbach Geld aus diesem Programm bekommen. Eben weil sie keine offenen Ganztagsangebote in Niederaden mache.

Das sei verschiedenen Faktoren geschuldet, sagt Grundmann: fehlende Schülerzahlen und mangelnder Elternwille zum Beispiel. „Wir planen aber, zum übernächsten Schuljahr, also zum nächsten Sommer, auch eine OGS-Gruppe einzurichten“, kündigt der Chef der Schulverwaltung an. Dazu bedürfe es eines politischen Beschlusses. „Und es wird auch eine Elternbefragung zum Bedarf geben.“ Bis dahin bietet die Stadt in Niederaden aus dem „Acht bis Eins“-Programm eine Übermittagsbetreuung an. Zwei Kräfte betreuen die Kinder, deren Eltern ihren Nachwuchs noch nicht abholen können, etwa, weil sie berufstätig sind.

Der größte Batzen an den Landesmitteln machen die 2 Millionen Euro aus den Zuwendungen des Landes NRW für die Durchführung außerunterrichtlicher Angebote offener Ganztagsschulen im Primarbereich aus. Damit finanziert die Stadt die Angebote an den Offenen Ganztagsschulen. Klingt, als ob das viel Geld sei. Wirklich? „Damit müssen wir Personal, Verpflegung, Einrichtung finanzieren, also alles, was wir für die Durchführung der OGS brauchen“, erklärt Jürgen Grundmann. Hinzu kommen dann noch die Elternbeiträge und das Geld, das die Eltern zahlen, damit ihre Kinder am Mittagessen teilnehmen können.

Die Wittekindschule gehört zu den Grundschulen, an denen die Stadt Offenen Ganztag mit eigenen Kräften stemmt.

Die Wittekindschule gehört zu den Grundschulen, an denen die Stadt Offenen Ganztag mit eigenen Kräften stemmt. © Carolin Rau (Archiv)

An drei Grundschulen in Lünen betreibt die Stadt den Offenen Ganztag mit eigenen Kräften. Also an der Viktoriaschule, der Wittekindschule und an der Gottfried- und Matthias-Claudius-Schule. An den anderen Standorten gibt es Träger: die Caritas, die Arbeiterwohlfahrt, der evangelische Kirchenkreis und das Deutsche Rote Kreuz.

Die 2 Millionen Euro an Zuwendungen teilt die Stadt auf die Träger auf für den gebundenen Ganztag. Reicht das Geld aus? „Ja, das reicht aus“, sagt Grundmann. „Natürlich könnten wir mit mehr Geld auch mehr machen. Aber wir haben nebenbei in den Haushalt auch noch Geld eingestellt für Reparaturen.“

Rechtsanspruch 2025: Jeder Standort wird beleuchtet

Der offene Ganztag ist ein für die Eltern freiwilliges Angebot. Noch. Ab 2025 soll es einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz geben. Bereitet das der Stadt Sorgen? Schließlich muss dann jeder, der einen Platz möchte, auch einen bekommen. „Da werden wir noch an Gebäuden und Plätzen arbeiten müssen“, sagt Grundmann. Was genau muss noch geschehen, damit die Stadt dem Rechtsanspruch gerecht werden kann? „Wenn der Rechtsanspruch tatsächlich 2025 kommt, werden wir an allen Grundschulstandorten nochmal gucken müssen, welcher Bedarf dann da ist. Wir gehen selbst beim Rechtsanspruch von einer 75- bis 80-Prozentabdeckung aus.“ Derzeit liege die Abdeckung zwischen 50 und 60 Prozent.

Bei den aktuellen Erweiterungs- und Neubauten der Offenen Ganztagsschulen habe die Stadt bereits mit 75 Prozent Abdeckung kalkuliert. „Allerdings haben wir auch Schulstandorte, die mal mit 30 Prozent geplant worden sind und jetzt so langsam aus allen Nähten platzen. Wenn dann noch Kinder dazu kommen wegen des Rechtsanspruchs, dann werden wir an einigen Standorten Anbauten und Erweiterungsbauten schaffen müssen.“

Gretchenfrage: Neubau oder Erweiterung?

Da lautet die Frage: Abriss und Neubau oder im Bestand erweitern? „Da gehen wir ja auch jetzt schon bei den vier Grundschulstandorten, an denen wir den Offenen Ganztagsbereich erweitern, unterschiedlich vor“, berichtet der Schulverwaltungsamtsleiter. An der Kardinal-von-Galen-Schule komme ein Anbau an den OGS-Bau. An der Overbergschule gebe es einen Neubau. An der Schule Auf dem Kelm werden vier Klassenräume angebaut. Die werden dann für Unterricht genutzt. Die dafür frei gezogenen Klassenräume in der Nähe des OGS-Bereiches werden dann auch für die OGS genutzt. „Das ist quasi eine Umschichtung.“ An der Matthias-Claudius- und der Gottfriedschule werde das bestehende Gebäude erweitert. „Das wird in den nächsten Wochen passieren.“

Gleichwohl: Bevor der Rechtsanspruch 2025 komme, werde die Stadt jeden einzelnen Schulstandort genau beleuchten.

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