Zwischen Januar und Oktober hat es in Lünen 120 Taten von häuslicher Gewalt gegeben. Die Polizei ruft dazu auf, Hilfe anzunehmen. © picture alliance/dpa
Tag gegen Gewalt an Frauen

120 Fälle von häuslicher Gewalt in Lünen: „Leid nicht länger ertragen“

Häusliche Gewalt verletzt auf vielen Ebenen. Es geht um Nötigung, Bedrohung, Erpressung, Stalking, Missbrauch und Gewalt. 2020 gab es in Lünen 120 Taten. Die Opfer sind meist weiblich.

Bei häuslicher Gewalt geht es meist um Körperverletzung. Von den 120 Taten, die in diesem Jahr bis Oktober der Polizei gemeldet wurden, waren 94 Gewaltdelikte. Das entspricht 78 Prozent. Damit liegt der Anteil der Körperverletzung in Lünen noch über dem in Dortmund. Dort sind es 71 Prozent.

Nach der Statistik der Polizei waren in 80 von 100 Fällen die Opfer weiblich. 58 mal haben die Beamten in Lünen den Täter der Wohnung verwiesen oder ein Rückkehrverbot ausgesprochen.

Polizeipräsident Gregor Lange bittet die Opfer häuslicher Gewalt, das häufig langwierige Leid nicht länger zu ertragen und Hilfe in Anspruch zu nehmen: „Die Polizei ist immer für Sie da. Wählen Sie den Notruf 110. Wir helfen sofort.“ Die Pandemie schränke die Polizei nicht ein, im Gegenteil: „Wir sind dafür sensibilisiert, dass die Kontaktbeschränkungen den Druck auf die Opfer noch erhöhen können, weil sie in den Wohnungen den gewalttätigen Übergriffen länger als sonst ausgesetzt sind.“

Frauenhaus für Lünen gefordert

In Lünen gibt es den politischen Wunsch, ein Frauenhaus einzurichten. Zuständig dafür ist allerdings der Kreis Unna. Es gibt bereits Gespräche, allerdings werde im Moment auf eine Bedarfsanalyse des Landes gewartet. Die ist relevant für mögliche Fördermittel.

Zum Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen am Mittwoch, 25. November, setzt auch Lünen ein sichtbares Zeichen.. Abends leuchten das Rathaus, das Heinz-Hilpert-Theater und das Ufo in Brambauer in orange. So soll auf „Gewalt gegen Frauen“ und die zahlreichen Hilfsangebote hingewiesen werden.

Am Aktionstag werden die Gleichstellungsbeauftragte Heike Tatsch, die Mädchen- und Frauenberatungsstelle des Frauenforums Unna sowie das Kommissariat Opferschutz der Polizei mit einem Infostand auf dem Marktplatz präsent sein. Von 10 bis 15 Uhr können Frauen und Mädchen Infomaterial erhalten oder sich beraten lassen.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ hat die Aktion „Wir brechen das Schweigen“ initiiert. Hieran beteiligt sich die Stadt Lünen, indem sie an einer Fotoaktion teilnimmt und die Rufnummer des Hilfetelefons (08000 116 016) verbreitet.

Hilfsangebote funktionieren

Die Hilfsangebote funktionieren. „Auch jetzt in der Pandemie“, betont Martina Breuer von der Dortmunder Frauenberatungsstelle. Das lokale Netzwerk für die Hilfe nach häuslicher Gewalt sei in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut worden. Polizeipräsident Gregor Lange: „Wir appellieren nicht nur an die Betroffenen häuslicher Gewalt, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen, die übrigens kostenlos ist. Wir fordern auch Zeugen auf, den Notruf 110 zu wählen, wenn zum Beispiel in der Nachbarwohnung Gewalt angewendet wird.“

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Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn

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