Mieten in Lünen steigen: Über 1000 geförderte Wohnungen fallen in den nächsten Jahren weg

dzDaten zum Wohnungsmarkt

Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in Lünen steigt. Bis 2030 verlieren aber über 1000 geförderte Wohnungen ihre Preisbindung. Das hat Folgen für Mieter und Wohnungssuchende.

Lünen

, 27.06.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mangel an günstigem Wohnraum beschäftigt die Lüner. Das hat eine städtische Umfrage in Horstmar gezeigt. Die Politik hat jetzt das Thema auf dem Tisch. Die Verwaltung legte das Konzept „Zusammenleben 2030“ vor. Es soll aufzeigen, wie mehr öffentlich geförderter Wohnraum geschaffen werden kann.

2016 gab es in Lünen noch 5300 geförderte Wohneinheiten. Bis 2025 wird die Zahl auf 4100 sinken (zurzeit liegt sie bei 4900) - dann können die Besitzer die Miete erhöhen. Problem: Die Lüner werden zunehmend auf günstige Wohnungen angewiesen sein, obwohl die Einwohnerzahlen zurückgehen. Denn es gibt mehr Senioren, deren Rente nicht reicht, und mehr Alleinerziehende.

Politik meldete Beratungsbedarf an

In gemeinsamer Sitzung tagten die Ausschüsse für Stadtentwicklung sowie für Bürgerservice und Soziales am Dienstag (25. Juni). Arnold Reeker, Technischer Beigeordneter, kündigte das Konzept als erste Lesung eines komplexen Themas an. In der Tat meldeten Fraktionen weiteren Beratungsbedarf an. Nach anderthalb Stunden unterbrachen sie die Sitzung und beschlossen gemeinsam, dass der Rat am 11. Juli darüber entscheiden soll.

Die Hälfte der Lüner hat einen Anspruch

Wer in eine öffentlich geförderte Wohnung ziehen möchte, braucht eine Berechtigung. Diesen Anspruch hat etwa die Hälfte der Lüner Bevölkerung. Eine vierköpfige Familie beispielsweise mit einem jährlichen Nettoeinkommen von 28.850 Euro zählt dazu. Wobei Eltern- oder Kindergeld nicht eingerechnet werden. Damit läge das Einkommen bei 35.430 Euro, der Anspruch bleibt. „Das Thema reicht bis in die Mitte der Gesellschaft“, erklärte David Ackers aus der Abteilung Wohnen und Soziales der Stadt Lünen.

Für Investoren nicht interessant

Öffentlich geförderter Wohnungsbau reizt Investoren kaum. In den letzten zehn Jahren wurden nur 187 Wohneinheiten errichtet. Der Grund sind gestiegene Baukosten, auch durch höhere Anforderungen. Zwar locken zinsgünstige Darlehen und Tilgungsnachlässe, dafür wird die Miete aber für 20 oder 25 Jahre auf 5,35 Euro festgeschrieben. Besonders schwierig ist es für Empfänger von Transferleistungen. Denn die vom Kreis Unna anerkannte Höchstmiete in der Grundsicherung liegt mit 4,95 Euro brutto kalt unter den 5,35 Euro für geförderter Wohnungen.

Der Druck ist da. In Brambauer gibt es mit 1504 die meisten geförderten Wohnungen, gefolgt von dem Geistviertel mit 784 und Lünen-Nord mit 716. Im Vergleich zur Einwohnerzahl hat Nordlünen den geringsten Anteil an geförderten Wohnungen, Brambauer den höchsten.

Die Verwaltung strebt eine flexible Quotenregelung an. Damit will sie eine soziale Ausgewogenheit in den Quartieren erreichen. Nach speziellen Kriterien, beispielsweise auch aus Sozialdaten, soll für jede Baufläche der Mindestanteil an öffentlich geförderten Wohnungen individuell festgelegt werden. Dabei hat die Stadt auch den Bestand des Ortsteils im Blick und berücksichtigt, welche Wohnungen demnächst aus der Preisbindung fallen.

Beispiele, wenn die flexible Quote greift

Thomas Berger, Abteilungsleiter Stadtplanung, erklärte die flexible Quote an zwei Beispielen. Am Diek West in Wethmar auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule sind 40 Wohneinheiten samt Kita und Spielplatz angedacht. Nach den aufgestellten Kriterien sollten 14 davon öffentlich gefördert sein.

Oder das Projekt an der Wehrenboldstraße. Hier sind 41 Wohneinheiten vorgesehen.

Greift die flexible Quote, sollten 18 geförderte Wohnungen darunter sein. Öffentlicher Wohnungsbau, so David Ackers, sei für Investoren am Rande der Wirtschaftlichkeit und nur durch die Quersubventionierung mit nicht-geförderten Wohnungen ein Thema.

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