Die blühende Zaubernuss als Frühlingsbotin im Schwansbellpark. © Textoris
Freizeit

Wanderung im Lüner Süden: Herrensitz, Kommunisten und eine Frikadelle

Es können derzeit nicht die Touren in weiter Ferne sein. In Corona-Zeiten gibt es auch im näheren Umfeld viel zu entdecken. So bietet die Tour im Lüner Süden ganz unterschiedliche Eindrücke.

Autor Diethelm Textoris nimmt uns mit auf eine Tour im Lüner Süden. Dabei geht es um einen Herrensitz, eine unerwartete Begegnung mit Kommunisten und die „Frikadellenversuchung“:

Es ist ein schöner Vorfrühlingstag, als ich mit Jochen Otto und Hund Cooper als Begleiter am Parkplatz des Lüner SV am Schwansbeller Weg starte. Wir überqueren die hier noch in ein starres Bett gezwängte Seseke, gehen eine Treppe hinunter und sind schon am Rand des Schwansbeller Parks.

Unser Blick fällt auf die idyllische Insel inmitten der Gräfte, den Pavillon und die gusseiserne Brücke, die in unsere Phantasie die Vergangenheit erahnen lassen. Sie sind die letzten Relikte der ehemaligen Wasserburg, die bereits bei Karl dem Großen erwähnt wurde.

Das heutige Gebäude im Stil der englischen Neogotik 1875 fertiggestellt, hat trotz seines geringen Alters schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es war Herrensitz, Sitz der Hitlerjugend, gefürchtetes Waisenhaus, Soldatenunterkunft, Lazarett und Nebenstelle der Stadtverwaltung. Wir wandern am Gebäude vorbei durch den Park mit seinen exotischen Bäumen wie Trompeten-, Tulpenbaum und Christusdorn.

Stadt legte eine Rodelbahn an

Mit den Wanderzeichen XE und L wandern wir auf eine kleine Anhöhe. Sie zeugt von der Unbekümmertheit früherer Generationen, als man hier zwischen Park und Datteln-Hamm-Kanal in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine Müllkippe anlegte. Jochen Otto erinnert sich noch gut an sie, und auch, dass später auf der Kippe von der Stadt eine Rodelbahn angelegt wurde, die heute allerdings von Dornenhecken überwuchert ist.

Nach Überquerung des Kanals machen wir einen Schwenk zur „Kommunistenkurve“. Die ehemalige Bürgermeisterin Christina Dörr-Schmidt rettete mit Sinn für Kunst und Kurioses die Büsten ehemaliger Sowjetgrößen vor dem Einschmelzen. Nicht nur Radfahrer und Wanderer besuchen heute dieses bizarre Kunststätte.

Die bizarre Kunstensemble an der Kommunistenkurve ist einen kleinen Abstecher wert.
Die bizarre Kunstensemble an der Kommunistenkurve ist einen kleinen Abstecher wert. © Textoris © Textoris

Film-Chronist Knut Thamm ließ von Akteuren der Gruppe Arte Flessibile in einer imaginären Sprache, die wie russisch klang, einen mit Orden behangenen General interviewen und schuf so ein neues absurdes Kunstwerk. Cooper jedenfalls zeigt den Sowjetgrößen auf seine Weise seine (Ver)Achtung.

Mit der „Internationalen“ im Hinterkopf wandern wir durch den Seepark, mit dem im Morgenlicht schimmernden See zur Rechten. Danach nehmen wir den Weg unterhalb der 90 Jahre alten Preußenhalde und müssen dann wegen einer Baustelle auf die vielbefahrene Preußenstraße ausweichen.

Gegenüber vom Bahnhof bewundern wir an einer langegezogenen Mauer die Graffiti-Vögel der Firma Werner Tiernahrung, die von Künstlern der Firma Lackaffen aus Münster dort angebracht wurden. Heimische Singvögel wie Rotkehlchen und Haubenmeise sind so naturnah dargestellt, dass man glaubt, sie würden jeden Augenblick anfangen zu singen. Nach einem Wegstück an der Eisenbahn entlang stoßen wir unterhalb der Greveler Halde auf den Dortmunder Rundweg, der uns über den Nierstefeldweg und die Derner Halde zum gepflegten Lüner Südpark führt.

Im Europahain gehört Großbritannien noch zur EU

Jochen Otto macht mich hier auf die auf Initiative der Lüner Europaunion gepflanzten 28 Bäume im Europahain aufmerksam, die die Mitgliedstaaten der europäischen Union repräsentieren sollen. Im Gegensatz zur Realität sind die Bäume vereint in ihrem Streben nach oben und auch Großbritannien gehört noch zur Gemeinschaft.

„Das liegt nicht nur an den engen Verbindungen von Lünen-Süd nach Großbritannien“, erklärt mir Jochen Otto, „man kann auch nicht einen Baum, der sich in der Gemeinschaft wohlfühlt, einfach abholzen.“

Fotostrecke

Wanderung im Lüner Süden

Am Vereinsgebäude der Südparkfreunde treffen wir auf den Vorsitzenden Heinrich Niklas, der Verschönerungsarbeiten durchführt. Er erlaubt uns, die Picknickpause im Gemeinschaftsraum zu verbringen. Es dauert nicht lange, da schmieden Otto und er Pläne, wie man den Europahain für Fußgänger zugänglicher gestalten kann. Nach der Stärkung mit den letzten Spekulatius vom Weihnachtsfest folgen wir weiter dem Dortmunder Rundweg, bis wir wieder auf den Emscherparkweg XE stoßen.

Der verläuft jetzt zusammen mit dem Leezenpatt am Rande von Gahmen auf einer alten Zechenbahntrasse. Vor dem Kommunalfriedhof Lünen-Süd biegen wir links ab in Richtung Kanal.

Kormorane können am Datteln-Hamm-Kanal beobachtet werden.
Kormorane können am Datteln-Hamm-Kanal beobachtet werden. © Textoris © Textoris

Am Preußenhafen kann ich der Frikadellenversuchung nicht widerstehen, zu der mich mein Mitwanderer einlädt.

Nach dieser erneuten Stärkung und Überquerung der Kanalbrücke zusammen mit der Eisenbahnlinie Richtung Münster sind es dann nur noch wenige hundert Meter bis zu unserem Ausgangspunkt am LSV-Parkplatz.

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