An mehreren Stellen in Lünen kann es nach starkem Regen zu Überschwemmungen kommen - hier ein Beispiel von der Preußenstraße 2019. © Fröhling
Extremes Wetter

Volle Keller nach Starkregen: Maßnahmenkatalog für Lünen in Arbeit

Im Juni 2018 liefen in Lünen-Süd mehrere Keller voll. Der Abwasserbetrieb SAL will nun bald die Analyse für das gesamte Stadtgebiet abschließen - denn auch an anderen Stellen droht Gefahr.

Der nächste Starkregen kommt bestimmt – und zwar deutlich früher, als das noch vor einigen Jahren der Fall. Extreme Wetterlagen machen vielen Menschen das Leben schwer, vor allem, wenn das Wasser nicht nur von oben, sondern auch von unten kommt. Die Chefin des Stadtbetriebs Abwasserbeseitigung Lünen (SAL), Daniela Fiege, hatte das Problem nach ihrem Amtsantritt im Mai 2018 an die Spitze ihrer Prioritätenliste gesetzt und sich dazu auch mit betroffenen Anwohnern zum Beispiel in Lünen-Süd ausgetauscht.

Ende dieses Jahres nun soll die „Starkregengefahrenkarte“ für Lünen aktualisiert sein, wie die SAL-Leiterin auf Anfrage erklärt. Im Zuge dieser Arbeiten soll es auch eine Schadenspotentialanalyse geben – und am Ende dann einen Maßnahmenkatalog, über den SAL dann auch im Rahmen von Bürgerveranstaltungen informieren will.

Auch Alstedde und Lünen-Mitte betroffen

Allerdings seien bereits jetzt erste Schutzmaßnahmen umgesetzt worden, wie Daniela Fiege weiter ausführt. Dazu zählen:

  • Entnahme von Schlammfängen (Körben) aus den Straßenabläufen an Überflutungsschwerpunkten (Verbesserung des Abflussverhaltens);
  • Gesamtbetrachtung der Überflutungssituation Lünen-Süd (befindet sich in den Entzügen);
  • Bei städtischen Bauprojekten werden die Belange des Überflutungsschutzes in der Planung berücksichtigt;
  • Bei privaten Bauprojekten werden die Belange des Überflutungsschutzes ab einer bestimmten Größenordnung immer berücksichtigt – Stichwort Überflutungsnachweis.

Neben mehreren Bereichen in Lünen-Süd habe der SAL auch an anderen Stellen im Stadtgebiet festgestellt, dass die Kanalisation im Fall eines Starkregenereignisses schnell überlastet ist. „Auch Alstedde und Lünen-Mitte waren davon in den letzten Jahren stärker betroffen“, nennt Daniela Fiege zwei Beispiele.

Allerdings lasse sich nicht pauschal sagen, welche Stellen im Stadtgebiet problematisch sind. „Starkregenereignisse betreffen immer nur lokale Bereiche.“ Grundsätzlich seien Kanalnetzte, gemäß Regelwerk, auf bestimmte Wassermengen ausgelegt. „Werden diese beim Starkregen überschritten, kann es an allen Stellen des Stadtgebietes zu Überflutungen kommen.“ Vor allem treten diese Ereignisse allerdings in Sommermonaten auf und nicht im Frühjahr: „Jetzt regnet es zwar auch vermehrt, allerdings sind das in der Regel Regenintensitäten, welche das Kanalnetz gut ableitet.“

Die Kanalisation sollte ein Regenereignis mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit alle 3 Jahre für Wohngebiete und alle 5 Jahre für Gewerbegebiete und Stadtzentren ableiten können, ohne das Wasser aus der Kanalisation austritt. „Werden diese Szenarien beim Starkregen überschritten, kann es an Stellen des Stadtgebietes zu Überflutungen kommen“, erläutert die SAL-Chefin. Muss es aber nicht, betont sie dazu: „Das hat ein Regenereignis im Sommer in Lünen gezeigt. Es hatte eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit von ungefähr 10 Jahren und die Auswirkungen waren sehr gering.“

Laub kann Ableitung erschweren

Eine genaue Regenmenge, ab wann es im Stadtgebiet Lünen kritisch wird, könne man schlecht benennen, da diese immer in Verknüpfung mit der zeitlichen Dauer und Intensität zu sehen ist. „Zudem kann es passieren, dass das Niederschlagswasser aufgrund örtlicher Gegebenheiten, zum Beispiel Laub auf den Straßenabläufen, die Ableitung des Wassers erschwert oder gar verhindert und es somit schon schneller zu Überflutungen, besonders von Senken, kommen kann.“

Den schwersten Fall von Überschwemmung nach einem Starkregenereignis hatte SAL bisher 2018 registriert: Am 1. Juni liefen in der Straße „Auf dem Eigengrund“ in Lünen-Süd zahlreiche Keller voll, der Schaden lag bei mehreren Tausend Euro pro Haus.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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