Zu der Beerdigung eines jungen Lüners kamen am vergangenen Mittwoch (30.12.) rund 200 Trauergäste. © Varga
Trauer und Corona

Viele Trauergäste bei Beerdigung in Lünen: Vorgaben sind schwammig

Nach einer Beerdigung mit rund 200 Trauergästen in Lünen macht sich in den Sozialen Netzwerken Entrüstung breit. Ein Bestatter berichtet über unklare Regelungen bei Beisetzungen.

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist schon ohne Corona ein Schicksalsschlag. Durch Corona ist das Abschiednehmen und ehrenvolle Begräbnis nicht immer möglich, die Meinungen in der Bevölkerung sind gespalten. Bei einer Beerdigung in Niederaden waren am 30.12. ungeplant an die 200 Menschen gekommen, um von einem jungen Lüner Abschied zu nehmen. Er war nach einem langen Kampf gegen eine Krebserkrankung verstorben. Anwohner hatten sich über die Autos und Gäste aus ganz Deutschland beschwert. Auch in den Sozialen Netzwerken sorgte das für Diskussionen.

In den Kommentaren unter unserer Berichterstattung auf Facebook scheiden sich die Geister zwischen denen, die Verständnis für die Angehörigen haben, und denen, die das Verhalten während der Pandemie unverantwortlich finden. So schreibt eine Nutzerin: „Unfassbar, wo wir schon angekommen sind. Menschen, die einfach nur Abschied nehmen und die letzte Ehre erweisen wollen, werden verpfiffen.“ Ein anderer Nutzer hält dagegen: „Jeder hat sich an die in NRW gültigen Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus vom 30. November 2020 zu halten. Ich denke, es ist das gute Recht der Bürger/ Anwohner bei einer so hohen Anzahl von Personen in Zeiten von einer Pandemie und eines harten Lockdowns so zu handeln.“

Verständnis der Angehörigen ist groß

Sebastian Bentzien ist Bestatter. Er ist Inhaber und Geschäftsführer von Bentzien & Brocksiepe. Der Bestatter erlebt täglich, wie sich das Bestattungswesen in Lünen durch die Corona-Pandemie verändert hat. Er berichtet vor allem von verständigen Angehörigen: „Unterm Strich ist das Verständnis sehr groß. Die Leute sind es gewohnt, weil die Einschränkungen ja auch im Alltag gelten.“

Trotz Corona müssen Angehörige nicht auf alles verzichten, Sebastian Bentzien: „Wir dürfen Trauerfeiern stattfinden lassen. Je nach Größe der Trauerhalle dürfen dabei 15-50 Personen anwesend sein.“ Auf dem Friedhof sind die Regeln deutlich unklarer: „Es ist strittig, wie viele Menschen auf dem Friedhof seinen dürfen. Es ist einfach schwammig.“ Städte und Gemeinden würden sich an dieser Stelle nicht eindeutig festlegen. Der Bundesverband der Bestatter habe eine Obergrenze von 30 Personen veranschlagt, an die sich auch Sebastian Bentzien halte.

Pressesprecher Alexander Dziedeck erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass es keine maximale Teilnehmerzahl für Beerdigungen in Lünen gibt: „Grundsätzlich sind Beerdigungen nach § 13 Abs. 2 Nummer 4 der Coronaschutzverordnung ohne Personenobergrenze zulässig und bedürfen auch keiner Anmeldung. Gleichwohl gilt generell die Maskenpflicht und von der ebenfalls geltenden Pflicht zum Abstandhalten sind enge Angehörige ausgenommen.“ Bei der Beerdigung in Niederaden hatten sich alle Teilnehmer unter Augen der Polizei an die Maskenpflicht gehalten. Die Polizei hatte die Teilnehmer immer wieder dazu angehalten, auch die Abstände einzuhalten.

Beerdigung ohne digitale Gäste – vorerst

Von der Digitalisierung, die durch Corona in viele Bereiche des Lebens eingedrungen ist, spüre man in der Bestattungsbranche noch nicht so viel. Bestatter Sebastian Bentzien: „Wir haben Anfragen für digitale Gäste bekommen, wir haben es aber auch entsprechend vorbereitet. Viele haben dann aber im Zweitgespräch Abstand davon genommen.“ Bei der Vorstellung, Bilder des Sarges oder der Urne nach Italien oder Polen via Internet zu senden, kämen den Angehörigen ethische Bedenken.

Besonders heikel war zu Anfang die Bestattung von Patienten, die mit oder am Coronavirus gestorben sind. Viele erinnern sich noch an die Bilder aus Italien oder New York. Mittlerweile habe man auch in Lünen regelmäßig mit solchen Fällen zu tun, erläutert Sebastian Bentzien. Besonders für die Angehörigen ist das Abschiednehmen dann schwierig: „Wir machen keine offenen Aufbahrungen am Verstorbenen. Es wäre für die Angehörigen ein Gesundheitsrisiko.“ Bentzien wolle so auch seine Mitarbeiter schützen.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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