Gefahren bei der Gassirunde: Gespickte Köder mit Gift, Rasierklingen oder Nägeln sind der Albtraum für jeden Hundehalter. © picture alliance/dpa
Gefahr für Hunde

Tödliche Hunde-Köder: Stadt Lünen nimmt Hinweise entgegen

Albtraum für Hundebesitzer: Ein Unbekannter soll präparierte Köder im Seepark Horstmar auslegen. Polizei, Tierschutz und ein Tierarzt geben überlebenswichtige Tipps. Die Stadt bittet um Mithilfe.

Mit Gift oder scharfkantigen Gegenständen versehene Hunde-Leckerlis werden in den meisten Fällen sehr gerne von den Vierbeinern angenommen. Oft hat das tragische Folgen – ein Albtraum für jeden Hundebesitzer. Im Seepark Horstmar soll ein „Gift-Köder-Verteiler“ unterwegs sein – besagt ein im Park angebrachtes Hinweisschild, von dem eine RN-Leserin ein Foto gemacht und unserer Redaktion mit Bitte um Veröffentlichung geschickt hat.

Gefährliche Giftköder: Keine Bagatelle, sondern Straftat

Es soll sich um gespickte Wurststücke handeln, heißt es weiter. Es endet mit den Worten: „Bitte aufpassen und alle Tierhalter warnen.“ Dass sich Hundehalter untereinander warnen, sei wichtig und richtig, betont Polizeisprecherin Kristina Purschke im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber in erster Linie müsse die Polizei informiert werden, sobald ein Giftköder gefunden oder verdächtige Personen beim Auslegen beobachtet werden. Über aktuelle Fälle im Seepark Horstmar habe die Polizei bisher keine Kenntnis, Strafanzeigen liegen nicht vor.

Auch bei der Stadt Lünen sind laut Stadtsprecher Alexander Dziedeck keine Meldungen eingegangen. Und weiter: Vorfälle oder Hinweise können auch dem Ordnungsamt mitgeteilt werden, damit die Mitarbeitenden konkreten Hinweisen zu möglichen Giftködern nachgehen können. Die Köder werden dann untersucht und beseitigt.

Dieser Warnhinweis hängt im Seepark Horstmar, wo viele Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern eine Gassirunde drehen.
Dieser Warnhinweis hängt im Seepark Horstmar, wo viele Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern eine Gassirunde drehen. © privat © privat

„Es handelt sich nicht um eine Bagatelle, sondern um eine Straftat. Wir können dem nur Herr werden, wenn wir darüber Bescheid wissen“, betont Polizeisprecherin Purschke. Am besten soll der Köder fotografiert und die Gefahr im Anschluss beseitigt werden. Dann kann Anzeige gegen Unbekannt gestellt werden. Den Übeltätern kann eine Geldstrafe bis zu 25000 Euro drohen oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, je nach Umfang der Straftat. Die oberste Priorität, so Purschke, habe aber natürlich das Tier.

Wichtige Tipps von Experten für den Ernstfall:

„Wenn möglich, sollte man den Tierarzt schon auf der Fahrt dorthin anrufen“, sagt Gabi Beyer vom Dortmunder Tierschutzverein Arche 90. „Dann können sie schnell reagieren, wenn es sein muss.“ Von gespickten Ködern in Lünen wisse sie nichts, aber in Dortmund komme es flächendeckend dazu – ob mit Rasierklingen, Nägeln oder mit Gift gespickten Leckerlis.

„Den Hund darf man auf gar keinen Fall zum Erbrechen bringen, wenn es ein Köder mit Fremdgegenständen war“, sagt sie. Denn so könnte die Speiseröhre verletzt werden und alles schlimmer machen. Dazu rät auch Volker Borchers, Tierarzt aus Scharnhorst. Zudem sollten die Symptome beobachtet werden, rät der erfahrene Experte: Sobald atypische Bewegungen, Juckreiz, vermehrter Speichelfluss, Erbrechen oder Durchfall auftreten, sei Eile geboten und der Tierarztbesuch ein Muss. Je früher das Tier behandelt wird, desto reeller sind die Überlebenschancen.

Erst im Februar diesen Jahres (2.2.) starb ein junger Rüde einer Familie aus Lünen-Süd. Rasierklingen von einem präparierten Köder hatten Rambo die Eingeweide aufgeschnitten, den er beim Spaziergang über die Halde Victoria 3/4 gefressen haben musste – ein Albtraum für die ganze Familie, wie sie uns erzählten.

Politiker und Tierschützer müssen Lösungen finden

Tierschützerin Gabi Beyer rät Haltern dazu, „Fressmaschinen“ Schritt für Schritt an einen Maulkorb zu gewöhnen oder mit einem erfahrenen Hundetrainer zu üben. Denn für die Straftat an sich kann es keine Prävention geben: „Das sind kranke Köpfe, die das machen. Leute, die Tiere hassen.“ Die Folgen sind oft nicht nur fatal für Hunde, sondern können auch für Katzen, Wildtiere wie Füchse oder auch kleine Kinder zur lebensbedrohlichen Gefahr werden.

Ihrer Meinung nach müssen Politiker und Tierschützer an einen runden Tisch und Lösungen dafür finden, am besten noch vor der Wahl am 26. September: „Tiere müssen gesetzlich als Lebewesen anerkannt werden. Solange das nicht passiert und Tiere weiterhin als Sache gelten, wissen Tierquäler, dass ihnen nicht viel passieren kann. Es muss sich radikal etwas verändern.“

Update 8.9.2021, 9.45 Uhr: In der vorherigen Version dieses Artikels war das Statement der Stadt Lünen noch nicht enthalten: Auch die Stadt Lünen hat keine Meldungen zum aktuellen Fall bekommen.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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