Auf dem Schulgelände des Gymnasiums Altlünen ist schon abgeholzt worden. © Goldstein
Baumfällaktion

Stadt will Axt in Streuobstwiese anlegen: Entsetzen am Gymnasium Altlünen

Aufregung herrscht am Gymnasium Altlünen: In der Streuobstwiese will die Stadt die Axt angelegen. Und nicht nur dort. Weder Zeitpunkt noch Ausmaß der Fällarbeiten seien abgesprochen gewesen.

Dass für den geplanten Neubau der Realschule Altlünen auch Bäume weichen müssen, war Reiner Hohl, Direktor des benachbarten Gymnasiums Altlünen, bekannt. Umfang und Zeitpunkt haben ihn dann doch überrascht. Genau wie die Tatsache, dass die erst 2018 mit Schülern und dem Arbeitskreis für Umwelt und Heimat angelegte Streuobstwiese betroffen sein sollte. Ein einzigartiges Projekt in Lünen, das die Naturförderungsgesellschaft des Kreises Unna unterstützt hat.

Hier wachsen zehn Hochstamm-Apfelbäume alter Sorten. Die Schüler haben an ihnen Baumschnitt gelernt. In der kommenden Woche sollte Heimatpfleger Klaus Papius den Kronenaufbauschnitt zeigen und einen Vortrag über alte Apfelsorten halten.

Die Pläne der Stadt sind bei vielen Eltern, Schülern und Lehrern nicht auf Begeisterung gestoßen. Die hatte in der vergangenen Woche angekündigt, rund 66 Bäume und Sträucher abholzen zu müssen, um das Baufeld für den Realschulneubau vorzubereiten. Weil das alte Gebäude nicht mehr den Brandschutzbestimmungen entsprach und auch nicht barrierefrei ist, soll nun neu gebaut werden. Platanen, Birken, Weißdorne und Kornelkirschen will die Stadt absägen, 33 Bäume davon fallen unter die Baumschutzsatzung. Es soll 40 Ersatzpflanzungen geben und auch sechs Nistkästen, falls Unterschlupf für Vögel vernichtet würde.

Das Schlimmste verhindert

Reiner Hohl konnte das Fällen in der Streuobstwiese erstmal verhindern. Auch das der vier großen Bäume, die alt und ehrwürdig auf dem Schulhof stehen. Es gibt die Idee, die Apfelbäume zu versetzen. Das allerdings kann sich Klaus Papius gar nicht vorstellen. Dafür seien sie schon zu groß, das würden sie nicht überleben. Es sei denn, man würde enorme Wurzelballen ausgraben.

Ein Blick auf das Gymnasium Altlünen aus der Vogelperspektive, fotografiert mit einer Drohne. © Goldstein © Goldstein

Benedikt Spangardt, Pressesprecher der Stadt Lünen, schildert auf Anfrage der Redaktion die Sicht der Verwaltung. Danach sei der Eingriff in die Streuobstwiese kein großer. Es gehe um drei Bäume, die im Baufeld eines Flügels des Neubaus stehen. Die Bäume könnten aufgrund des geringen Abstandes zum Bau nicht richtig wachsen. „Die Alternative zu der in der Tat geplanten Umpflanzung wäre eine Fällung der Bäume“, so Spangardt.

Apfelbäume werden versetzt

In Abstimmung mit der Schule und dem Freianlagenplaner würden die Apfelbäume im März umgepflanzt. Das bestätigt auch Reiner Hohl. Mitarbeiterinnen der Zentralen Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) seien am Mittwoch (17.2.) für einen Termin vor Ort gewesen. „Wir bedauern, dass die Absprache im Vorfeld nicht gut war und dass es zu Irritationen gekommen ist“, so Spangardt.

Nach eingehender natur- und artenschutzrechtlicher Prüfung seien nur die wirklich nötigen Bäume gefällt worden. „Die vier großen Bäume direkt am Zwischenbau können entgegen der ursprünglichen Planung nun doch stehenbleiben“, kündigte Spangardt an. Sie würden während der Baumaßnahmen speziell geschützt.

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Magdalene Quiring-Lategahn

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