Brambauer - hier ein Blick von der Zechenstraße über den Ort - braucht neue Baugebiete. Gleich mehrere Varianten sind möglich. © Goldstein
Stadtenwicklung

Neue Baugebiete in Brambauer sollen kommen – die Frage ist nur: Wo?

Brambauer braucht neue Baugebiete. Darin sind sich alle einig. Weniger Einigkeit herrscht hingegen bei der Frage, auf welchen Flächen in naher Zukunft neue Wohnungen entstehen sollen.

Der Stein des Anstoßes ist ziemlich genau ein Jahr alt: Die Zukunftswerkstatt „Brambauer 2030 e.V.“ stellte am 25. Februar 2020 bei der Verwaltung die Anfrage nach der Entwicklung eines „neuen, zusammenhängenden Baugebietes“ in Lünens größtem Ortsteil. Der Verein begründete den Vorstoß mit fehlenden Bauplätzen in Brambauer: „Viele Kinder der Ur-Brambaueraner sind nun in einem Alter, in dem sie eine Familie gegründet haben und nun auch ein Haus bauen wollen.“ Dies sei jedoch in Brambauer nicht möglich, weshalb die Familien gezwungen wären, ins Umland abzuwandern – für die privat initiierte Zukunftswerkstatt, die sich die Weiterentwicklung Brambauers auf die Fahnen geschrieben hat, ein besorgniserregendes Szenario – zumal auch bezahlbarer Wohnraum für Familien und Alleinstehende dringend benötigt werde.

Mehr als 800 neue Wohneinheiten bis 2030

Tatsächlich sieht bereits der 2017 erstellte „Masterplan Wohnen“ für die Stadt Lünen „zahlreiche Potenzialflächen“ in Brambauer. Allerdings liegen diese im gesamten Stadtteil verstreut, so dass ein zusammenhängendes Baugebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern nicht zu realisieren wäre. „Der Masterplan Wohnen geht von Bedarfen an Wohnflächen, also Wohneinheiten, aus, nicht von Flächengrößen“, erläutert dazu Stadtsprecher Benedikt Spangardt. „Ziel ist es, auf der Zeitachse und in der räumlichen Verteilung auf die Stadtteile eine ausgewogenen und bedarfsgerechte Entwicklung zu erreichen.“

So rechnet der Masterplan bis circa 2025 (Priorität 1) mit rund 220 neuen Wohneinheiten, bis circa 2030 (Priorität 2) nochmal mit rund 160 Wohneinheiten, und bis circa 2035 (Priorität 3) mit weiteren 450 Wohneinheiten. Ob das auch tatsächlich so kommt, hängt von mehreren Faktoren ab – für viele der in Frage kommenden Grundstücke gibt es noch gar keinen (erforderlichen) Bebauungsplan, teilweise ist im Flächennutzungsplan an manchen Stellen noch nicht einmal Wohnbebauung vorgesehen.

Dass sich daran etwas ändern muss, ist politischer Konsens. Das wurde in der Erörterungsrunde für die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses am 23. Februar deutlich, wo der Antrag von „Brambauer 2030“ auf der Tagesordnung stand. Und nicht nur der: Auch die SPD hatte im Juli 2020 einen Antrag auf Prüfung gestellt – und zwar, um die Potenzialfläche an der Brechtener Straße von Priorität 2 in 1 hochzustufen. „Damit kommt der Ausschuss der Forderung der Zukunftswerkstatt 2030 nach neuen Bauflächen nach“, begründeten die Sozialdemokraten ihren Antrag. Die betreffende Fläche sei im Besitz eines Lüner Unternehmens, das starkes Interesse an einer Entwicklung habe.

SPD und GFL favorisieren unterschiedliche Flächen

Auf Nachfrage unserer Redaktion präzisiert SPD-Ratsherr Klaus Lamczick: „Auf dem Gelände sollen Ein- und Mehrfamilienhäuser entstehen, also eine soziale Durchmischung erfolgen, wie es den Zielen der Stadtentwicklung entspricht.“

Das Unternehmen beschäftige Mitarbeiter aus dem ganzen Ruhrgebiet, die einen langen täglichen Arbeitsweg auf sich nehmen. „Daher soll die Möglichkeit des Umzugs nach Lünen geschaffen werden. Es sollen also auch Mitarbeiter dort wohnen. Wir halten dies für eine ökologisch sinnvolle Maßnahme.“

Die Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Lünen“ (GFL) sah das anders. Sie favorisierte eine Fläche am Iländerweg, die statt der Brechtener Straße priorisiert werden sollte. „Die Fläche ist keine klassische Freifläche, sondern wurde und wird landwirtschaftlich genutzt und ist zum größten Teil mit Gewächshäusern bebaut, beziehungsweise der Boden versiegelt“, erklärt dazu Fraktionschef Johannes Hofnagel. „Mit der Entwicklung dieser Fläche werden keine ökologisch wertvollen Flächen verbraucht.“

Das Grundstück sei mit 7,2 Hektar ausreichend groß, um insbesondere jungen Familien eine neue Heimat zu geben. „Die Zahl der Wohneinheiten, die dort entstehen könnten, würde für Brambauer einen spürbaren Impuls bringen und die Schieflage deutlich korrigieren“, ist Hofnagel überzeugt. Auch begünstige die Lage am Iländerweg die Bindung und Nähe zum Ortskern, zur Schule und zum Krankenhaus, während das Grundstück an der Brechtener Straße außerhalb des Ortskerns ohne jede Versorgung läge. Das sieht die SPD anders: Durch die bereits bestehende Bebauung im Umfeld sei eine Anbindung an die Infrastruktur gut möglich.

Entscheidung noch nicht gefallen

Johannes Hofnagel machte in der Erörterungskonferenz deutlich, dass in der Sache noch Beratungsbedarf besteht. Das betonte er auch nochmal gegenüber unserer Redaktion: „Wir befinden uns in der GFL noch in der Meinungsfindung, wobei wir mit Blick auf die derzeitigen Sachargumente aktuell eine Präferenz bezüglich der Fläche Iländerweg haben.“ Um die Meinungsbildung fundiert abzuschließen, empfehle die GFL, dass die Verwaltung „beide Flächen bezüglich einer Wohnflächenausweisung genauer überprüft und die Ergebnisse der Politik zur Verfügung stellt“.

So oder so werden sich die Brambaueraner noch gedulden müssen: Da es sich nicht um eine offizielle Sitzung handelte, konnten die Ausschussmitglieder an diesem Abend auch keine Entscheidung über die Prioritätenliste fassen. Stattdessen sollen die Beschlüsse, die alle Ausschüsse bisher nicht fassen konnten, in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 4. März erfolgen. Die nächste Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung ist für Dienstag (13. April) um 17 Uhr im Hansesaal geplant.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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