Hans Gelinski aus Alstedde versucht seit einer Woche, einen Impftermin für seine Schwiegereltern zu bekommen. © Goldstein
Impfzentrum Unna

Lüner verzweifelt an der Impf-Hotline: „Die Tage waren eine Zerreißprobe“

Ein Lüner versucht zweimal vergeblich, einen Impf-Termin für seine Schwiegereltern zu bekommen. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht von technischen Probleme und gelobt Besserung.

Hans Gelinski (66) ist nicht einmal bei der Hotline des Impfzentrums in Unna durchgekommen, um einen Termin für seine Schwiegereltern zu vereinbaren. Er kam sogar zweimal durch.

Einen Termin hat er trotzdem noch nicht, was den Lüner frustriert zurücklässt: „Wenn ich damit schon solche Probleme habe, was machen dann die, die nicht mehr so fit sind und niemanden haben?“

Aber der Reihe nach: Seit Montag (25. Januar) versuchte Gelinski, die Hotline des zuständigen Impfzentrums in Unna zu erreichen. Am Mittwoch (27. Januar) war es dann so weit: „Gegen Mittag bin ich tatsächlich durchgekommen und hatte einen Mann am Telefon.“ Dem schilderte Gelinski sein Anliegen: Er wollte für seine Schwiegereltern, 94 und 95 Jahre alt, Impftermine ausmachen. „Natürlich parallel, damit ich nicht zweimal nach Unna muss.“

Der Mitarbeiter habe alles abgefragt, Namen, Adresse, anschließend wollte er den Termin durchgeben. „Da war dann erstmal ein paar Minuten Ruhe, ehe er sich wieder meldete und sagte, dass er mir wohl zu viel versprochen hätte.“ Hans Gelinsksi sollte in zwei bis drei Wochen wieder anrufen, dann würde es neue Termine geben.

Zwei Tage warten – oder zwei Wochen

Umso überraschter war er, als er am Freitag (29. Januar) in der Lüner Ausgabe der Ruhr Nachrichten erfuhr, dass noch am selben Tag neue Termine freigeschaltet werden sollten. „Also habe ich da natürlich sofort wieder angerufen.“ Und dieses Mal kam er sogar zügig durch, dieses Mal war eine Frau am anderen Ende der Leitung.

„Ich habe ihr meine Situation geschildert, auch dass ich bereits vor zwei Tagen mit einem Kollegen von ihr Kontakt hatte“, so Gelinski. Die Frau habe bestätigt, dass es neue Termine geben solle. Diese seien allerdings noch nicht freigeschaltet. „Auf meine Frage, wann denn die Freischaltung passieren solle, hieß es, dass wüsste sie auch nicht.“

Er solle es am Wochenende nochmal versuchen, „aber nicht vor dem Mittag“, vielleicht habe er dann mehr Glück. Oder halt einfach zwei bis drei Wochen warten.

Aussagen, die vermutlich nicht nur Hans Gelinski mit dem Kopf schütteln lassen. „Die Hotline ist ab 8 Uhr morgens geschaltet. Also rufen alle, die sich vor 12 melden, da umsonst an?“ Unverständlich sei für ihn auch, dass die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) über Medienberichte neue Termine ankündige, diese dann aber tatsächlich nicht zur Verfügung stünden.

Auch bei der KVWL hat man gemerkt, dass die Terminvergabe nicht so optimal gelaufen ist bisher. „Die vergangenen Tage waren für die Bürger, aber auch für uns und alle Beteiligten, eine echte Zerreißprobe“, wird Vorstandsvorsitzender Dr. Dirk Spelmeyer in einer Pressemitteilung vom Freitagnachmittag (29. Januar) zitiert. „Nachdem die Buchungssysteme am Montag zusammengebrochen sind, trat eine Vielzahl verschiedener technischer Probleme auf.“ Diese seien zwar größtenteils wieder behoben, es würden jedoch immer wieder neue technische Störungen auftreten.

Termine abhängig vom Impfstoff

Immerhin: Laut KVWL sind mittlerweile 479.000 Impftermine für die Erst- und Zweitimpfung vergeben, dass seien fast zwei Drittel der 350.000 Bürger in Westfalen-Lippe, die 80 Jahre oder älter sind.

Und: „Sowohl heute als auch am kommenden Wochenende werden sukzessive weitere Terminkontingente freigeschaltet“, hieß es am Freitag. Dies geschehe in Abhängigkeit der zugesagten Impfstoffmenge. „In Kürze wird zudem das Termin-Buchungsfenster bis Ende April geöffnet, sodass deutlich mehr Termine zur Verfügung stehen werden.“

Wichtig sei: „Es ist ausreichend Zeit und Vorlauf für die Terminvergabe, so dass jeder, der geimpft werden möchte, drankommen wird – wenn auch nicht sofort.“ Zumindest am Telefon ist Hans Gelinski schon zweimal drangekommen – jetzt hofft er, dass es endlich auch mit einem Termin in Unna klappt.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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