Dr. Goesta Schimanski kann auf ein erlebnisreiches Leben als HNO-Mediziner zurückblicken. Hier mit einer seiner zahlreichen Auszeichnungen. © Michael Blandowski
Corona-Virus

Lockdown muss sein: Renommierter Arzt aus Brambauer appelliert

Auch, wenn es schwer falle: Ein harter Lockdown sei genau richtig, sagt Dr. Goesta Schimanski. Der Arzt im Ruhestand, der in diesem Jahr 75 wird, blickt auf eine lange Laufbahn zurück.

Dr. Goesta Schimanski praktiziert schon seit sechs Jahren nicht mehr. Sein Name ist aber noch immer ein Begriff – bei Kolleginnen und Kollegen, die den HNO-Arzt aus Brambauer als einen Pionier der Mittelohrchirurgie schätzen und bei seinen Patientinnen und Patienten, denen er zum Beispiel durch den Einsatz einer Titanprothese ins Mittelohr wieder zu Hörkraft verholfen hat. Geschätzt war er nicht nur wegen seiner Fähigkeiten als Mediziner, sondern auch wegen seiner Meinungsfreude. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

„Ich habe mir einen harten und konsequenten Lockdown. gewünscht“, sagt der Arzt, der neben einer eigenen Praxis in Brambauer auch Belegbetten in der Klinik am Park hatte und einen Namen, der weit über Lünen hinaus bekannt war. Ansonsten, sagt er, werde die Zahl der infizierten Menschen weiter steigen, ebenso die Todesrate.

Appell an Ärzteschaft und Politik

Der Brambauer Arzt appelliert an Ärzteschaft, Wissenschaft und Politik, die Bevölkerung „konsequent aufzuklären und mitzunehmen“. Und an die Mitbürgerinnen und Mitbürger, den Vorgaben streng Folge zu leisten. Nur so werde es gelingen, dass die Bestimmungen des Lockdowns auch umgesetzt würden. Da sieht er zurzeit noch Bedarf.

Als er noch aktiv war: Dr. Goesta Schimanski (l.) Schwester Nicole Kusche und Narkosearzt Chefarzt Dr. Holger Sauer während einer Mittelohroperation.
Als er noch aktiv war: Dr. Goesta Schimanski (l.) Schwester Nicole Kusche und Narkosearzt Chefarzt Dr. Holger Sauer während einer Mittelohroperation. © privat © privat

Dr. Schimanski wurde 1946 in Hameln geboren. Bereits als Kind, sagt er, habe ihm filigrane Handarbeit Freude bereitet. Er nennt den Zusammenbau von Tierskeletten. So vorgeprägt hatte er an der Uni Münster das Medizinstudium aufgenommen: von 1968 bis 1973.

Die dreijährige Facharztausbildung in der HNO-Klinik im St. Johannes-Hospital in Dortmund und eine Spezialausbildung im Jung-Schilling-Krankenhaus in Siegen folgten.

Dr. Heinrich Gerlach, ein in Siegen tätiger HNO-Spezialist für Mittelohrchirurgie, war bei einem Besuch in der Dortmunder Klinik auf den jungen Arzt aufmerksam geworden. Er holte ihn als Oberarzt nach Siegen. Anfang 1980 kam der Zufall ins Spiel und brachte Schimanski nach Brambauer.

Zufall brachte Schimanski zurück ins Ruhrgebiet

Die Ehefrau des früheren Chefarztes des Krankenhauses Brambauer, Dr. Dieter Gabe, wurde in Siegen wegen einer Schwerhörigkeit operiert. Sie brachte den jungen HNO-Spezialisten wieder zurück ins Ruhrgebiet. 1983 eröffnete er eine Praxis in Brambauer, dazu kamen Belegbetten im Krankenhaus Brambauer für Operationen.

10.000 sollten es werden allein bis 2005. Patienten aus ganz Deutschland folgten dem exzellenten Ruf des Hals-, Nasen- und Ohrenarztes. Der TV-Sender RTL schickte 1991 ein Kamerateam an den OP-Tisch, der live eine Ohrenoperation filmte. Und dabei sollte es nicht bleiben.

Im Ruhestand steht bei Dr. Goesta Schimanski die Holzschnitzarbeit im Vordergrund. Darüber freut sich auch Ehefrau Gabriele.
Im Ruhestand steht bei Dr. Goesta Schimanski die Holzschnitzarbeit im Vordergrund. Darüber freut sich auch Ehefrau Gabriele. © Michael Blandowski © Michael Blandowski

1997 informierte sich ein HNO-Arzt aus Syrien über die medizinische Arbeit von Dr. Goesta Schimanski, um die Erkenntnisse in seiner Heimat weiter zu verbreiten. Titanimplantate im Mittelohr zur Hörverbesserung fanden den Weg nach Osteuropa – zusammen mit dem Knowhow, sie einzusetzen: In St. Petersburg hat Schimanski im Januar 2001 sechs Operationen durchgeführt, die live in einen Festsaal nebenan übertragen wurden.

Sein ehemaliger Assistenzart Heinrich Dick übersetzte simultan ins Russische. „Am Ende haben mich meine Gastgeber in den Festsaal geleitet.“ Den Applaus von mehreren hundert Menschen hat Schimanski heute noch im Ohr.

Auch im Deutschen Museum in München war er operierend zu sehen. Ein Film über ihn war Teil der europaweiten Wanderausstellung unter dem Titel „Feinstarbeit im Mittelohr“. Er würdigt Schimanskis Beitrag zur Entwicklung von neuen Mittelohrprothesen in Kooperation mit Biomechanikern in Stuttgart.

Im Ruhestand legt Schimanski seine Hände auch nicht in den Schoß: Neben Laufen, Boule und Schwimmen hat die Arbeit in seiner Holzwerkstatt es ihm angetan.

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Redaktion Lünen
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