An der Ferdinandstraße in Brambauer entstanden ab 1900 die Häuser der „Alten Kolonie“. © Foto: Michael Blandowski
Bergbausiedlung

Leben mit Plumpsklo: Bergbau ließ neue Siedlungen in Brambauer wachsen

Der Bergbau brachte wirtschaftlichen Aufschwung in Brambauer. Kumpel der Zeche Minister Achenbach förderten Kohle. Um sie unterzubringen entstanden zwei Siedlungen: die „Alte und Neue Kolonie“.

Um 1900, als Brambauer noch zu Dortmund gehörte und die Industrialisierung mit Kohle und Stahl voranschritt, entstanden langsam aber sicher die „Alte und Neue Kolonie“ in Brambauer. Landschaftlich umringt von zahlreichen Brambauer Bauernschaften.

Bau der „Alten Kolonie“ startet 1900

Unter Führung der beiden Dortmunder Architekten Dietrich und Karl Schulze startete 1900 der Bau der „Alten Kolonie“. Kumpel der Zeche Minister Achenbach fanden in den Werkswohnungen und -Häusern eine Unterkunft. Nordwestlich der Waltroper Straße, genauer an der Josef-, Otto-, Helmut-, Richard-, Konrad- und Ferdinandstraße, ging es stetig voran.

Größtenteils entstanden Häuser mit zwei Geschossen, dazu Sichtziegel oder Putzflächen auf dem Dach. Viel Platz blieb den Familien der Bergleute nicht. Auf etwa 60 Quadratmetern stand ihnen ein Wohn- und ein Schlafzimmer sowie eine Küche und ein Plumpsklo im Stall zur Verfügung.

Mehr war einfach nicht drin. Dennoch war es für viele der damaligen Bewohner ein sicherer und wohlfühlender Heimathafen nach der Rückfahrt aus der Grube.

22 Häuser entstehen in der „Neuen Kolonie“

Fünf Jahre später setzte sich die Prosperität – also der wirtschaftliche Aufschwung – unter Tage weiter fort. Es entstanden in der sogenannten „Neuen Kolonie“ 22 weitere Häuser. An der Karl-Haarmann-Straße, der südlichen Seite der Königsheide und an der Rudolfstraße wurden sie gebaut.

An der Karl-Harrmann-Straße wurden Gebäude der „Neuen Kolonie“ gebaut.
An der Karl-Harrmann-Straße wurden Gebäude der „Neuen Kolonie“ gebaut. © Foto: Michael Blandowski © Foto: Michael Blandowski

Wie in der „Alten Kolonie“, gehörten dort Gartenflächen ebenfalls dazu. Die Bewohnerinnen und Bewohner pflanzten Obst und Gemüse für den Eigengebrauch an. Sie hielten Kleintiere, wie beispielsweise Schweine, Hühner, Kaninchen und Tauben. Mit der Zeit verlor das Hobby der Taubenzucht allerdings an Beliebtheit.

„Diese 22 Häuser in der Neuen Kolonie unterschieden sich in der Höhe, Wohnfläche und Form. Aber nur teilweise. Sie waren doch fast identisch und in Anlehnung an die Alte Kolonie gebaut. In der Alten Kolonie verfügten die Häuser teilweise zusätzlich über einen Dachgeschossausbau. Allesamt ähneln sich die Häuser doch in eindrucksvoller Weise“, erklärt Hermann Abels.

Er wohnt seit vielen Jahren an der Rudolfstraße 9 in der „Neuen Kolonie“ und leitet das Bergarbeiter-Wohnmuseum Brambauer an der Rudolfstraße. Es zeigt die Lebensumstände der Bergleute.

Schmalspurzechenbahn verbindet Schächte

„Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts gab es in der Neuen Kolonie sogar eine Schmalspurzechenbahn für Material. Sie fuhr von den Schächten I und II zu den Nachbarschächten III und IV. Sozusagen schlängelte sich der Zug durch das Wohnquartier“, berichtet Hermann Abels aus Erfahrungen von alten Zeitzeugen.

Mittlerweile hat sich nicht nur die Lebenswelt der Menschen in Brambauer verändert. Das Erscheinungsbild der „Alten Kolonie“ hat sich ebenfalls gewandelt. Ab 2006 mussten einige Gärten der Häuser im Rahmen der baulichen Innenverdichtung verkleinert werden. Dafür entstanden im hinteren rechtsseitigen Bereich der Ottostraße mehrere Einfamilienhäuser im „Pfarrer Kock-“ und „Schwester-Elisabeth-Weg“. Dennoch finden sich im Brambauer Stadtbild gegenwärtig noch immer Relikte aus der vom Bergbau geprägten Vergangenheit.

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Redaktion Lünen
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