Ein volles Zeit wie beim Schützenfest vor drei Jahren ist in Corona-Zeiten schlicht undenkbar. Aber nicht nur deshalb sagt der Verein sein für dieses Jahr geplantes Fest ersatzlos ab. © Schützenverein Niederaden
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Kein Schützenfest – aber grün-weiß soll Niederaden trotzdem werden

Eigentlich wäre Niederaden in Feierlaune. Am Wochenende hätte normalerweise das Schützenfest mit dem Ausmarsch begonnen. Gefeiert werden kann nicht, an Traditionen wird aber festgehalten.

Es ist eine Mischung aus Trauer und Trotz, die es derzeit in Niederaden gibt. Dass das Schützenfest aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, wurde nicht lang diskutiert. Zwar hatte man gehofft und gebangt, doch am Ende war klar: Eine Feier auf Abstand wollte niemand. Doch auch wenn es weder Ausmarsch am vergangenen Wochenende geben konnte, noch Vogelschießen an diesem Donnerstag oder Kinderschützenfest am Samstag und schon gar keinen Festball an Pfingsten – an einigen Traditionen wollen Schützenverein und auch das Schützenvolk festhalten.

Kranzniederlegung am 21. Mai

So gehört vor allem die Kranzniederlegung auf dem Niederadener Friedhof genauso zu jedem Schützenfest wie das Vogelschießen. Das ist gute Sitte und gepflegter Brauch. Und das, so stellte der Vorstand fest, kann auch während der Corona-Pandemie erfolgen. „Wir werden unsere Schützenuniformen anziehen und am Freitag, 21. Mai, um 17 Uhr auf dem Friedhof einen Kranz niederlegen“, sagt Gerd Garbe, Vorsitzender und noch amtierender König des Schützenvereins Niederaden.

Uniform aus Solidarität anlegen

„Mit Abstand wegbleiben“ ist das Motto, das an diesem Tag gilt. „Den Kranz wird eine Delegation aus vier Leuten niederlegen“, sagt Garbe. Denn natürlich darf es in Pandemiezeiten keinen großen Menschenauflauf am Ort der Kranzniederlegung geben. Aber sich solidarisch zu zeigen, die Uniform anzuziehen und aus der Ferne und auf Abstand der Kranzniederlegung zuzuschauen, das kann niemandem verwehrt werden.

Doch nicht nur der Vorstand des Schützenvereins möchte gewisse Traditionen auch bei einem Nicht-Schützenfest aufrecht erhalten. Auch aus dem Schützenvolk selbst kommt ein Aufruf an alle Niederadener, ein Zeichen zu setzen und zumindest gedanklich das Schützenfest zu feiern.

Ehrenvorsitzender regt an, das Dorf zu schmücken

Der Ehrenvorsitzende des Schützenvereins Niederaden 1860, Horst Riehl, hatte im vergangenen Jahr in vielen Orten Ostwestfalens festgestellt, dass dort trotz Absage von Schützenfesten die Orte in den Vereinsfarben geschmückt wurden – und dachte, dass man dies auch in Niederaden gut umsetzen könne. Bei seinen Schützengeschwistern an der Kreisstraße kam die Idee ebenfalls gut an. Selbst die älteste noch lebende Schützenkönigin Helga Tüttmann, die das Schützenvolk von 1967 bis 1970 als „Helga I.“ an der Seite von Heinz I. (Heiming) regierte, stimmte spontan begeistert zu.

Vor drei Jahren war die Kreisstraße mit Birkengrün, Fahnen und Wimpeln geschmückt. Das gemeinsame Schlagen der Birken im Wald muss in diesem Jahr ausfallen, aber die Häuser können auch so geschmückt werden.
Vor drei Jahren war die Kreisstraße mit Birkengrün, Fahnen und Wimpeln geschmückt. Das gemeinsame Schlagen der Birken im Wald muss in diesem Jahr ausfallen, aber die Häuser können auch so geschmückt werden. © Horst Riehl © Horst Riehl

Niederaden soll grün-weiß werden

Das traditionelle gemeinsame Schmücken am Freitag vor Pfingsten kann in diesem Jahr nicht stattfinden, doch jeder für sich kann natürlich tätig werden und sich der Idee der Kreisstraßen-Anwohner anschließend. Die werden ihre Häuser von Samstag, 15. Mai, bis zum 25. Mai mit grün-weißen Fahnen und Wimpeln dekoriert haben. „Dadurch soll an die Verbundenheit zur Schützentradition in Niederaden erinnert und ein Zeichen der Solidarität gesetzt werden“, sagt Riehl, und hofft, dass sich viele Bürger und Mitglieder vom Niederadener Schützenverein der Aktion mit der Beflaggung ihrer Häuser anschließen.

Entthronisierung von König Gerd wird verschoben

Bis zum nächsten Schützenfest vergehen dann wieder drei Jahre – einen Ersatztermin für den diesjährigen Ausfall soll es nicht geben. Doch so lange will der amtierende König Gerd Garbe nicht mehr die Königswürde tragen. Er möchte sich in naher Zukunft entthronisieren lassen, um der Doppelbelastung Vorsitzender und König zu entkommen. „Aber das machen wir, wenn es wieder in einem würdigen Rahmen möglich ist“, sagt Garbe. Die Insignien einfach nur zurückzugeben, das möchte der amtierende König dann auch nicht.

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