Mit dem Spargel fing vor 30 Jahren alles an: Vitus, Elisabeth und Dirk Schulze Wethmar (v.l.) mit ihrem Spargel aus eigenem Anbau. © Rottgardt (Archiv)
Aus der Landwirtschaft

Früher eine Nische: Seit 30 Jahren gibt es bei Schulze Wethmar Bio-Produkte

Corona verhinderte 2020 ein großes Fest: Im Juni wollte Familie Schulze Wethmar 200 Jahre Bauernhaus, 30 Jahre ökologische Landwirtschaft und das Ende der Spargelsaison feiern. Es kam anders.

Als Dirk Schulze Wethmar vor inzwischen 32 Jahren seinen Betrieb auf Biolandwirtschaft umstellte, galt er als Pionier. Vor allem beim Bio-Spargel war der damals 44-Jährige deutschlandweit Vorreiter – und alle rieten ihm davon ab. Heute hat Sohn Vitus das Zepter der Hofleitung in der Hand und wuchs mit dem umgestellten Bio-Gemüse Betrieb auf. „Ich bin Bio-Bauer der zweiten Generation“, sagt der 39-jährige Sohn, der das Konzept des Vaters nach Ausbildung und Agrarwissenschaftsstudium so überzeugend fand, dass er den Betrieb gern übernahm. „Ich will nicht sagen, dass es eine Erfolgsgeschichte war, aber wir sind stetig gewachsen und haben immer wieder wieder neue Dinge ausprobiert. Wir lernen immer dazu – und das ist das Schöne.“

Die Anfänge des Hofladens Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre. Da waren im inzwischen 200 Jahre alten Bauernhaus auch noch die Pferdeställe untergebracht.

Hofladen zur Direktvermarktung

Bekannt ist der Hof Schulze Wethmar vor allem durch seinen Hofladen. Auch der feiert runden Geburtstag. „Als meine Eltern 1988 den Betrieb umstellten und auf Spargelanbau setzten, kam natürlich auch der Wunsch nach Direktvermarktung auf“, weiß Vitus Schulze Wethmar. Direkt ab Hof zu verkaufen, das war damals wesentlich einfacher als heute. Viele Kunden der ersten Stunde werden sich noch an die Anfänge erinnern: Ein Tisch auf der einen Seite des Gebäudes, von gegenüber schauten die Pferde aus ihren Boxen dem Treiben interessiert zu und nahmen gern die Streicheleinheiten der Kinder entgegen.

An all das erinnern heute nur noch Fotos: Der Hofladen ist zu einem richtigen Geschäft mit mehreren Räumen geworden. Der Spargelverkauf ist noch immer ein Magnet, doch heute hat der Hofladen das ganze Jahr über geöffnet, nicht nur zur Spargelsaison.

1995 gab es bereits Milchprodukte, Honig und andere Lebensmittel aus dem Bio-Segment im Hofladen zu kaufen.
1995 gab es bereits Milchprodukte, Honig und andere Lebensmittel aus dem Bio-Segment im Hofladen zu kaufen.

„Die Kunden fragten damals, ob es nicht auch Salat und Kohlrabi geben könnte“, weiß Vitus Schulze Wethmar, und der Wunsch wurde erfüllt. Dann kam die Nachfrage nach Milch, Joghurt, Käse, aber auch Eiern und Fleisch. Und so wuchs der Laden im Laufe der Jahre dank der positiven Rückmeldungen und Wünsche der Kunden. Der Fokus der Schulze Wethmars lag aber immer auf dem eigenen Produkt. „Das Gemüse, das wir verkaufen, haben wir selbst angebaut“, sagt Vitus Schulze Wethmar. Immerhin rund 40 Sorten sind im Angebot. „1990 gab es dann eine Kooperation mit einem Biobetrieb in Nordkirchen – und von dem bekommen wir noch heute die Eier und die Jungbullen“, verrät Schulze Wethmar.

In den Anfängen beobachten die Pferde gespannt das Treiben vor ihren Boxen. © Vitus Schulze Wethmar © Vitus Schulze Wethmar

Betrieb wächst seit einigen Jahren ständig

Ohne Kooperationen und Zusammenhalt geht es in der Landwirtschaft nicht. Und so konnte Schulze Wethmar auch selbst wachsen. In den vergangenen Jahren kam es in der Region zum großen Hofsterben, immer mehr kleinere Landwirte gaben auf – Schulze Wethmar konnte die Ländereien übernehmen und so das eigene Geschäft ausweiten. Nur so ist es möglich, eine so große Bandbreite an Feldfrüchten zur Verfügung zu stellen, denn Schulze Wethmar vermarktet nicht nur im eigenen Hofladen, sondern beliefert auch Großhändler, Direktvermarkter und einige wenige Gastronomiebetriebe in der Region. „Das ist seit 30 Jahren ein langsames und stetiges Wachstum“, freut sich Vitus Schulze Wethmar, die Familiengeschichte fortschreiben zu können.

Vom Nischenprodukt zum Qualitätssiegel

In den Anfängen war Bio längst nicht so in aller Munde wie heute, weiß Vitus Schulze Wethmar. Damalige Bio-Läden erfüllten noch das Klischee von Kundschaft in selbstgestrickten Wollpullovern. „Das war damals ein richtiges Nischenprodukt. Doch die Bedeutung nahm zu.“ Und Bio gilt inzwischen als Qualitätssiegel. Deshalb muss der landwirtschaftliche Betrieb der Schulze Wethmars auch regelmäßige angekündigte und spontane Kontrollen über sich ergehen lassen. Das geht von Aktenprüfung über Beprobung der Felder und Produkte bis hin zu Behördenbesuchen, Zollkontrollen und Besuchen der Gesundheitsämter.

„Wir arbeiten mit Lebensmitteln. Da geht es um Sicherheit“, hat Vitus Schulze Werthmar für jede Kontrolle Verständnis, auch wenn sie viel Zeit koste. „Und gerade bei Bio kann gar nicht streng genug kontrolliert werden, um Betrug auszuschließen.“

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