Die Spargelsaison auf dem Hof Schulze Wethmar in Lünen- Wethmar endet bald: Die Saisonarbeiter ernten das Gemüse nur noch eine Woche lang, am 19. Juni ist letzter Verkaufstag. © Marie Rademacher
Spargelsaison

„Aufregende Saison“: Spargelzeit auf dem Hof Schulze Wethmar endet bald

Spargel gilt als Frühlingsbote - und ist wie kein anderes Gemüse in Deutschland an seine Saison gebunden. Auf dem Biohof Schulze Wethmar endet die Saison für dieses Jahr jetzt bald.

Jeden Tag, jede Reihe: Dieses Prinzip gilt auf dem Hof Schulze Wethmar in Spragelzeit. Ion Ghiara ist einer der Saisonarbeiter, der für den Lüner Bio-Bauernhof auf den Feldern Spargel sticht. Jetzt schon in der elften Saison – so erzählt er, während er flink erst mit dem Finger eine Spargelspitze in der Reihe etwas freilegt und dann mit dem Handgerät in die Erde sticht. Spargelstange nach Spargelstange zieht er so aus dem Boden. Eine körperlich sehr anstrengende Arbeit, sagt Vitus Schulze Wethmar. Und eine, die gar nicht so einfach ist, sondern sogar nach einem ziemlich ausgeklügelten Verfahren funktioniert.

Ion Ghiara ist Saisonarbeiter auf dem Hof Schulze Wethmar. Er arbeitet in diesem Jahr schon das elfte Mal auf den Feldern in Lünen als Spargelstecher.
Ion Ghiara ist Saisonarbeiter auf dem Hof Schulze Wethmar. Er arbeitet in diesem Jahr schon das elfte Mal auf den Feldern in Lünen als Spargelstecher. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Nur noch in dieser Woche läuft die Spargelernte auf dem Biohof in Wethmar: Dann ist die Saison am Samstag (19. Juni) erst mal wieder zu Ende. „Aufregend“ sei sie gewesen, sagt Vitus Schulze Wethmar, der den gleichnamigen Hof führt. Und er meint das nicht in Bezug auf das schlimme Feuer, das es vor etwa einem Monat auf dem Hof gegeben hat.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Das Wort „aufregend“ bezieht sich eher auf die Corona-Pandemie – und ihre Auswirkungen etwa auf die Beschäftigung von Saisonarbeitern. 40 bis 50 Saisonkräfte arbeiten pro Jahr auf dem Biohof, die meisten kommen von Frühjahr bis Herbst aus Osteuropa nach Deutschland, um hier auf den Feldern zu arbeiten. Gerade im ersten Jahr der Coronakrise sei das ziemlich kompliziert gewesen, sagt Vitus Schulze Wethmar. Teilweise 13 Formulare hätten da pro Arbeiter handschriftlich ausgefüllt werden müssen, erinnert er sich.

„In diesem Jahr war das schon alles viel besser vorbereitet, da können wir nicht meckern“, sagt er. Es gibt jetzt digitale Formulare – und etwas tiefer durchdachte Regeln und Anforderungen. Es ist eben schon das zweite Jahr der Pandemie.

Spargel zu stechen, das erzählt Vitus Schulze Wethmar, ist nicht leicht, sondern ein ziemlich ausgeklügeltes Arbeitsverfahren. Und eine körperlich sehr anstrengende Arbeit.
Spargel zu stechen, das erzählt Vitus Schulze Wethmar, ist nicht leicht, sondern ein ziemlich ausgeklügeltes Arbeitsverfahren. Und eine körperlich sehr anstrengende Arbeit. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Die Spargelsaison an sich sei immer etwas Besonderes, sagt Vitus Schulze Wethmar. Kein anderes Gemüse sei so auf eine Saison festgelegt – alles andere gibt es ja eigentlich ganzjährig im Supermarkt zu kaufen. Beim Spargel ist das anders: Er wird in Deutschland eigentlich nur dann verkauft und gegessen, wenn er tatsächlich auch geerntet wird. „Bei welchem Gemüse gibt es das schon?“

Spargel ist ein besonderes Gemüse - weil er so stark an eine bestimmte Saison gebunden ist.
Spargel ist ein besonderes Gemüse – weil er so stark an eine bestimmte Saison gebunden ist. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Schon seit 30 Jahren arbeitet der Hof im Lüner Stadtteil Wethmar nach dem Prinzip der ökologisch orientierten Landwirtschaft. „Hier ist alles Bio“, sagt Vitus Schulze Wethmar. Durchaus mache das den Spargelanbau auf 20 bis 25 Hektar oder auch den Anbau des anderen Gemüses schwieriger. Vor allem im Bezug auf die „Beikraut-Regulierung“, so Vitus Schulze Wethmar. Viel müsse da, wo in der konventionellen Landwirtschaft Unkrautvernichter eingesetzt werden, von Hand geharkt werden.

April in diesem Jahr so kalt wie schon lange nicht mehr

Besonders war in diesem Jahr der April: Er war 2021 so kalt wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. „Was aber nicht unbedingt schlimm ist“, sagt der Lüner Landwirt. Für den Spargel habe das einfach nur bedeutet, dass die Ernte später begonnen hat. „Das wird sich jetzt durch die ganze Saison ziehen“, erklärt Vitus Schulze Wethmar. Auch schon die Erdbeeren waren später dran als sonst. Auf den Ernteertrag oder die Qualität der Früchte habe das kalte Frühjahr aber keinen negativen Einfluss gehabt.

Zum ersten Mal bietet der Hof Schulze Wethmar in diesem Jahr auch Erdbeeren zum selbst pflücken an – auf dem Feld gegenüber der Einfahrt zum Hof (Waldweg).

Elisabeth Schulze Wethmar mit ihrem Sohn Vitus Schulze Wethmar: Das Biohof ist ein Familienunternehmen. Dazu gehört auch der große Hofladen, den es seit rund 30 Jahren gibt.
Elisabeth Schulze Wethmar mit ihrem Sohn Vitus Schulze Wethmar: Das Biohof ist ein Familienunternehmen. Dazu gehört auch der große Hofladen, den es seit rund 30 Jahren gibt. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Zu kaufen gibt es aber auch alles im Hofladen Schulze Wethmar – direkt am Hof. Der letzte Verkaufstag für den Spargel entspricht dem letzten Erntetag: 19. Juni (Samstag). Traditionell geht die Spargelzeit in Deutschland bis zum 24. Juni – dem sogenannten Johannistag. Danach sollen die Pflanzen dann Zeit haben, um sich zu regenerieren – damit es im kommenden Jahr auch wieder eine gute Ernte gibt und die Spargelspitzen wie Frühlingsboten weiß aus der dunklen Erde ragen.

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Marie Rademacher

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