Das Ehepaar Ursula und Hakan Dülger führt seit fast einem Jahrzehnt den alten und geschichtsträchtigen Kiosk beziehungsweise die Trinkhalle in Brambauer, Reichsweg 12, in der sogenannten „Alten Kolonie" von Brambauer. Mit von der Partie ist auch der zwölfjährige Sohn Lian. © Foto: Michael Blandowski
Geschäft in Brambauer

Alter Kiosk in Brambauer zeigt sich krisenfest und trotzt auch Corona

Der alte Kiosk am Reichsweg in Brambauer ist ein Original und ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Trotzdem hält sich das kleine Geschäft und macht sich bereit für die Zeit nach Corona.

Eine Schachtel Zigaretten, ein paar Brötchen, eine Flasche Bier und eine Zeitung für die Bildung. Und alles zum Mitnehmen. Dazu gratis ein paar aufmunternde Worte und einen lieben Gruß. Am Reichsweg 12 in Brambauer, viele der eingesessenen Brambaueraner bezeichnen das Gebiet nur als „Alte Kolonie“, lebt der Geist aus einer längst vergessenen Zeit weiter. Der alte Kiosk, heutzutage steht das Wort Trinkhalle über dem Eingang, hat als ein letztes lebendes Fossil noch immer seinen eigenen Charme.

„Als wir vor zehn Jahren nach einem Haus in Brambauer suchten, sind wir bei Ebay zufällig über die Anzeige gestolpert. Erst haben wir den Kiosk gemietet. Aber nach drei Jahren haben wir das heutige Domizil, mittlerweile umfasst der Bereich circa 200 Quadratmeter, gekauft. Am 1. März des nächsten Jahres feiern wir dann unser zehnjähriges Jubiläum. Von dem Charme eines alten Kiosks, als einer von nur sehr wenigen Treffs im alten Bergarbeiterdorf Brambauer, hat unser Kiosk bis heute nichts eingebüßt“, meint Hakan Dülger. Aber eigentlich wird der Kiosk von Ehefrau Ursula mit viel Liebe und Leidenschaft geführt.

Kioskbesitzerin Ursula Dülger am Verkaufsschalter ihrer traditionsreichen Bude.
Ein Bild von früher: Kioskbesitzerin Ursula Dülger am Verkaufsschalter ihrer traditionsreichen Bude. © Hakan Dülger © Hakan Dülger

Zu belegten Brötchen, Kaffee, Eis, Tabakwaren, Zeitungen, Süßigkeiten und Getränken als klassische Produkte, kamen in der jüngeren Vergangenheit Handykarten, Sammelkarten und Panini-Fußballsammelbilder zur Angebotspalette dazu. Insbesondere als DHL-Shop, mit der Filialnummer 465, und dem möglichen Kauf von Briefmarken, wurde das Sortiment noch weiter ausgebaut.

„Wir haben eine Vielzahl von Stammkunden. Viele kommen hier aus der alten Kolonie und kaufen bei uns ein. Ich denke da insbesondere an die Wochenendtage. Schlagsahne, Zucker, Mehl oder Konserven. Wenn der Supermarkt geschlossen hat und zu Hause noch schnell gekocht oder gebacken wird, springen wir in die Bresche. Von meinem Vorbesitzer Andreas Benthaus, der den Kiosk über knapp 13 Jahre leitete, habe ich ein gutes Fundament übernommen“, so Ursula Dülger.

Kioskbesitzerin Ursula Dülger zeigt voller Stolz das breite Sortiment an Süßigkeiten.
Kioskbesitzerin Ursula Dülger zeigt voller Stolz das breite Sortiment an Süßigkeiten. © Michael Blandowski © Michael Blandowski

Unterstützung erhält die tatkräftige Kioskbesitzerin von Ehemann Hakan, der hauptberuflich als Geschäftsführer im Fleischhandel arbeitet, sowie von den beiden Söhnen Lian und Can. Beim Blättern in einem alten Fotoalbum fand Hakan Dülger sogar noch alte „schwarz-weiß“-Fotos, aus der Kioskgründerzeit, vor mehr als fünf Jahrzehnten.

Auch wenn die Historie innerhalb Brambauers neue Geschichten schrieb, die alten Bergmänner längst verstorben sind, der klassische „Tante Emma-Laden“ der starken Konkurrenzdruck der Supermärkte zum Opfer fiel, der alte Brambauer Kiosk überdauert bis heute.

Ein historisches Bild des beliebten Kiosk in Brambauer.
Ein historisches Bild des beliebten Kiosk in Brambauer. © Dülger © Dülger

„Wenn Corona endlich vorbei ist, möchte ich auch den Außenbereich, direkt neben meinem Kiosk wieder eröffnen. Die erste Säuberung habe ich schon erledigt. Auch mein Sohn Lian hat dabei fleißig mitgeholfen“, so Ursula Dülger. Drei Tische mit jeweils vier Stühlen laden nach der dritten Corona-Welle zum Verweilen ein.

Ein Pott oder Tasse Kaffee, ein Cappuccino und ein netter Plausch dazu: Ein Ritual aus einer längst vergangenen Zeit soll alsbald wieder aufleben. In Zeiten von Corona musste dagegen viel improvisiert werden. Eine Flaschenkiste für die Leergutannahme im Außenbereich, alle Getränke und Brötchen nur zum Mitnehmen. Dazu eine Spucksichtscheibe am nach oben verschiebbaren Eingangsfenster und jeder Handgriff mit den Handschuhen. Sämtliche notwendigen und sichernden Vorschriftsmaßnahmen wurden selbstverständlich eingehalten.

Positiv überrascht zeigte sich die Kioskbetreiberin auch über die schnelle unbürokratische finanzielle Hilfe durch den Staat. Die versprochenen Gelder landeten zügig auf dem Konto, um den Umsatzrückgang auszugleichen. Derzeit hat der Kiosk sieben Tage die Woche zwischen 8 und 21 Uhr geöffnet, ohne Pause. Neben der Inhaberin stehen noch fünf Aushilfskräfte, inklusive zwei Studenten, auf der Gehaltsliste.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Ich, als Brambauer Junge, bin immer auf der Suche nach interessanten und neuen Geschichten. Also, packen wir es an!
Zur Autorenseite
Avatar

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.