Gahmen-Trainer Bülent Kara hat eine eindeutige Meinung, wenn es um das Thema Aufwandsentschädigungen geht. © Günther Goldstein
Fußball

Zahlen Klubs weiter Trainergehälter? „Wer Geld bekommt, mag seinen Verein nicht“

Das Vereinsleben im Amateurfußball ist in ganz Deutschland stillgelegt. Aber bekommen die heimischen Trainer trotzdem Aufwandsentschädigungen? Wir haben in Lünen nachgefragt.

Steht das C noch für Coach oder eher für Callcenteragent? Eine nicht ganz ernst gemeinte Frage, die sich dennoch nah an der Praxis bewegt. Die heimischen Mannschaftschefs haben während der Corona-Pandemie und den immer wieder verlängerten Lockdowns nämlich außer dem Griff zum Hörer nur wenig zu tun. Doch wie ist es daher um deren Aufwandsentschädigungen bestellt? Eine Stichprobe.

Zweite Mannschaft verschenkt Mannschaftkasse

„Wir haben ja keinen Aufwand seit Corona“, erklärt Bülent Kara deutlich. Der Trainer des A-Ligisten SG Gahmen hat eine ebenso kurze wie gleichsam klare und eindeutige Meinung, wenn es in der aktuellen Situation um das Thema Trainergehälter im Amateurfußball geht. „Ganz normal. Wer Geld bekommt, mag seinen Verein nicht – meine Meinung“, unterstreicht Kara.

Das sieht Patrick Botta vom BV Brambauer II ähnlich: „Man will ja dem Verein nicht schaden, der sowieso schon keine Einnahmen hat.“ Beim BV Lünen sind die Beteiligten sogar einen Schritt weitergegangen und haben eine durchaus außergewöhnliche Maßnahme getroffen. „Die zweite Mannschaft hat dem Verein seine Mannschaftskasse geschenkt“, sagt der Trainer der Ersten Marco Fischer.

Auch BV-Trainer Marco Fischer verzichtet derzeit auf seine Prämien.
Auch BV-Trainer Marco Fischer verzichtet derzeit auf seine Prämien. © Timo Janisch © Timo Janisch

„Grundsätzlich bekommen wir schon etwas, wussten aber auch schon nach dem ersten Lockdown, dass der BV Lünen nicht im Geld schwimmt.“ Entsprechend verzichtet Fischer aktuell auch auf die Bezahlung angesichts seiner reduzierten Tätigkeit. Statt Training, gemeinsamen Läufen und heißem Tee, gibt es momentan eben nur Telefonkonferenzen und Einzelgespräche.

„Spezielle“ Spieler brauchen individuelle Einheiten

Auch Steven Koch von Bezirksligist Westfala Wethmar schlägt einen vergleichbaren Weg ein: „Der Verein verzichtet auf Beiträge und Sponsorengelder, da wäre es ein schlechtes Zeichen, wenn man da nicht an einem Strang zieht“, sagt Koch. „Die momentane Arbeit sind Gespräche, Telefonate und Videoanalysen. Das geht entspannt von zu Hause, also alles gut.“

Ihren Spielern geben die Trainer daher Hausaufgaben auf: Die Spieler sollen zum Beispiel unter Zuhilfenahme von diversen Apps eine bestimmte Distanz laufen und treiben Fitnesssport. „Die Jungs halten sich echt fit, laufen mehr als sonst“, sagt Botta. Seine Spieler haben im neuen Jahr überwiegend bereits 21 Einheiten hinter sich gebracht. Bei der SG Gahmen bekommt der eine oder andere „spezielle“ Spieler laut Kara unter Umständen sogar ein individuelles Training verordnet.

„Wir haben ein paar Sonderfälle“, sagt Kara und ergänzt: „Meist sind das die besten Fußballer, aber eben nicht die besten Läufer.“ Am Ende gehöre beim Training aus der Ferne aber auch eine Portion Vertrauen dazu. Nicht jeder Spieler habe bereits die Eigenverantwortung und Motivation, sich strukturiert an Abläufe zu halten. „Das sehe ich aber beim ersten Training sofort“, sagt Kara.

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