Bei Mannschaften mit übergroßen Spielerkadern werden sich viele Akteure zwangsweise auf der Ersatzbank wiederfinden. © dpa
Meinung

XXL-Kader mit mehr als 30 Spielern sind ein gewagtes Unterfangen

Einige Lüner Mannschaften haben ihre Spielerkader zuletzt gehörig ausgedehnt. Das könnte kurzfristig ein durchaus cleverer Schachzug sein, auf Dauer aber auch zum Problem werden, findet unser Autor.

Knapp 30 Spieler umfasst der Kader des TuS Niederaden für die kommende Spielzeit. Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Die zweite Mannschaft des BV Lünen geht sogar mit 40 Akteuren in die neue Saison. Eine Vorgehensweise, die im Hinblick auf die Auswirkungen der nach wie vor andauernden Zwangspause kurzfristig durchaus Sinn ergibt, auf lange Sicht allerdings auch Schwierigkeiten mit sich bringen kann.

Lange Zwangspause erhöht Verletzungsrisiko

Beim TuS Niederaden musste zwischenzeitlich aufgrund von zahlreichen Ausfällen sogar Trainer Amel Mesic wieder die Fußballschuhe schnüren. Derweil standen beim BV Lünen II zeitweise sogar Feldspieler zwischen den Pfosten. Das Problem: Die fehlende Breite des Kaders.

Aufgrund der angespannten Personallage verpasste der TuS in der Vergangenheit sogar einen möglichen Aufstieg in die A-Liga. „Mit der jetzigen Mannschaft wäre das nicht passiert. Dann wären wir aufgestiegen“, erklärte Mesic jüngst im Gespräch mit dieser Redaktion.

Vor allem mit Blick auf die lange Zwangspause scheint ein übergroßer Spielerkader vor allem auch in den Kreisligen derzeit durchaus Sinn zu ergeben. Aufgrund von beruflichen Einschränkungen, Verletzungen und Sperren müssen die Trainer ohnehin immer wieder zahlreiche Ausfälle verkraften.

Hinzu kommt, dass die Verletzungsanfälligkeit der Spieler nach einer solch langen Pause und vielen Monaten ohne wirklichen Spielbetrieb deutlich ansteigt. Den Kader daher auf 30 oder gar 40 Spieler aufzustocken, ist zumindest im Vorfeld einer Post-Corona-Saison durchaus sinnvoll, kann personellen Engpässen so doch weitaus besser begegnet werden, als wenn ein Kader eher auf Kante genäht ist.

Spieler müssen bei Laune gehalten werden

Doch was ist, wenn in Zukunft wieder ein geregelter Trainings- und Spielbetrieb gewährleistet werden kann und der Fall eintritt, dass beinahe alle Spieler zur Verfügung stehen – ein Fall, den sich normalerweise wohl jeder Trainer insgeheim wünscht? Dann wird ein XXL-Kader zum Problem, denn auch in den Kreisligen wollen die Fußballer auf dem Platz stehen.

Klar, das Vereinsleben, der Teamgeist und der Zusammenhalt abseits des Platzes spielen gerade hier eine ganz besondere Rolle. Dennoch wollen Fußballer am Wochenende auch die Fußballschuhe anziehen und fernab des Trainings gegen den Ball hauen. Bei derart großen Kadern werden zwangsweise regelmäßig mehrere Spieler zum Zuschauen verdammt sein. Dann ist ein glückliches Trainer-Händchen gefragt.

Es gilt, alle Spieler bei Laune zu halten, den Konkurrenzkampf anzustacheln und aufgrund der knappen Einsatzzeiten keine schlechte Stimmung innerhalb der Mannschaft aufkommen zu lassen. Faktoren, die vor allem dann von Bedeutung werden, wenn man wie der TuS Niederaden, den Aufstieg anvisiert.

Mit einem übergroßen Kader in die Saison zu gehen bleibt also ein gewagtes Unterfangen, das allerdings auch von Erfolg gekrönt sein kann. Gefragt sind dabei vor allem die Trainer – auch als Gute-Laune-Manager.

Über den Autor
Redakteur
Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul
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