Ibrahima Camara (l.) hat gerade das 2:1 erzielt. Kapitän Jan Pfeffer gratuliert. © Sebastian Reith
Fußball

Wortgefechte, Strafstoß-Ärger und sechs Tore: Mühlhausen holt gegen Wethmar den ersten Heimsieg

Wethmar spielt eine gute erste halbe Stunde, dann übernimmt Mühlhausen. Nach dem dritten Gegentor lässt Wethmar nach - zwischenzeitlich war es hitzig.

Der SSV Mühlhausen bleibt dank eines 4:2-Sieges in der Fußball-Bezirksliga oben dran, Westfalia Wethmar dagegen verliert nach der zweiten Saisonniederlage den Anschluss nach oben. Der Sieg für die Platzherren am Sonntagnachmittag war verdient, auch wenn die Wethmarer sich ordentlich verkauften.

Bezirksliga 8: SSV Mühlhausen – Westfalia Wethmar 4:2 (2:2). Dank eines überragenden Ibrahima Camara hat der SSV Mühlhausen endlich den ersten Heimsieg eingefahren. „Ibra“ erzielte die ersten drei Treffer für den SSV, doch Wethmar stemmte sich lange gegen eine Niederlage. Erst als Camara 20 Minuten vor dem Abpfiff den Fuß in eine Flanke zum 3:2 hinhielt, ließ die Gegenwehr etwas nach. Jona Deifuß (70.) oder Camara selbst (72.) verpassten gute Möglichkeiten, das Spiel zu entscheiden, ehe Kevin Weiß den Sack zumachte (78.).

„Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen. Ich kenne das anders von meinen Jungs“, sagte Wethmars Trainer Steven Roch. Gegen Mühlhausen verlieren? Erlaubt? Doch die Art und Weise sagte ihm nicht zu. Ihm fehlte das Aufbäumen nach dem 2:3. „Man kann Tore aufholen. Wenn dann die Köpfe unten sind, passt es von der Einstellung nicht.“

Wethmar beginnt stark

Wethmar gehörte vor allem die erste halbe Stunde. Jonas Osterkemper traf etwas glücklich zum frühen 1:0 für die Wethmarer. Torhüter Robin Keil wehrte einen Kopfball an der Strafraumkante nach vorne ab, Osterkemper grätschte den Abpraller ins verwaiste Tor. SSV-Trainer René Johannes nahm seine Hintermannschaft in Schutz: „So ein langer Ball kann mal durchrutschen.“

Und das brachte Mühlhausen gewaltig aus dem Konzept. Oder sorgte dafür, dass Mühlhausen es zunächst nicht umsetzen konnte. Denn wirkliche Mittel fand Mühlhausen gegen gut verteidigende Wethmarer nicht. Kompakt, eng stehend, gut gegen den Ball arbeitend und immer wieder mit schnellen Umschaltspielen brachte Wethmar die Gastgeber in Bedrängnis und deckte Schwachstellen in der Defensive auf.

Hier war Wethmars Welt noch in Ordnung: Jonas Osterkemper traf zum 1:0. © Sebastian Reith © Sebastian Reith

Erst Leon Mayka (25.) sorgte mit einem Lattentreffer für den offensiven Mühlhausener Hallo-wach-Effekt. Mühlhausen kam wie ein Güterzug träge ins Rollen, war dann aber kaum noch zu bremsen. Und so war der Ausgleich kurz darauf verdient. Christopher Simon setzte sich gegen Dominik Voß auf Links durch und Camara gab dem Ball die entscheidende Richtungsänderung in der Mitte – 1:1 (30.). „Wenn Ibra einen guten Tag erwischt, wird es schwer, ihn zu verteidigen“, sagte sein Coach.

Florian Fischer patzt

Dass dann ausgerechnet der von Mühlhausens Trainer René Johannes im Vorfeld hochgelobte Wethmarer Schlussmann Florian Fischer patzte, war eine der Geschichten des Nachmittags. Denn Fischer rutschte Camaras haltbarer Schuss unter dem Körper durch zum 2:1 (35.) – Spiel gedreht. Doch Osterkemper hatte da etwas gegen. Nach Niklas Wehners abgefälschter Flanke war Osterkemper am zweiten Pfosten völlig blank – Doppelpack! Und Schlussmann Keil war mächtig sauer auf seiner Vorderleute.

Nach der Pause wurde es ruppiger, der Ton rauer. Erst stoppte Jan Jansen Mühlhausens Rechtsverteidiger Justin Pfaff auf seinem Durchmarsch elfmeterreif. Doch weil der Unparteiische Julian Weymann sofort auf Weiterspielen entschied, zog er sich den Ärger von René Johannes auf sich. „Da gibt es keine zwei Meinungen“, brüllte Mühlhausens Trainer rein – und bekam dafür eine ebenso schroffes Echo.

Verletzter Pfaff kündigt Rache an

Das nächste Wortgefecht gab es zwischen Pfaff und Fischer. Nach einem Zusammenprall humpelte Pfaff vom Platz und kündigte in Richtung Fischer schon mal an, dass er das „im Rückspiel zurückbekommen“ werde und schickte von der Bank noch ein paar Beleidigungen hinterher.

Fischer gab ironisch seinen erhobenen Daumen und antwortete: „Gut nachgetreten!“ Denn Pfaff war beim Zusammenprall zuvor zu spät gekommen, Fischer hatte den Ball schon unter sich begraben – Freunde wurden beide nach dem Schlusspfiff dennoch. Sie umarmten sich und schlenderten lachend vom Platz. Und noch einen Aufreger gab es: Denn Voß foulte Mayka (50.), doch der erst kurz zuvor eingewechselte Deifuß trat den Strafstoß zu unplatziert. Da machte Fischer seinen Patzer wieder wett – für Punkte reichte es trotzdem nicht.

SSV Mühlhausen: Keil – Braun, Pfaff (59. Deifuß), Weiß, Hoffmann, Pfeffer, Schröder (60. Moussa), Simon, Akdeniz (73. Prothmann), Mayka, Camara

Westfalia Wethmar: Fischer – Jankort, Osterholz, Voß, Strecker, Jansen (62. Ablas), Kücükyagci (75. Mark), Fischer (70. Markowski), Wehner, Osterkemper, Wagner (46. Schöpf)

Tore: 0:1 Osterkemper (6.), 1:1 Camara (30.), 2:1 Camara (2:1), 2:2 Osterkemper (44.), 3:2 Camara (69.), 4:2 Weiß (78.)

Über den Autor
Redakteur
Sportler durch und durch, der auch für alle Sportarten außerhalb des Fußballs viel übrig hat. Von Hause aus Leichtathlet, mit einer Faszination für Extremsportarten, die er nie ausprobieren würde. Gebürtig aus Schwerte, hat volontiert in Werne, Selm, Münster und Dortmund.
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Sebastian Reith

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