Es wird noch dauern, bis Marcel Mai bei den Oberliga-Frauen des Lüner SV wieder in der Halle stehen kann. © Günther Goldstein (A)
Handball

Wenn der Stuhl als Gegner herhalten muss: LSV-Frauen halten sich virtuell fit

Die einen gehen ständig laufen, die anderen halten sich mit Youtube-Videos fit. Sportler müssen momentan Kreativität zeigen. So auch die Oberliga-Handballerinnen des Lüner SV.

Blicken die Handballerinnen des Lüner SV auf das Jahr 2020 zurück, können sie sich nicht nur beschweren. Immerhin haben sie den Aufstieg in die Oberliga geschafft. Doch wegen der Corona-Pandemie können sie momentan ihr Können nicht real unter Beweis stellen – dafür aber virtuell.

Denn die Spielerinnen halten sich zweimal die Woche mit Online-Training fit. Über einen Video-Chat findet dann das virtuelle Mannschaftstraining statt. Dazu gehen die Handball-Frauen noch laufen. „Wir machen viele athletische Sachen, machen aber auch viel Yoga und Mobilisation“, erklärt Trainer Marcel Mai, der das Training einmal die Woche leitet. Die zweite Einheit bereitet eine Spielerin vor. Auf Youtube-Videos verzichten sie dabei – stattdessen turnt jeder selber.

Mai legt in seinen Einheiten den Fokus auf Kraftübungen und Koordination. Freitags macht die Spielerin Elisa Wolff etwas zur Mobilisation, hinterher hat Anna Lienecke etwas vorbereitet. Auch kleinere Handball-Übungen werden eingebaut. „Es wird jetzt nicht großartig geworfen, aber wir machen Wurf- und Pass-Täuschungen. Also mal in die Schrittfolge gehen und eine Körpertäuschung machen, ein Stuhl simuliert dann den Gegner im Nullkontakt“, erklärt der Coach. Das sehe bestimmt bekloppt aus, meint er, „aber es klappt ganz gut“.

Auf das Hallenparkett ging es bislang nämlich nur einmal gegen Schwerte-Westhofen. Das Spiel gewann der LSV, aber wirklich viel Verwertbares konnte Marcel Mai da bislang nicht rausziehen: „Das war auch gegen einen Mitaufsteiger, was sowieso auf Augenhöhe ist. Aber in der Liga sind ja auch Teams mit einer anderen Qualität.“ Ein bisschen kann er aber auch einschätzen, was auf seine Mannschaft zukommen würde, wenn die Saison weitergeht. Schließlich müssen die Oberliga-Spiele gefilmt und online gestellt werden. „Dann kann man ein bisschen Videoanalyse machen“, erklärt er.

Aber Mai kündigt es unterschwellig schon an: wenn es weitergeht. Bisher geht der LSV-Coach davon aus, dass erst um Ostern rum wieder angefangen wird. „Und dann bist du ein halbes Jahr rausgewesen“, sagt er. Deshalb müsse man auch mindestens vier Wochen Vorbereitung einplanen, „das wäre ja auch unvernünftig wegen der Verletzungsgefahr.“ Im Handballkreis Hellweg sind diese vier Wochen daher schon vorgesehen. Ob es auch vom Verband so gehandhabt wird, weiß Mai noch nicht.

Doch die Wiederaufnahme der Liga sehnt sich Mai nicht so sehr herbei wie den Sport an sich: „Alle sind wieder froh, wenn wir überhaupt wieder gemeinsam uns bewegen und in der Halle treffen können. Aber das ist wahrscheinlich noch lange und weit weg, wenn die Zahlen nicht rapide sinken“, versucht Mai realistisch zu bleiben.

Zumindest finanziell habe die Zwangspause keine großen Löcher gerissen: „Was wir einnehmen an einem Spieltag, geht auch in einen Spieltag wieder rein. Wir bezahlen beispielsweise die Schiris davon“, erklärt Marcel Mai. Doch merke man auch hier langsam die Einbußen.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
Zur Autorenseite
Verena Schafflick

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.